Full text: Hessenland (14.1900)

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berg dasteht. Nur waren die Seitenstraßen viel 
länger ausgedehnt als jetzt. Nun standen aber 
auf den vielen angewiesenen Bauplätzen nach dem 
Abzug der Mehrzahl nur wenige Häuser, und 
zwar ganz zerstreut; nur die erste Seitengasse, 
die von Joh. Guillaumon's Haus nach dem Pfarr 
garten zieht, war ziemlich besetzt, in der Haupt 
straße aber standen nur acht Häuser, „sodaß das 
Ganze eher den Eindruck eines wüsten Feldes als 
eines Dorfes machte". Daher befahl der Gras, 
„um doch den Ruhm zu haben, ein einigermaßen 
regelmäßiges Dorf gegründet zu haben", daß die, 
welche in die äußersten Straßen des alten Grund 
risses gebaut hatten, ihre Baracken abbrächen und 
ihre neuen Häuser mehr in der Mitte des Dorfes 
wieder ausbauten.*) Die ersten konnten sich die 
Bauplätze wählen; aber innerhalb vier Jahren 
sollten alle Häuser gebaut sein. Es waren 44 
Baracken gewesen, von denen aber mehrere leer 
standen; es wurden gebaut bis zum Jahre 1715 
36 Häuser; 8 Häuser aus jeder Seite der Haupt 
straße, die anderen in den Seitengassen; im Jahre 
1731 waren es 40 Häuser. Die den Abge 
zogenen zugewiesenen Bau-, Hof- und Garten- 
plätze, die von den Zurückgebliebenen urbar ge 
macht worden waren, wurden diesen als Aecker 
und Gärten überlassen. In der Mitte des 
Dorfes, an der Stelle, wo jetzt die Kirche steht, 
war ein Betsaal errichtet worden, in dem wahr 
scheinlich auch die Schule gehalten wurde. An 
der Stelle des jetzigen Pfarrhauses stand das 
Haus, das sich Pfarrer Roman gebaut hatte; 
das also sein Eigenthum war. Schräg gegenüber 
an der Stelle, wo das Hvhn'sche Haus steht, 
war der Gemeiudebackvfen gebaut worden, und 
davor hatte man einen Brunnen gegraben, der 
aber kein Wasser gab. Abraham Passet hatte 
sein Wirthshaus an die Seite des Bet- und 
Schulhauses gesetzt in die Gasse, wo jetzt das 
Schulhaus steht; nach seinem Wegzug hatte 
Jullien die Wirthschaft in seinem Hause, in dem 
jetzt der Aelteste Schmidt wohnt, und das „Hof- 
verwalters" genannt wird. Das Haus gegen 
über, das Joffroh und Moritz gehört, ist voll 
*) Règlement pour la construction régulière de 
Waldenberg vom 10. Juni 1702. R. A. Diese An 
weisung schließt: Lebt nur in Frieden in dieser Welt, als 
wenn ihr nur ein Leven hier zu leben hättet; lebt 
darin als einige Brüder, denen Gottes Vorsehung eine 
Zuflucht in diesem Lande zubereitet hat. 
einer angesehenen, jetzt ausgestorbenen Familie 
Fillhol gebaut worden. 
Nach dem Tod des Pfarrers Roman trat die 
Nothwendigkeit an die Gemeinde heran, ein 
Pfarrhaus zu bauen, und zugleich mußte man 
an eine Kirche denken. Mit Hilfe von Kollekten 
geldern wurde wenigstens zunächst im Jahre 1716 
ein steinernes Pfarrhaus gebaut — es ist die 
jetzige Kirche. Die Maurer bekamen 145 Gulden 
für ihre Arbeit. Der Platz daneben in der 
Gasse, auf dem Pafset's Baracke gestanden hatte, 
war für die Kirche bestimmt. Vorläufig aber 
konnte kein Kirchbau gewagt werden, da man 
schon zu dem Pfarrhausbau 100 Gulden in 
Büdingen hatte leihen müssen. Man kaufte 
Roman's Haus und richtete es zum Schnlhaus 
ein, hielt auch darin die Kirche; später, bei 
Pfarrer Königes Zeit, kam man zum Gottesdienst 
in einer Stube des Pfarrhauses zusammen, die 
wahrscheinlich etwas größer und höher als die 
Schulstube war, aber doch nur ein nothdürftiger 
Behelf war. 
Die Straßen waren zuerst natürlich nur bloße 
Feldwege, ganz uneben, auch standen noch Bänme 
darinnen; erst 1702 wurde Befehl gegeben, die 
Straßen wenigstens gleich und eben zu machen 
und die Stämme auszuhauen. 1724 ordnete 
der Bürgermeister Jullien an, daß jedermann 
vor feinem Hanse die Straße in Ordnung halten 
und einen drei Fuß breiten Fußsteig vor seinem 
Grundstück herstellen sollte; aber um dies durch 
zusetzen, mußte er erst den Rath Schmidt um 
einen Befehl von der gräflichen Kammer an 
gehen. Ebenso hatte man für Schönheit kein be 
sonderes Verständniß. Der gräfliche Beamte be 
richtet 1702: „Ich habe auf gnädigen Befehl 
den Waldensern gesagt, sie sollten die Miststätte 
nicht in die Gassen machen, habe aber eine un 
willig und lnulicht Antwort von dem Bürger 
meister empfangen, indem daß er so kühn ist ge 
wesen und mich gefraget. warumb man dan 
Miststätte in Wächtersbach leidete."*) In 
Wächtersbach wie in Waldensberg sind noch heute 
die Miststätten vor den Häusern, und die Jauche, 
„das flüssige Gold der Landwirthschast", fließt 
über die Straßen. Nur in einigen Füllen wird 
dem Willen des Grafen jetzt noch entsprochen. 
*) R. A. 
(Schluß folgt.)
	        

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