Full text: Hessenland (11.1897)

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btftion unterworfen. Wofern sie aber auf den 
Berg- und Hüttenbezirken sich eines Verbrechens 
schuldig machten, oder auch in ihrer Arbeit sich 
etwas zu Schulden kommen ließen, so gehörte die 
Bemessung der Strafe ebenso vor das Berggericht 
wie bei den in wirklicher Dienstpflicht stehenden 
Leuten. 
Um die Behörden immer über den Bestand 
der Hütten- und Bergwerksgemeinden auf dem 
Laufenden zu halten, zumal aber um der: Betrieb 
der Werke durch gerichtliche Vorladungen nicht 
Zu stören, wurden den gerichtlichen Behörden all 
jährlich namentliche Verzeichnisse aller Berg-, 
Hütten- und Hammerleute zugestellt, auch der 
Köhler und Köhlerknechte. 
Gerichtshandlungen in Betreff von Berg-, 
Hütten- und Hammerantheilen, Kontrakten, Ver 
schreibungen waren der Berggerichtsbarkeit unter 
worfen, während die Zivilgerichtsbarkeit über 
alle ihrer Jurisdiktion unterworfenen Güter zu 
erkennen hatte, mochte es sich nun um Streitig 
keiten zwischen Hüttenverwandten oder zwischen 
diesen und Amtsunterthanen handeln. Vor allem 
gehörte hierher das Ab- und Zuschreiben in den 
Grundbüchern laut Bestimmungen des Reskripts 
vom 16. Dezember 1752, die anscheinend auf eine 
Beschränkung der Berggerichtsbarkeit hinausliefen. 
Vor dem Bergbeamten geschah die Eheberedung, 
wenn ein in Pflicht und Arbeit stehender Hütten 
oder Bergmann eines in gleicher Pflicht und 
Arbeit stehenden Berg- oder Hüttenmanns Tochter 
oder eine auf der Bergstätte wohnhafte Wittwe 
heirathen wollte, doch mußte auch der Prediger 
des Orts, in dem beide Parteien wohnten, zu 
gegen sein. 
Ihrer Stellung als besonders privilegirter 
Stand entsprechend wurden die Bergleute, wenigstens 
seit Erlaß der Verfügung vom 28. Oktober 1751, 
feierlich in Pflicht genommen, worüber ein förm 
liches Verpflichtungsbuch angelegt wurde, in welches 
die Namen der Verpflichteten, sowie die Zeit 
ihrer Verpflichtung und in wessen Gegenwart sie 
vorgenommen war, eingetragen wurde. 
Jungen, die das 15. Jahr noch nicht erreicht 
hatten, wurden nicht verpflichtet, sondern nur in 
einem Anhang der Berglisten aufgeführt. Die 
Formel des Eides lautete: 
„Ihr N. N. sollt gegenwärtig schwören 
einen leiblichen Eid zu Gott dem Allmächtigen, 
daß ihr dem Durchlauchtigsten Fürsten und 
Herrn, Herrn Wilhelm, Landgrafeu zu 
Hessen, unsern allerseits gnädigsten Fürsteu 
und Herrn wie auch höchst deroselben nach 
gesetzten Bergrathseollegien uitb hiernächst 
denen Euch vorgesetzten Bergbeamten und 
Dienern jederzeit getreu, gehorsam und ge 
wärtig sein, höchstgedacht Jhro Hochfürstl. 
Durchlaucht wie auch derer Gewerken gemeinen 
Berg- oder Hüttenwerks Nutzen, Eurem besten 
Verstand oder Vermögen nach fördern, soviel 
an Euch ist, Schaden warnen und abwenden 
helfen, der Euch zugetheilten Bergarbeit 
treulich warten itttb überhaupt Euch so aus 
führen und alles das thun und handeln 
wollet, das einestheils die Berg-, Hütten- 
Hammer- und andere vorgeschriebene Ver 
ordnungen vermögen, sonst auch einem ehr 
lichen und getreuen Berg- und Hütten-Mamw 
von Pflichten wegen gebührt." 
Das letzte Vorrecht der Bergleute dessen wir 
zu gedenken haben, ist die bereits in Nr. 6, 
S. 66 des vorigen Jahrgangs erwähnte Be 
stimmung über die Hinterlegung von l°/o der 
wirklichen jährlichen Ausbeute aller Werke, nach 
dem Vorgang der Eisenwerke, zum Unterhalt alter 
und beschädigter Bergleute vom 18. Februar 1749, 
welche unsere Blicke unwillkürlich auf die sozial 
politische Gesetzgebung der neuesten Zeit lenkt. 
Lassen wir uns nunmehr über die Pflichten 
der Bergleute belehren, so ist an die Spitze zu 
stellen, daß völlige Pünktlichkeit jedem zur Pflicht 
gemacht wurde. Nach einen: Patente Landgraf 
Wilhelm's VI. vom 31. Mai 1652 lies die 
Frühschicht von 4 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags, 
die Mittagsschicht von 12 bis 8 acht Uhr. War 
es nöthig, Nachtschicht zu gebrauchen, die also nur 
aushilfsweise zur Anwendung gelangte, so wurde um 
8 Uhr abends ein- und um 4 Uhr morgens wieder 
ausgefahren, jede Schicht umfaßte also acht Stunden. 
Bei den Kohlenbergwerken am Meißner und im 
Habichtswalde sowie ausdeu Alaunbergwerken 
51t Kaufungen und Großalmerode Ab 
terode und Wickenrode re. war von 11 bis 
12 Uhr vormittags zum Mittagsmahle frei, und 
wurde dann wieder bis 4 Uhr nachmittags ge 
arbeitet. Es war wohl allgemein üblich, wie von 
Schmalkalden bezeugt ist, daß vor Beginu 
der Arbeit ein gemeinsames Gebet verrichtet wurde, 
und nach dem Gebet die Verlesung der Knapp 
schaft statt hatte. 
Wer zu spät kam oder zu früh abgiug oder 
sonst sein Maß nicht erfüllte, dem wurde ent 
sprechend zu Gunsten der Armenbüchse am Lohne 
gekürzt, doch wurde später wenigstens in Schmal 
kalden (1726) gestattet zur Buße einige Stunden 
Bergarbeit zu thun, damit Weib und Kind nicht 
mitzubüßen hatten. 
(Schluß folgt.)
	        

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