Full text: Hessenland (16.1902)

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Landgrebe), Photographie des Schlosses Elmars 
hausen (Herr Finkbohner). Ferner teilte der 
Herr Vorsitzende noch mit, daß nach Abänderung 
der Statuten der Verein nunmehr in das Pereins 
register eingetragen worden sei. Der Redner des 
Abends war Herr Oberlehrer Grebe, welcher 
einen Vortrag über „Hessische Ortsnamen 
als Geschichtsquellen" hielt und die Zu 
hörer in die Tage der Vorzeit führte. wo von 
Zentral-Asien die Völkerstämme ausgingen, deren 
einer sich durch die Thore des Kaukasus nach Europa 
wandte. Redner ging dann zu den im jetzigen 
Hessen befindlichen Sitzen der Kelten über, die um 
'»Oft v. Ehr. von den Katten eingenommen wurden, 
berührte die Gründung des Frankenreichs und die 
Einführung des Christentums und sodann die letzte 
Periode, die aus die Ortsnamen von Einfluß war: 
die Ausnahme der Refugios durch die hessischen 
Landgrafen. Für die Erforschung des Sinns unserer 
heimatlichen Ortsnamen, an denen das Volk mit 
großer Zähigkeit hänge, seien besonders sieben 
Männer erfolgreich thätig gewesen: Jakob Grimm, 
Vilmar, Arnold, P i d e r i t, N e b e l t h a n, 
Di-. Wilhelm Kellner und Professor Edward 
S ch r ö d e r. Die Ortsnamen sind hauptsächlich von 
den Göttern, den Bäumen und den Tieren her 
geleitet. Das Verhältnis, in dem die alten Be 
wohner der unermeßlichen deutschen Wälder gerade 
zu den Tieren standen, in deneü sie teils Jagdgesellen, 
gleich ihnen selbst, teils böse Geister sahen, wußte 
der Vortragende in sehr ansprechender Weise zu 
schildern. An einer langen Reihe von Ortsnamen 
wies Herr Grebe ihre Abstammung aus den ver 
schiedenen Sprachgebieten nach, wobei auch der Fluß- 
namen gedacht wurde. Das geschichtlich-etymologische 
Gebiet, auf das der Vortragende sich begeben hatte, 
ist jedoch so ausgedehnt, daß er in der ihm zu 
gemessenen Zeit nur einen Teil desselben den Ver 
sammelten zugänglich machen konnte. Vor Schluß 
seiner mit vielem Beifall aufgenommenen Aus 
führungen aber machte Herr Grebe noch auf die 
Eigenart der Schwälmer aufmerksam, die so ganz 
anders in ihrem Äußern seien, als die andern 
Hessen, und warf die Frage aus, ob sie wohl als 
Nachkömmlinge der Kelten betrachtet werden könnten. 
Im hessischen Geschichtsverein zu Marburg hielt 
am 27. November Herr Privatdozent Dr. Diemar 
einen Vortrag über den Chronisten Wiegand 
Gerstenberg (1457—1522), dessen Hauptwerk, 
die thüringisch-hessische Landeschronik, hauptsächlichen 
Wert dadurch hat, daß in ihm uns zahlreiche alte 
Quellen erhalten geblieben sind. Sodann schrieb 
Gerstenberg die Chronik seiner Vaterstadt Franken 
berg. in welcher er neben unechten auch eine Anzahl 
echter Urkunden wiedergibt, die auch dieses Buch 
zu einem wertvollen historischen Dokument machen. 
Ferner wies der Redner auf die von Gerstenberg 
noch vorhandene historisch-genealogische Tabelle des 
hessisch-thüringischen Regentenhauses hin, die er als 
ein kleines kalligraphisches Kunstwerk bezeichnete. 
Oberhessischer Geschichtsverein. In Gießen 
fand am 20. November unter dem Vorsitz des Herrn 
Professor Höhl bäum eine Mitgliederversammlung 
des oberhessischen Geschichtsvereins statt. Bei den 
geschäftlichen Mitteilungen wies der Herr Vorsitzende, 
wie der „Gießener Anzeiger" berichtet, auch daraus 
hin. daß infolge des Mangels geeigneter Vor 
arbeiten, wie einer kritischen Ausgabe der hessischen 
Chroniken, einer wissenschaftlich ausreichenden Samm 
lung der Urkunden zur Geschichte des hessischen 
Landes und einer vollständigen kritischen Samm 
lung der Landgrafen-Regesten, eine gründliche und 
vielseitige Erforschung der hessischen Geschichte vor 
nehmlich in den Zeiten des Mittelalters, noch immer 
erschwert sei; die Bearbeitung der Regesten der 
Erzbischöfe von Mainz, die auch für die Geschichte 
von Hessen von hoher Bedeutung sind, sei dagegen 
ernstlich in Angriff genommen und weit gefördert. 
An den geschäftlichen Teil der Sitzung schloß sich 
ein interessanter Vortrag des hochverdientenMnseums- 
Kvnservators Herrn Hauptmann a. D. Kramer 
über die neuesten Erwerbungen für das Museum 
und die Ergebnisse der lohnenden Ausgrabungen ans 
dem „Trieb", die nur durch eine neue ansehnliche 
Spende eines ungenannten Gönners ermöglicht waren. 
U n iv er sitätsn ach richten. Der in Kassel 
geborene Dr. Balthasar Wilhelm Gerland 
in Accrington in England beging am 14. November 
sein 5ftjähriges Doktorjubiläum. Bei dieser Gelegen 
heit erneuerte die Universität Marburg ihm das Doktor 
diplom. — Dem ordentlichen Professor in der juristi 
schen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg 
Dr. Rudolf Stammler (einem geborenen Ober 
hessen) wurde von dem Kaiser der Charakter als 
Geheimer Justizrat verliehen. 
Luise Braun. Zur Ergänzung der in voriger 
Nummer enthaltenen Nachricht von dem in Berlin 
erfolgten Hinscheiden der Schriftstellerin Fra» Luise 
Braun teilen wir noch das Nachfolgende mit: 
Seit ungefähr einem halben Jahre litt die Ver 
ewigte an einer Nierenentzündung, deren Anfänge 
etwa zehn Jahre zurückzurechnen sind und zwar in 
die Zeit, wv sie in aufopfernder Pflege um ihren 
leidenden Gatten ihre eigene Gesundheit gering 
achtete. Nach ihres Mannes Ableben trat sie im 
Jahre 1897 in nähere Beziehungen zur „Deutschen 
Goldschmiede-Zeitung" (Wilh. Diebner-Leipzig), in
	        

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