Full text: Hessenland (14.1900)

177 
Mögte der Allgütige vor ähnliche Sie be- 
bewahren. Mit ausgezeichneter Achtung verbleibe 
ich Ihre ergebene Auguste." — 
Bezüglich dieses Briefes, aus dessen Inhalte, 
wie auch aus anderen hervorgeht, daß Meysenbug 
der Vermittler im Verkehre zwischen der Kur- 
fürstin und dem Kurfürsten war, kann man wohl 
fragen: Würde sich die Kurfürstin, wo ihr so 
viele andere Wege der Vermittlung, durch den 
Hosmarschall des Kurfürsten, oder einen der 
anderen Herren seines Gefolges, zu Gebote standen, 
gerade an Meysenbug gewandt haben, wenn der 
selbe wirklich der Vertraute ihrer Feindin, wie 
geschildert wird, gewesen wäre? — 
In einem zwischen zwei Kindern Meysenbug's 
gewechselten Briefe heißt es n. A.: 
„Der Vater hat vor einigen Tagen bei der 
Kursürstin ganz allein mit ihr und ihren 
Kindern gespeist." 
Einem weiteren Familienbriefe entnehme ich 
folgende Stelle: 
„Die Kurfürstin wirst Du wohl gesehen 
haben; ich höre, daß sie in Frankfurt war. 
Wir erwarten sie heute Abend hier (in Kassel) 
zurück, und wir hoffen, daß dann ein förm 
licher Friedenstraktat für ewige Zeiten zu 
Stande kommt. Möge er ewig dauern!!" 
Ein „Pro memoria“ bezeichnetes, sehr aus 
führlich gehaltenes Schreiben des Kurprinzen an 
Meysenbug, welches als „zugleich im Namen 
meiner Mutter" geschrieben bezeichnet ist, legt 
Zeugniß dahin ab, mit welchem Vertrauen der 
Kurprinz Meysenbug gegenüberstand. 
In diesem, eine ausführliche Darlegung von 
mancherlei Beschwerden über Einrichtungen in 
der Hofhaltung von Kurfürstin und Kurprinzen, 
sowie über andere Punkte enthaltenden Schreiben 
heißt es zum Schlüsse: 
„Mit wahrer, inniger Freude übergebe ich 
Ihnen diese Bemerkungen, überzeugt, daß sie 
einem treuen, unserm Hause wahrhaft ergebenen 
Manne anvertraut sind und sehe der gnädigsten 
Entscheidung S. K. H. des Kurfürsten im Ver 
trauen aus Seine väterliche Liebe und Herzens 
güte und aus Ihren Eifer und Ihre Redlich 
keit mit dem innigsten Wunsche entgegen, daß 
sie uns dem Vaterlande wiedergeben und eine 
Spaltung aufheben möchten, die an unser aller 
Herzen nagt." 
Bei der bekannten feindlichen Gesinnung, welche 
der Kurprinz gegen die Gräfin Neichenbach hegte, 
ist es doch wohl als ausgeschlossen zu betrachten, 
daß er sich mit seinen Anliegen und mit solchen 
Worten an den Parteigänger der Gräfin gewandt 
haben würde. 
Wie dagegen in der Meysenbug'schen Familie 
über die Gräfin Reichenbach geurtheilt wurde, 
das geht aus einem Briefe vom Jahre 1831 
hervor, in welchem es heißt: 
„Die letzte Veranlassung zu den schrecklichen 
Austritten (den Krawallen in Kassel) war die 
Znrückkunft dieser allgemein verabscheuten Frau. 
Sie hat alle in's Verderben gestürzt. Doch war 
ihr Triumph nur kurz, da sie nach 48stündigem 
Aufenthalte ans die schimpflichste Weise das 
Feld räumen mußte, um nie wiederkehren zu 
können!" 
Diesen Krawallen in Kassel ging bekanntlich 
ein anderes Ereignis; kurz voraus: die schwere 
Erkrankung des Kurfürsten in Karlsbad. 
Auch bei dieser Gelegenheit schob der Neid und 
Haß Meysenbug die abenteuerlichsten Absichten und 
Machenschaften zu: „daß er den Tod des Kur 
fürsten, der schon seit langer Zeit erfolgt sei, ver 
heimliche, um die Macht noch in Händen behalten 
zu können" und was des Blödsinnigen mehr 
war. — So thöricht und kindisch derartige bos 
hafte Ausstreuungen und Unterstellungen jedem 
Unbefangenen sofort erscheinen müssen, sie fanden 
damals doch ihre Abnehmer und Gläubigen und 
trugen viel dazu bei, daß sich ein großer Theil 
der Volkswuth im folgenden Jahre gegen Meysen- 
bng kehrte. — Meysenbug ist an diesen ver- 
läumdcrischen Anschuldigungen wie an allen 
späteren mit stiller Verachtung vorübergegangen. 
Das trug ihm damals die Behandlung, die 
er in 1831 erfahren mußte, und jetzt die Dar 
stellung, welche die „Deutsche Geschichte im 19. Jahr 
hundert" von ihm giebt, ein. 
Ehe ich zur Besprechung der Ereignisse des 
Jahres 1831 schreite, will ich noch einige Worte 
über den Zwischenfall im August 1830 an 
fügen. — Wie übertrieben die Nachrichten von 
der schweren Erkrankung des Kurfürsten in 
Karlsbad waren, geht aus einem Briefe Meysen- 
bug's vom 27. August 1830 an . seinen ältesten 
Sohn, der ebenfalls im hessischen Staatsdienste 
war, hervor, in welchem es heißt: 
„Wenn gleich gestern unser hoher Patient sich 
nicht ganz so wohl befand, als an den früheren 
Tagen, so hat doch die vorige Nacht Alles 
wieder ausgeglichen; ein sanfter Schlaf hat ihn 
erquickt und gestärkt. Die milde Luft, welche 
nach einigen Herbstwinden an früheren Tagen 
sich eingestellt hat, giebt uns die Hoffnung, 
daß der Rekonvalescent bald ausfahren und 
sich so vorbereiten kann zur Reise nach Hessen." 
Ferner heißt es in demselben Briefe: 
„Heute früh machte ich noch einen Spazier 
gang mit Otto (der zweite Sohn Meysenbug's,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.