Full text: Hessenland (26.1912)

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Hauptansicht. 
Das Erholungsheim für Eifenbahnbeamie in Karlshafen an der Weser. 
Der Gedanke, für den Verband der Eisenbahnvereine 
im Direktionsbezirk Kassel ein Erholungsheim zu gründen, 
der vom Verbandsvorsitzenden, Präsidenten und Wirklichen 
Geheimen Oberregierungsrat Ulrich, ausgegangen war, 
war spruchreif geworden, als im Jahre 1908 der Minister 
der öffentlichen Arbeiten das Unternehmen durch Gewährung 
eines namhaften DarlehnS sicherte. Nicht weniger als 
56 Städte unb Städtchen Hessens und der Nachbarprovinzen 
hatten sich bereit erklärt, für die Anstalt den Grund und 
Boden zu günstigen Bedingungen, zum Teil sogar kosten 
los herzugeben. Wenn Karlshafen schließlich siegreich aus 
dem Wettbewerb hervorging, so lag das einmal daran, 
daß das angebotene 1 Hektar große Grundstück durch seine 
Höhenlage, durch die Nachbarschaft parkähnlicher Gärten 
und ausgedehnter Waldungen alle Bedingungen erfüllte, 
die in gesundheitlicher Beziehung an den Bauplatz eines 
Heims für Erholungsbedürftige gestellt werden mußten, 
dann aber auch daran, daß die Stadt und ihre weitere 
Umgebung ganz die Eigenschaft besaßen, die der Freund 
eines ruhigen Urlaubs von einer ersprießlichen Sommer 
frische verlangt. Der am Zusammenfluß der Weser und 
Diemel gelegene, vom Solling und Reinhardswald ein 
geschlossene Ort, eine Gründung des Landgrafen Karl von 
Hessen für Hugenotten, hat in den zweihundert Jahren 
seines Bestehens Aussehen und Einwohnerzahl kaum ge 
ändert. Wie ein verträumter See liegt der stille Hafen, 
dem das Barockstädtchen Ursprung und Namen verdankt, 
inmitten der regelmäßigen niedrigen Häuserblöcke, die, von 
Du Ry erbaut, zum Anziehendsten gehören, was die Ge 
schichte des Städtebaues aufzuweisen hat. Malerische Dörfer, 
uralte Siedlungen von Sachsen und Franken, beleben die 
engen, gewundenen Täler, Klöster und Burgen, Grün 
dungen karolingischer Zeit, krönen die Höhen. 
Seiner Bestimmung und Lage entsprechend hat das 
Erholungsheim, deffen Entwurf von der Hochbauabtei 
lung der Eisenbahndirektion Kassel (Regierungsbaumeister 
vr. Holtmeyer) aufgestellt wurde, im Äußeren ein 
landhausmäßiges Gepräge erhalten. Die gestreckte Front 
des dreigeschossigen, mit Knickdach abgedeckten Einslügel- 
baueS, die durch die einseitige Lage der nach dem Tale zu 
angeordneten Zimmer bedingt war. wird durch drei Giebel 
belebt, die in ihrer Gleichheit an die im Städtchen herrschende 
Symmetrie anklingen. Abgesehen von diesen drei Dach- 
ausbauten, die wie die ganze Mansarde für Wohnzwecke 
ausgenutzt find, besitzt die auf Fernwirkung berechnete 
Hauptseite als Gliederung nur eine Galerie kurzer Säulen, 
die die durchgehenden Balköne des ersten Stockwerk- ab 
schließen und die schützenden Giebel tragen. 
Auf der Hinterfront wiederholt sich der Dreiklang der 
mit ihren Firsten durchgeführten Giebel, so zwar, daß die 
Nebengiebel schmäler ausgefallen sind. 
Werkstein, meist nur bruchrecht bearbeitet, ist lediglich 
für den Sockel und die Türumrahmungen verwandt. Die 
Frontflächen find, soweit sie aus Mauerwerk bestehen, rauh 
geputzt und gelblich getönt, soweit ste als Fachwerk aus 
gebildet find, mit Schindeln oder Pfannen bekleidet. Mit 
letzterem, bei den Sachsen-Häusern des Diemeltales üblichem 
Baumittel ist auch das Dach eingedeckt. Dachüberstände 
und Fenster haben weißen, die Außentüren stahlblauen, 
die Fensterläden und Weinspaliere grünen Anstrich er 
halten. Dllrch Malerei und Bildhauerarbeit find in be 
scheidenen Grenzen die Außeneingänge betont. 
Da8 Heim enthält 33 Fremdenzimmer mit 49 Betten. 
Die Gesellschaftsräume, die einen Speisesaal von 60,50 qm 
Grundfläche mit zugehörigem Schenkraum, ein kleineres 
Eßzimmer und einen Unterhaltungsraum umfaffen, liegen
        

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