Full text: Hessenland (24.1910)

Nr. S. 
24. Jahrgang. 
Erstes Wai-Hefi 1S10. 
Die kurfürstlich heffifche Renteret Hofgeismar 
Von Jean Woringer*). 
In neuerer Zeit haben manche Beamtenstellungen 
viel von ihrer früheren Bedeutung verloren, keine 
aber in solchem Maße, wie die Stellung der Renterei 
beamten. Es ist wohl interessant, die Stellung der 
Rentmeister in den verschiedenen Zeiten näher zu 
betrachten; es ergibt fich hierbei, daß, durch die Zu 
nahme der Bevölkerung, durch andere Einrichtungen 
im Staatshaushalt, durch andere Gesetzgebung usw. 
bedingt, diese Stellung in Hessen schon seit 1821 
nicht mehr das war, als was fie in früheren Jahren 
gegolten hatte. 
In den älteren Zeiten bestanden einfachere Ein 
richtungen; Justiz und Verwaltung (letztere teil 
weise) lagen dem Amtmann, die Finanz- und ein 
Teil der inneren Verwaltung dagegen dem Rent- 
meister ob. Die beiden waren „die Beamten", 
denen alle Geschäfte außer denen der Forstverwal 
tung, wofür das Forstpersonal, und denen der direkten 
*) Der Verfasser, der im Jahre 1896 als Rechnungsrat 
und Kgl. Eisenbahnfekretär a. D. in Kassel verstorben ist, 
war als genauer Kenner der heimatlichen Geschichte bekannt. 
Sein Sohn ist unser den Lesern der Zeitschrift durch viele 
wissenschaftlich wertvolle und dabei feffelnd und anregend 
geschriebene geschichtliche Beiträge wohl bekannter hoch 
geschätzter Mitarbeiter Rechnungsdirektor A. Woringer, 
der Schriftführer des Hessischen GeschichtSvereinS. D. Red. 
Steuerverwaltung, wofür die Steuerkommissare be 
stellt waren, oblagen. Aus diesem Grunde wurden 
denn auch die Erlasse der höheren Behörden an 
Amtmann und Rentmeister in der Regel adressiert: 
„an die Beamten in X." oder, wenn die Mitwirkung 
der städtischen Behörde notwendig war: „an Beamte 
und Stadtrat in X." 
Der Rentmeister, der in der Regel zugleich Pächter 
der in seinem Bezirke liegenden Staatsgrundstücke 
war, hatte die Erhebung der Erbzinsen, Zehnten, 
Triften, Pachtgelder, Forstgelder, Strafen, Steuern, 
sowohl der direkten als der indirekten, usw. zu be 
sorgen, es lag ihm ob, etwaige Hagelschäden oder 
etwa vorkommende größere Viehverluste festzustellen, 
und er war verpflichtet, bei ausbrechendem Feuer 
an der Brandstätte zu erscheinen, um die Lösch 
arbeiten zu überwachen. Er war Mitglied der Polizei 
kommissionen, der Rügegerichte und derjenige zu Hof 
geismar zugleich Kastellan am Gesundbrunnen. 
Selbstverständlich waren die Bezirke der Rentereien 
nicht gleich groß. und es gab sehr kleine und sehr 
große Bezirke. Erstere waren aber vorwiegend; 
hatte doch der jetzige Kreis Hofgeismar allein sechs 
Rentereien, nämlich: Hofgeismar, Liebenau, Greben 
stein, Sababurg, Trendelburg und HelmarShausen.
	        

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