Full text: Hessenland (16.1902)

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immerhin wird es denselben and) in kommenden 
Feldzügen unter der Hand schneidiger Führer be- 
schieden sein, der Vorliebe der ganzen Nation für 
die grüne Couleur in der Erinnerung an die frei 
willigen Jäger der Jahre 1813 und 1814 ent 
sprechend, Hervorragendes zu leisten. Unserm Kur 
hessischen Jägerbataillou, aus den früheren kur- 
hessischen Jägern und Schützen hervorgegangen, 
wünschen wir aber die Behauptung des Kriegsruhmes 
seiner Stammtrnppen auch in der fernsten Zukunft. 
A. v. m. z. Gilsa. 
Seltene Münze. Nach Fertigstellung meines 
Aufsatzes „Die symbolischen Thaler des Landgrafen 
Wilhelm V. zu Hessen", welcher in vorletzter Nummer 
dieser Zeitschrift zum Abdruck gelangte, ging mir 
das Verzeichnis einer Münzversteigerung zu, nach 
welchem eine hessische Münze von höchster Selten 
heit am 5. vorigen Monats zum Verkaufe kam. Das 
Stück ist ein Goldabschlag des symbolischen Doppel 
thalers obigen Landgrafen vom Jahre 1630 in 
vorzüglichster Erhaltung, natürlich wird es im 
Verzeichnis nach alter Gewohnheit als „doppelter 
Weidenbaumthaler" aufgeführt. Das Vorkommen 
dieses Stückes spricht nun für meine in obigem 
Aufsatz dargelegte Annahme, daß die aus dieser 
Art Münzen dargestellte Stadt höchst wahrscheinlich 
Kassel ist, und ebenfalls, daß dieses so vom Land 
grasen Wilhelm angeordnet wurde. Auf keinem 
andern Stempel dieser vielen Thaler ist die Stadt 
bind) die wehrbare Mauer als eine wohlbesestigte 
so kenntlick) gemacht wie gerade ans diesem des 
Jahres 1630. Über die Entstehung und Auffindung 
des Stückes glaube ich folgendes sagen zu binden: 
Es war früher Brand), vereinzelt and) nod) heute, 
daß bei Herstellung eines neuen Münzgeprüges oder 
wenn an dem bestehenden eine Änderung beliebt 
wurde, man den ersten Abschlag vom neuen Stempel 
in Gold nahm, um sold)en dem Münzherrn als 
Probe wie and) gleid)zeitig zur Genehmigung vor 
zulegen. Ohne Zweifel handelt es sid) hier um 
ein sold)es Stück, weld)es gewiß and) nur ein 
einziges Mal hergestellt wurde, daher seine hohe 
Seltenheit unb gänzliches Unbekanntsein in der 
hessisd)en Münzkunde. Jakob Hoffmeister, welcher 
mit der größten Gründlichkeit alle Archive, die 
gesamte Münzlitteratur, alle bekannten Münzsamm 
lungen seiner Zeit und vor allem die Verzeid)nisse 
aller seit den frühesten Zeiten stattgefnndenen Münz- 
versteigerungen durchforschte, wäre es nicht entgangen, 
wenn fraglicher Abschlag schon früher bekannt oder 
irgendwo einmal zum Vorschein gekommen wäre. 
Da aber alle Quellen hierüber vollständig schweigen, 
so ist anzunehmen, daß dieses Stück sich sck)on seit 
langen Zeiten in unbekanntem Privatbesitz befunden 
haben muß. In früheren Jahrhunderten war es 
nun Sitte, daß der Landesherr diese für damalige 
Verhältnisse recht wertvollen Goldabschlüge für einen 
ihm geleisteten Dienst seinen Hosleuten und Beamten, 
anch verdienstvollen Fremden, als Gnadeugesd)ent 
überreichen ließ, wie die Fürsten heutzutage Orden 
zu verleihen pflegen. Jedenfalls wird es so mit 
gegenwärtigem Stück geschehen sein und ist dasselbe, 
vielleicht schon seit Landgraf Wilhelms Zeiten, 
immer im Besitz einer retdjeii und angesehenen 
Familie, deren Ahn es wohl selbst erhielt, geblieben 
und in dieser als vornehmes Erbstück von Ge- 
sck)lecht zu Geschlecht gegangen, bis endlick) dnrck) 
irgend welche Umstünde und Zufälligkeiten das 
Stück in fremde Hände und dadnrck) zur Versteigerung 
gelangte. Ter Äbsck)lag entspricht 10 Dukaten da 
maliger Zeit, hat ein Gewicht von 32,25 Gramm 
und besitzt einen Goldwert von einigen ack)tzig Mark. 
Er erzielte einen Preis von 1500 Mark, hierzu 
10 "/« für Aufgeld und sonstige Gebühr, allerdings 
eine hohe Summe, jedock) nick)t 311 hoch in Anbetracht 
seiner großen Seltenheit. Leider ging dieses herr 
liche und gewiß nicht zum zweiten Male vorkommende 
Stück für das hiesige königliche Münzkabinett ver 
loren; trotzdem enthält das letztere nach den reichen 
Erwerbungen der letzten Jahre so zahlreickie hohe 
und höchste Seltenheiten, daß es heute fraglos das 
erste seiner Art ist, wofür alle Münzkenner und 
Münzfreunde seinem nmsick)tigen Leiter, Herrn 
Museumsdirektor Dr. Böhlau, zu Dank ver 
pflichtet sind. Theodor Meyer. 
Aus Heimat nnb Fremde. 
Hessischer Geschichtsverein. Der Verein, 
für hessische Geschichte und Landeskunde in Kassel 
hielt am 24. November seine Monatssitzung ab. 
Der erste Vorsitzende Herr General Eisen traut 
teilte mit, daß im vergangenen Atonal der Verein 
2 Mitglieder verloren und 9 Mitglieder gewonnen 
habe. Die Ausgabe der Zeitsck)rist werde erst im 
Januar erfolgen können, da die Anfertigung der 
beizugebenden Zeick)nnngen längere Zeit erfordere. 
An Geschenken seien zu verzeichnen: eine eiserne 
Platte mit dem hessischen Wappen (Siechenhofs- 
verwaltnng), ein Bild des Ministers, nachherigen 
Vorstandes der Direktion der Hauptstaatskasse Ge 
heimrat Schotten (Herr Privatmann Karl Sck)otten), 
2 Photographien des alten Brunnens von Matten 
berg bei Nordshausen (Herr Oberregierungsrat
	        

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