Full text: Hessenland (24.1910)

NSSL- 122 
lungen, Gutachten theologischer Fakultäten wurden 
eingeholt, Schupp klagte beim Senat, der sich der 
Sache annahm und beiden Teilen Stillschweigen 
auferlegte. Das war im Frühjahre 1658. Aber 
damit waren die Gegner wenig zufrieden. Müller 
selber schrieb (oder veranlaßte) eine häßliche 
Schmähschrift gegen Schupp, Herbst 1658; er 
stachelte auch einen Dresdener Magister auf. gegen 
ihn zu schreiben, und man kolportierte in der 
Stadt die abenteuerlichsten Gerüchte über ihn. 
Diesem an sich so widerlichen Streite verdanken 
wir mit die besten von Schupps satirischen Schrif 
ten und die besten Zeugnisse über ihn selber. Es 
ist aber nicht wahr, daß erst dadurch Schupp zu 
seiner Schriftstellerei in deutscher Sprache gereizt 
worden sei. Bis zum 22. September 1657 hatte 
er 23 Traktätlein geschrieben, die wohl zum Teile 
noch nicht gedruckt waren und auch bei seinen 
Lebzeiten nicht alle gedruckt worden sind. Sie 
wurden gesammelt später von seinen Söhnen heraus 
gegeben und haben in dieser Sammlung fünf 
Auflagen erlebt, indes die Einzeldrucke massenhaft 
nachgedruckt worden waren und reißenden Abgang 
gesunden hatten. 
Schupps schriftstellerische Leistung zu 
würdigen, dazu habe ich hier nicht Raum genug. 
Deshalb nur einige Andeutungen. Er war nicht 
das, was wir unter einem Dichter verstehen; aber 
er war ein durch und durch deutscher Mann. Er 
besaß einen hellen Blick für die Schäden der Zeit, 
die er ohne Menschenfurcht in Predigten und 
Schriften strafte. An Humor fehlte es ihm nicht, 
und mit ihm verband sich eine nicht beißende, aber 
treffende Ironie. Mit einer wunderbaren Be 
lesenheit und reichen Erfahrung verband er ein 
gutes Erzählertalent. Man langweilt sich bei 
ihm nie, wenn es auch manchmal bunt zugeht, 
so daß man völlig den Faden verliert. Seine 
Satire hat die ausgesprochene Absicht zu bessern, 
aber nie fällt sie in den Ton des Moral- 
predigers, der so manchen seiner Zeitgenossen un 
genießbar macht. Auch darf man nicht sagen, er 
wiffe nur zu tadeln, aber nichts Besseres an die 
Stelle zu setzen: Es finden sich in seinen Schriften 
genug positive Vorschläge; aber sie find hier und 
da zerstreut, weil er seine Anschauungen nicht in 
einem geschlossenen Systeme dargestellt hat. Offen 
bar fehlte es ihm dazu an der nötigen Muße. Das 
ist eben das Eigenartige seiner Schriften, daß sie 
nicht die Früchte einer stillen Beschaulichkeit find, 
sondern im Strudel des Lebens aus dem Bedürf 
nisse des Augenblickes entsprungen. Zeit- und 
Streitfragen, welche die Mitwelt bewegten, be 
handeln. Seine Sprache gehört zum reinsten 
Deutsch zwischen Luther, und Lessing, und für die 
Muttersprache gegen das damals noch alles be 
herrschende Latein, für deutsches Wesen gegen 
Ausländerei in Sprache, Kleidung usw. ist er 
schon seit 1638 eingetreten. Für die einzelnen 
Schriften von und über Schupp muß ich auf 
meine Beiträge im „Euphorion" verweisen; diese 
oder jene herauszugreifen, wäre eine zu große 
Willkür, und alle kann ich sie nicht aufzählen, viel 
weniger charakterisieren. Doch darf ich bemerken, 
daß Schuppsche Schriften einem größeren Leser 
kreise bereits in Neudrucken zugänglich sind und 
daß weitere demnächst folgen sollen. 
Ehe der Hamburger und der literarische Streit 
völlig beigelegt waren, ist Schupp zur Ruhe ge- 
gangen. Seine Schriften, an denen er bis kurz 
vor seinem Tode gearbeitet hat. verraten mit keinem 
Worte, daß er unter den Kämpfen zusammen 
gebrochen wäre. Sein ältester Biograph sagt, er 
sei in eine zähe Krankheit verfallen, die der Kunst 
der Ärzte widerstand. Er litt ja schon lange an 
Rheumatismus. Am 26. Oktober 1661 ist er 
gestorben. Als Grabschrift hat er sich gewünscht: 
„Ich habe geglaubt eine Vergebung der 
Sünden, eine Auferstehung des Fleisches 
und ein ewiges Leben. Amen." 
Berichtigung. 
Seite 80 a, Zeile 6 von unten: doch habe ich eS mir 
„ 61a, „ 22 „ oben: nicht 
„ 81 d. „ 16 „ „ : eckige Klammer statt runder 
. 29 „ . : fodast 
„ 2 „ unten: stehst! Wir haben 
. 14 , oben: Doch könuen wir 
. 23 . . : W. Dirhl 
„ 17 „ unten: und statulrtt 
. 3 „ oben: August 1841 die Würde eines Licrntiatrn. 
„13 „ unten: Festschrift der Universität Siesten 
(1907 . .) 
„ 16 „ „ und öfter: ES statt Er 
„ 76 a, 
76 b, 
„ 77 b, 
„ 93 b. 
.. 94 b, 
„ 110 a, 
Johann Gottfried -öeumes Rekrutenzeit 1781/83. 
Von Generalmajor z. D. G. Eisentraut. 
rT l (Schluß.) 
Am 29. Mai erschienen endlich die englischen 
Transportschiffe bei Bremerlehe, und die Rekruten 
wurden nun mit allem Zubehör von Vegesack aus 
in kleinen Booten dorthin gebracht und eingeschifft. 
Es scheinen auch alle Frauen und Kinder, die 
an der Weserfahrt teilgenommen hatten, auf den 
Schiffen Unterkommen gesunden zu haben. Am 
2. Juni endlich gingen 14 englische Transport 
schiffe mit hessischen, hanauschen, zerbster, waldecki- 
scheu, braunschweigischen und ansbachischen Ersatz-
	        

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