Full text: Hessenland (11.1897)

M 2. 
XI. Jahrgang. 
Kiffrl, 16. Januar 1897. 
Der blühende See. 
Es war, als trüg' der Ulond zur Erde heißes 
Sehnen 
Und niemand wüßte, wie er's treu gemeint; 
In lichten Sternenaugen blinkten j)erlenthränen 
Uin längstverwund'nes Leiden still geweint. 
Im Buchtengrunde schwankte Schilfrohr auf 
und nieder 
Und nickte wehmuthschwer, verständnißties, — 
Bon lDellenpolstern schreckten dumpfe Todtenlieder 
Ein U)asserweib, das traumversunken schlief. 
Und schaudernd lauscht's dem Geistermund der 
Erdennächte, 
Im Alondglanz blitzt sein thauig Schuppenkleid, 
Die Schwanenbrust umfließt des Maares lose 
Flechte, 
Aus bleicher Stirne lasten Gram und Leid. 
Es lauscht und starrt ins Land mit thränen 
feuchten Blicken; 
Es ruft —, doch wer begreift den fremden Ulund? 
Und jetzt, als wollt's des Herzens ^ualenglu^h 
ersticken, 
Versinkt es seufzend in dem U)ogenschlund. 
Doch drunten in des grünen Schlosses weiter 
Halle' 
Als Blumen streut das Seeweib unbelauscht 
Die Schmerzensgrüße und die Todtenlieder alle, 
Die ihm der Nachtwind klagend zugerauscht. 
Nun schlingen gittergleich sich schlanke Algen 
ketten 
Am Seegrund hin in sanftem Zwielichtglanz, 
Und aus des Seees namenlosen Grabesstätten 
Ruht srühlingssrisch ein schlichter Uäaienkranz. 
Kranz Waria Litterscheid.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.