Full text: Hessenland (15.1901)

176 
Duett. 
Wer wollte Sie nicht kennen 
Die Blume Roseublüth! 
Wie anders Sic wohl nennen 
Der Künste schöner Süd! 
Drum laßt uns schern, singen, 
Wie Sie im Flora Fest 
Sich hold und schön umschlingen; 
Nie Fest nnd Freud' Sie verläßt! 
Sic lieben, preißcn, ehren • 
In Blumen Knospcnkeim! 
Sie sehen wachsen, mehren 
Im Lande bey uns heim! 
Wie Ihnen sich in Wonne 
Zulächelt holdes Heil 
So leuchtet hehre Sonne 
Hier Ihnen frommes Heil! 
Zwei darauf folgende Gesänge bieten nichts 
sonderlich Hervorragendes, dafür aber lautet eine 
Welche Wonne nnd Genuß der Freude 
Welches Heil ihm! hold umgeben sehn, 
Hessens Genius geneigt zur Seite, 
Rühmt des Landcspathcn sanftes stehn: 
So wie dieser Zweig znm Baum gediehen 
Jedes Jahr erhabner, schattenrcin! 
Ihm! soviel von oben Huld verliehen 
Läßt dem Lande Heil und Wohl stets sehn. 
Ferner lautet ein 
Solo. 
Umschwärmen Bienen nicht 
Der Sammlnngs Blnmcnschaft*); 
Ine Bauen Zellcnsicht 
Ist Liebe, Geist nnd Kraft. 
In Blumen Lebensdllft 
Sind Blüten Früchte viel; 
In Harmonische Luft 
Sich leben Heil nnd Ziel! 
C h o r. 
Ist Liebe, Geist nnd Kraft 
Sind Blüten, Früchte viel! 
Solo. 
Es bleibe Frühlings Kraft 
Auf Geistes heiterm Weg; 
Und Liebe Wanderschaft 
Sicht froh den Frendensteg! 
Wie winden sie sich Heil 
In Liebe Ruhm nnd Preis! 
Der Herzen schöner Theil, 
Sich bieder vorzugsweis. 
Der Schlußchor aber eudet in den ällgemeiu 
verstäudlichen Ruf: 
„Es lebe Freund und Marie 
In Rosen immerfort!" 
Nach Friedrich Oetker's „Lebenserinnernngen", 
Baud I, Seite 27!» u. f. hat Thüminel 18-10, 
*) Das ch ist mit Tinte durchstrichen, sodnß cs „Blumen 
saft" heißen soll. 
als das Becker'sche „Rheinlied" viel von sich reden 
machte, ein „neues Rheinlied" gedichtet, das 
folgendermaßen lautete: 
„Znm Rhein nicht crgehcn's! 
Bald werden ja bezeugen 
Deutschland kräftig Widerstehen's 
Franzosen zurückweichen. 
Rheinlied ja singen, also erfinden 
Bundcsarmce gerüstet. 
'Niemals zur Besiegung niiuvindcn, 
Franzosen umsonst gebrüstet. 
Achtzehnhnndcrtdrcizchn dran denkcn's 
Schauen in Mienen. 
Leipziger Schlacht kränkcn's, 
Wieder ebenso bedienen." 
'Nun hatte Thümmel, wie Oetker berichtet, auch zu 
dem 26jährigen Jubiläum Spvhr's (Januar 1847) 
den Pegasus bestiegen. Da sein auf Spohr ver 
faßtes Akrostichon itugesähr in gleicher Weise ver 
faßt war, wie das Rheinlied, so hatte sich der 
Berfasser und Zusammensteller eines damals heraus 
gegebenen Schristcheus über das Jubelfest einige 
Aeuderuugen erlaubt, die den Versen wenigstens 
einen gewissen Sinn gaben. Das nahm aber der 
Dichter sehr übel. „Bergebens suchte ich," erzählt 
Oetker/ „als er mir die ihm widerfahrene Unbill 
klagte, einer andern Anffassnng Eingang zn ver 
schaffen. Der Blaun behielt genau den ursprünglichen 
Wortlaut vor Augen und veranlaßte eine besondere 
Beilage der „Kasselschen Zeitung", wodurch das 
„Sinnbild" des Festes wie folgt „berichtigt" ward." 
„Symphonien .... ertönen sich, in Dichtnngs-Ecistcs- 
Höhen! 
Pnlmcnstreucn überall: begrüßt solch' Jubeljahr; 
O, welch' hohen Leiter Steg? sich Mnscn-Dvin ersehen. 
.Heil! des Wirken, Schüler-Chor erfreut sich froh der 
Lehre; — 
Reich! — selbst Führung eignen Siegs, erblüh' der Huld 
fort Jahre." 
Thümmel wußte sich übrigens nach der vorliegcndcil 
Ouelle mündlich ganz leidlich auszudrücken nnd 
war, was schon am Eingang bemerkt, als Mensch 
lvie als Hosbeamter der Knrfürstin wohl gelitten. 
Unsterblich aber würde Thümmel sich gemacht 
haben, wenn die Angabe Büchmann's in den „Ge 
flügelten Worten" (!>. Auflage) richtig wäre, welche 
lautet: 
„Des Lebens Unverstand mit Wehmnth zu genießen 
Ist Tugend nnd Begriff — 
stammt aus dem Ausange dieses Jahrhunderts 
und hat den 1851 in Kassel gestorbenen General 
und Ober-Hofmarschall der Knrfürstin von Hessen 
Hans Adolph von Thümmel zum Berfasser, der 
in dem guten Glauben ein Dichter zu sein, viele 
ähnliche Berse beging." 
Wie s. Z. Herr Assessor Spehr in Brannschweig 
festgestellt hat, ist jedoch der Bers:
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.