Volltext: Hessenland (16.1902)

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auf die Funde zu sprechen, die in dem Brunnen 
des alten untergegangenen Torfes Mattenberg ge 
macht waren, und gab zu denselben sehr dankens 
werte Erläuterungen. 
Gefchichtsverein in Schmalkalden. In 
Schmalkalden hielt am 8. Dezember der hessische 
und hennebergische Gefchichtsverein eine 
Sitzung ab, in welcher Herr Metropolitan Vilmar, 
der als Vorsitzender wiedergewählt wurde, einen 
Vortrag über den Landgrafen Wilhelm IV. von 
Hessen, den Erbauer des Schlosses Wilhelmsburg, 
hielt. Derselbe wurde mit vielem Beisall - aus 
genommen. 
Luise Braun-Stiftung. Im Architekten 
haus zu Berlin fand am 4. Dezember eine Gedenk 
feier des deutschen Schriststellerinnenbundes für die 
dahingeschiedene Frau Luise Braun statt, bei welcher 
in Erinnerung an die vielen Verdienste, die sie 
sich um den Bund erworben, beschlossen wurde, die 
Unterstützungskasse desselben „Luise Braun- 
Stistung" zu nennen. 
Kur fürsten bild. Der Kasseler Kunstmaler 
Theodor Matthei hat ein Bildnis des letzten 
Kurfürsten vollendet, welches er im Auftrag 
Sr. Königlichen Hoheit des Landgrafen Alexander- 
Friedrich von Hessen gemalt hat. Das Bild ist ein 
Geschenk des Landgrafen an das Osfizierkorps des 
Füsilier-Regiments von Gersdorss (Kurhessischen) 
Nr. 80, früheren hessischen Garderegiments, und 
für das Ossizierskasino in Wiesbaden bestimmt. 
Der Kurfürst ist in Lebensgröße, angethan mit der 
Gardeuuiform, dargestellt (Kniestück). Von Per 
sonen, die dem Kurfürsten nahe gestanden haben, 
wird das Bild als ein sehr gutes bezeichnet. 
Todesfall. Im November starb in Hoboken 
bei Newyork der Schiffskapitän und Leiter der Piers 
der Hamburg-Amerika-Linie Edmund Baden - 
hausen, geboren am 20. November 1840 in 
Melsungen als Sohn des damaligen Amtsaktuars 
Ludwig Wilh. Philipp Badenhausen. Edmund 
Badenhausen ist 1878 als Kapitän der später 
untergegangenen „Cimbria", des schnellsten deutschen 
Dampfers jener Zeit, bekannt geworden. 
Hessische Bücherschau 
Marburg, die Perle des Hessen land es. 
Ein litterarisches Gedenkbuch. Herausgegeben 
von Wilhelm Schoos. Zweite, stark ver 
mehrte und verbesserte Auflage. 171 S. Mar 
burg (N. G. Elwert) o. I. Preis M. 2.40, 
geb. M. 3.20. 
Wer sich unser Hessenland malerisch vergegenwärtigt, 
denkt zunächst wohl nicht an unsere auch sonst vorkommen 
den Basaltkuppen, unsere Wälder und bescheidenen Flüsse 
im allgemeinen, sondern an drei Orte im besondern, die. 
allein echt hessisch, allein auch dem Land seine bestimmtere 
Physiognomie verleihen: Kassel. Wilhelmshöhe und Mar 
burg. Denn so malerisch z. B. Fritzlar gelegen ist. das 
man auch ohne Bettinens Augen schön finden muß, so 
anziehend und charakteristisch Fulda erscheint, so wenig 
können wir diese Städte, die kaum fünfzig Jahre im Besitz 
unserer Fürsten waren, wirklich hessische nennen. Sind 
wir in der Fremde und gedenken unserer Heimat als eines 
Landes, so steigt in unserer Phantasie der sanftgedehnte 
Höhenzug des Habichtswaldes mit dem Märchenschloß des 
Herkules auf seiner Mitte, das heiterblühende Thal von 
Kassel und das steilaufgeschichtete, mittelalterlich düstere, 
aber auch mittelalterlich malerische und poetische Marburg 
auf. Die Elisabethkirche ragt empor, ihre stolzen Stein 
spitzen in der Lahn spiegelnd, und der Schloßbcrg wächst 
zur Höhe über Häuser hin. die eins dem andern auf dem 
Kopf stehen. Marburg. durchaus nicht etwa reicher an 
schönen Bildern wie Kassel, bietet diese Bilder aber kon 
zentrierter dar und lenkt die Aufmerksamkeit um so leichter 
darauf hin. als sie eben das einzige sind, was der Besucher, 
wenn er nicht gerade Student ist, hier finden kann. „Die 
Perle des Hessenlandes", gleichsam als einziges Kleinod 
auf heimischem Gebiete, ist daher ein Ausdruck, der auf 
objektive Gültigkeit schwerlich Anspruch erheben kann. 
Das schöne und höchst eigenartige Buch, das diese „Perle" 
in den Goldrahmen bedeutender Aussprüche faßt, liegt 
jetzt in zweiter Auflage vor. „Vermehrt und verbessert" 
nennt sie sich, und wir dürfen dem vollkommen beipflichten. 
Daß freilich die Vermehrung des Inhalts, die dem Um 
fang nach eine auffallende ist, keine allzugroßen Über 
raschungen bereitet, liegt in der Natur des Unternehmens 
und vor allem des Unternehmers selbst. Einem so gründ 
lichen Fleiß und Spürsinn, wie ihn der Herausgeber 
schor, mehrfach bewiesen hat, sind die wichtigsten in Frage 
kommenden Stellen natürlich schon bei der ersten Auflage 
nicht entgangen. Immerhin lesen wir auch jetzt noch 
manches neue, geistvolle und poetische Wort über Marburg, 
und sogar berühmte Namen sind hinzugekommen, wie 
Knigge, Geibcl. Savigny, Sylvester Jordan, der Pädagog 
Niemeyer, der Mineralog Leonhard, der englische Archäolog 
Mahasfy und von zeitgenössischen Dichtern namentlich 
Adolf Wilbrandt, ein ebenso begeisterter wie beredter Ver 
ehrer der alten Musenstadt. Von andern, schon früher an 
geführten Schriftstellern bereichern erfreuliche Ergänzungen 
die neue Auflage. Besonders haben aus dem Buch über „die 
Günderode" köstliche Schilderungen aus dem romantischen 
Winterleben Bettinens, als nunmehr glänzende Zierden 
des Werkes. Aufnahme gefunden. Seine eingehenden 
Studien auf dem Gebiet der hessischen Litterärgeschichte 
ermöglichten dem Herausgeber, sein Buch zugleich zu einer 
interessanten hessischen Anthologie zu gestalten und uns 
Autoren vorzuführen, die man sonst nicht leicht kennen 
lernt. Mit Vergnügen liest man in dieser Hinsicht die 
mitgeteilten Stellen von Ludwig Ewald und auch Elise 
Sommer. Gleich das erste Gedicht, eins der schönsten 
unseres so begabten Landsmannes Karl Schmitt, wird für
	        

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