Full text: Hessenland (15.1901)

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schaffen, hinderte ihn ein Augenleiden, aber er 
verstand zu lehren wie kein Anderer. 
Gleichfalls noch im vorigen Jahrhundert ent 
standen sind die ausgezeichneten Wandmalereien 
Airs Keimcrth 
Dankschreiben. Folgende Zeilen gehen uns 
mit der Bitte um Beröffentlichung im „Hessen- 
land" zu: 
En meine lieben herrischen Lanarieute! 
Auf diese Weise, da Zeit und Kräfte mir nicht erlauben 
es einzeln zu thun, will ich Ihnen herzlichen Dank sagen 
für all die schönen mich tief rührenden Worte und Wünsche, 
die mir von der Heimath meiner Kindheit und ersten 
Jugend zugesandt worden sind. 
Wenn mich auch das Schicksal den größten Theil meines 
Lebens fern hielt vom Vaterland, so bin ich doch im 
Herzen nicht nur eine gute Deutsche, sondern auch eine 
gute Hessin geblieben und habe mich, so oft ich konnte, 
nach den Geschicken dieses meines engeren Vaterlandes er 
kundigt. Um so freundlicher ist es am Ende des langen 
Lebens, diese Grüße aus dem Land, wo meine Wiege 
stand, zu erhalten; es ist wie ein Zusammenknüpfen von 
Morgen und Abend durch ein magisches Band und das 
Schönste dabei ist die Gewißheit, daß die mir bewiesene 
Sympathie sich auf ein Ewiges, Unzerstörbares gründet, 
ans die nimmer sterbende Idealität in der Menschheit. 
Das ist es überhaupt, was mein langes Leben, nach mancher 
dunklen, schweren Prüfungsstnnde, wie ein goldner Sonnen 
untergang verklärt, daß der Zuruf der Liebe und des 
gleichen Wollens, der mir von allen Seiten her ertönt, 
nicht der alten Frau, sondern dem Idealismus gehört, 
dessen Vertreterin sie war. und daß, was in so vielen 
Herzen lebt, endlich zur weltbefreienden That werden 
muß. 
In dem Leuchten dieses milden Abendlichts, dem ein 
neuer Tag folgen wird, geht sie nun bald zur Ruh, die 
alte Hessin; vergeht sie auch dann nicht ganz und nehmt 
noch einmal, mit liebevollstem Abschiedsgruß, ihren wärinsten 
Dank. 
Watwida von Meysenöug. 
Rom, den 28. Oktober 1901. 
Hessischer Geschichtsverein. Der Ver 
ein für hessische Geschichte und Landes 
kunde in Kassel hielt am 28. Oktober im Cafö 
Merkur seinen ersten Unterhaltungsabend in diesem 
Herbste ab. Nachdem der Vorsitzende, Herr General 
Eisentraut, die zahlreich erschienenen Mitglieder 
begrüßt hatte, verbreitete derselbe sich über Tycho 
de Brahe und Landgraf Wilhelm den Weisen von 
Hessen (vergl. voriges Heft, S. 298s.). Sodann gab 
von Scheurenberg und Kolitz in der Vor 
halle des Justizpalasts und die Fresken in der 
Loggia der Bildergallerie von Merkel. 
und Irremde. 
Herr Dr. Schwarzkops einen Auszug aus dem 
Kirchenbuche des Feldpredigers Georg Köster, welcher 
die hessischen Regimenter Donop und Loßberg nach 
Amerika begleitet hatte, und nahm in der Ein 
leitung zu seinem Bericht wiederum Veranlassung, 
daraus hinzuweisen, wie ungerecht es sei, den zwischen 
dem Landgrafen Friedrich II. und England ab 
geschlossenen Vertrag in der leider allzubekannten 
gehässigen Weise zu besprechen. Herr Dr. Böhlau 
machte ferner Mittheilungen über einige Funde 
aus der Bronzezeit, die einem Frauengrab ent 
stammten,-sowie über einen Brakteatenfund in Gotha. 
Unter Anderem zeigte Herr Dr. B. auch einen 
silbernen Renaissancebecher mit dem Baumbach'schen 
Wappen vor. Bemerkt sei, daß die Auffindung 
eines Theils der erwähnten Schmuckgegenstände 
aus der Bronzezeit noch dem dahingeschiedenen 
Landeskonservator Bickell zu verdanken ist. Herr 
Kanzleirath Ne über gab zu seinem kürzlich ge 
haltenen Vortrag über die hessischen Fürstenbilder 
in der Wilhelmshöher Schloßkuppel weitere Er 
läuterungen, die wir ausführlich in der heutigen 
Nummer des „Hessenland" bringen. Schließlich 
legte Herr Oberlehrer Dr. Henkel mehrere inter 
essante Schriftstücke aus der Zeit des letzten Kur 
fürsten vor, theilte anschließend mit, daß er eine 
Biographie seines verewigten Vaters, des Justiz- 
raths und Obergerichtsanwalts Henkel herauszugeben 
beabsichtige, welcher am 9. Januar 1802 geboren 
sei, und bat um Ueberlassung etwaiger auf seinen 
Vater Bezug habenden Schriftstücke und Briefe. 
Ans diesen Unterhaltungsabend folgte am 4. No 
vember die erste regelmäßige Monatsversammlnng 
des Vereins, welche im Evangelischen Vereinshause 
stattfand. Für den ersten Vorsitzenden, welcher am 
Erscheinen verhindert war, begrüßte Herr Geheim 
rath Dr. Knorz die Anwesenden, unter denen sich 
auch die Mitglieder der Kasseler Grimm-Gesellschast 
befanden. Nach den geschäftlichen Mittheilungen 
gab Herr Dr. Knorz zu Ehren des dahingeschiedenen 
Landeskonservators Dr. Ludwig Bickell, durch dessen 
Tod der Verein einen schweren Verlust erleidet, 
die Hanptstellen der Rede wieder, die Professor 
Edward Schröder am Grabe des Verblichenen ge 
halten (). „Hessenland" Nr. 21). Durch Erheben 
von den Sitzen ehrten die Anwesenden das Andenkerl 
des Dahingeschiedenen. Nachdem hierarrs Herr
	        

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