Full text: Hessenland (26.1912)

geschlossen wurden. Gegenüber der römischen Be 
gräbnisstätte ist die altchristliche überaus einfach 
im Ornament. Nur für Bischöfe und besonders 
verehrte Märtyrer wurden in den Katakomben 
größere kapellenartige Räume geschaffen. Nachdem 
das Christentum Staatsreligion geworden war, 
erhoben sich über den Gräbern hervorragender 
Christen Grabkapellen. Die Sarkophage waren 
in Anlehnung an römische Sarkophage reich mit 
pflanzlichen Ornamenten oder Darstellungen aus 
der biblischen Geschichte geschmückt. Die Masse 
des Volks wurde in Erdgräbern bestattet. 
Alle diese meist durch örtliche und vielfach durch 
politische Verhältnisse geschaffenen Bestattungs 
formen der älteren Völker mußten wir voraus 
schicken, um an den christlichen Grabstätten auf 
germanischem Boden zu erkennen, was überlieferte 
Form, also vielen Völkern gemeinsam ist, und 
was von dieser abweicht. 
Was zunächst den Ort der Beisetzung betrifft, 
so wurden die Gründer der ältesten christlichen 
Niederlassungen in den Kirchen oder Kapellen in 
besonderen Gruftkapellen unter dem Hauptaltar 
beigesetzt. Die ersten Gruftkapellen oder Krypten 
waren noch von geringem Umfang. Später, als 
man noch andere hervorragende Personen in der 
Krypte bestattete, nahmen die Krypten bedeutenderen 
Umfang an. 
Daneben kamen vereinzelt auch besondere, meist 
zentrale Grabkapellen nach Art der christlich 
römischen vor. Für geringere Personen bestand 
nach wie vor die Erdbestattung. 
Der Sarg zeigt in seiner Form große Ver 
schiedenheiten. Während man in altchristlicher 
Zeit den Leichnam in ein Tuch gehüllt in den 
loculus, die kleine Höhlung in der Wand, brachte, 
wurden auf deutschem Boden die Toten in eine 
Tierhallt gehüllt in Baumstämmen oder Bretter 
särgen beigesetzt. Äbte, Bischöfe und fürstliche 
Personen wurden während der karolingischen, ro- 
manischen und frühgotischen Zeit in Steinsärgen 
begraben. Diese Steinsärge waren entweder wirk 
liche Steinkisten, aus einem Block gehauen, oder 
aus Platten zusammengesetzt oder.gemauert. Eine 
besondere Klasse bilden die Steinkisten als Reliquien 
behälter, die am Schluffe besprochen werden sollen. 
Der Steinsarg aus einem Stück hat zuweilen 
die Form des römischen Sarkophags, innen glatte 
Wände und einen steinernen Deckel, wie er sich 
auch aus den älteren Darstellungen der Auferstehung 
findet. Ganz neu aber ist die Art des Steinsargs, 
die sich den Formen des menschlichen Körpers 
anpaßt, wie sie uns in Grabstätten in Fulda, 
Hersfeld, Hünfeld, Fritzlar, Roßdorf, Hirsau, Halle, 
Merseburg, Braunschweig, Speyer, Worms, Heil- 
bronll, Lorsch entgegentritt. 
Betrachten wir zunächst das Gemeinsame dieser 
Steinsärge. 
Der Steinsarg hat entweder senkrechte oder 
schräge Außenwände, seine Größe richtet sich nach 
der der Leiche. In Schulter- und Hüftlage ist 
der Sarg am breitesten. Die Innenwände sind 
senkrecht oder schräg, auch wohl gehöhlt. Der 
Kopf ruht in einer besonderen Höhlung, die große 
Verschiedenheit in der Behandlung zeigt. Im 
Boden oder in einer Seitenwand befindet sich 
ein rundes Loch zum Abfluß der Zersetzungs 
flüssigkeit. Der Deckel des Steinsargs besteht aus 
einer großen Platte, die meist glatt, zuweilen flach 
dachförmig ist. Die Steinsärge sind fast immer 
bis zu ihrem oberen Rand in die Erde gebettet, 
der Deckel liegt unmittelbar unter dem Fußboden 
der Kirche oder des Kirchhofs, vielfach mit einer 
besonderen Grabplatte mit Inschrift und Bild 
bedeckt. 
Auch die aus Platten zusammengesetzten und 
die gemauerten Steinsärge sind im Prinzip dasselbe. 
Die Anordnung der Särge geschah in Reihen, 
das Gesicht der Toten war nach Osten gerichtet. 
(Schluß folgt.) 
Das Schwälmerleben im eignen Sprichwort. 
Beitrag zur Kenntnis der Schwälmer Denkart. 
Von Joh. H. Schwalm. Originalzeichnungen von I. Happ. 
(Fortsetzung.) 
2 . Wie die Zucht, so die frucht. 
Wie verschieden doch so Kinder geartet 
sind! Schon äußerlich! Je älter sie werden, 
desto mehr tritt das in die Erscheinung. 
Die eine Tochter hat Backe dis es Eos, Bee 
bie Botterfässer, eß dick bie in Mählsack on 
vierstetzig bie in Ärnwääng (viereckig bie in 
Sauwstall) . so laang bie breet, owe bie 
enge, henge bie vönn (Backen wie eine Rose, 
Beine wie Butterfässer (gemeint ist das runde, so 
genannte Stoßfaßb ist dick wie ein Mehlsack und 
vierstützig wie ein Erntewagen (viereckig wie ein 
Saustallb so lang wie breit, oben wie unten, hinten 
wie vorn!. Die verliert äbre Mann eemol net 
em Bettstroh (Die Verliert ihr Mann einmal nicht 
im Bettstroh).
        

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