Full text: Hessenland (10.1896)

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Mit der erwähnten, nach den Vermögens- 
umständen des Landgrafen bedeutenden Unter 
stützung endigten indessen die Hilfeleistungen noch 
nicht, die er dem Prinzen zuwandte. Es schien 
ihm in hohem Grade wahrscheinlich, daß ohne 
des Kurfürsten von Sachsen Mitwirkung, zumal 
auch andere Fürsten davon die ihnen angesonnene 
Unterstützung abhängig gemacht hatten, das vom 
Prinzen begonnene Unternehmen fehlschlagen werde, 
und er bemühte sich schon deshalb, abgesehen von 
dem ihm persönlich aus der Betheiligung des 
Kurfürsten bei dem Werke erwachsenden Vortheil, 
angelegentlich, denselben zu bewegen, von der 
als unstellbar erkannten Kaution des Grafen 
Günther von Schwarzburg abzustehen und das 
versprochene Geld auf eine blos allgemeine Ver 
sicherung des Prinzen von Oranien hin vorzuleihen. 
Bing mußte deshalb die Unterhandlungen mit 
dem Kurfürsten wieder aufnehmen, leider aber 
mit nicht besserem Erfolge. Je ungewisser der 
Ausgang des beabsichtigten Unternehmens seit 
dem Mißlingen der friesischen Operation des 
Grafen Ludwig von Nassau wurde, desto mehr 
steigerte sich die Antipathie des Kurfürsten gegen 
eine solche Hilfeleistung. Nur gegen die ast 
gedeutete spezielle Bürgschaft erklärte er zu dem 
Darlehn sich verstehen und die angebotene Sumrpe 
durch die Wechsler in Leipzig auszahlen lassen 
zu wollen. Oranien, hiervon benachrichtigt, ließ 
nun durch Bing den Kurfürsten, mit welchem er 
in direkte Verbindung zu treten fortdauernd An 
stand nahm, nochmals unter der Begründung 
um Berücksichtigung ansprechen, daß die abgegebene 
Erklärung eine wahrhaft verweigernde sei, indem 
die vorbehaltene Bürgschaft auf die begehrte Art 
nun einmal in keiner Weise beschafft werden 
könne. 
Unablässig und um so mehr bemüht, dem 
Prinzen die benöthigten Hilfsmittel zur Aus 
führung seines begonnenen Unternehmens zu ver 
schaffen, als dieses gleich anfangs einen nicht 
schnellen Fortgang vorhersehen ließ, unternahm 
Landgraf Wilhelm um Mitte Oktober 1568 sogar 
noch persönlich eine Reise nach Dresden zu dem 
Kurfürsten in der hauptsächlichen Absicht, dessen 
Weigerung zu beseitigen, ohne daß dieser Versuch 
aber besseren Erfolg gehabt hätte. Der Kurfürst 
blieb unerbittlich und hat dem Prinzen erst nach 
Beendigung des Feldzugs auf dringendes Ersuchen 
die mäßige Summe von 10000 fl., zu deren 
Rückerstattung er demselben im Jahr 1570 nicht 
einmal eine Frist auf ein Jahr zugestehen wollte, 
darlehnsweise zukommen lassen.*) 
Prinz Wilhelm von Oranien gerietst nachdem 
er das Heer im Dezember 1568 nach Straßburg 
zurückgeführt, wie bekannt wegen des Soldes, den 
er den Truppen schuldig verblieben, noch in harte 
Bedrängniß. In Gefahr, Freiheit und Leben 
einzubüßen, da ihn die Truppen an Alba schon 
auszuliefern drohten, sah er sich zu dem Versprechen 
genöthigt, einem Ausschüsse des Kriegsvolks seine 
Person in Haft zu übergeben, wenn binnen sechs 
Monaten der rückständige Sold nicht berichtigt 
oder völlig genügende Sicherheit dieserhalb gestellt 
sein werde. Leider konnte er aber beides, Bürg 
schaft und Geld, innerhalb der anberaumten Frist 
nicht aufbringen, ebensowenig zu der angebotenen 
persönlichen Hast sich entschließen, da solche dem 
Heere Nichts genützt, ihn nur dem Hasse seiner 
Gegner und der Bestrafung als Landfriedens 
brecher preisgegeben, auch von den wichtigen 
Plänen zurückgehalten haben würde, die er zum 
Besten der Niederländer schon damals entwerfen 
zu dürfen glaubte. Er eilte daher, das Ver 
sprechen nach schmerzlichem Kampfe nicht beachtend, 
nach Frankreich zu den Hugenotten und brachte 
durch Thaten, die er dort, sowie insbesondere 
später mit größerem Glücke in den Niederlanden 
nach erneuertem Einfall in dieselben verrichtete, 
die Schmach und das Mißgeschick in Vergessenheit, 
welche jener erste Feldzug über ihn herbeigeführt 
hatten. 
Namentlich wenn wir den etwas bedächtigen 
und zögernden Charakter Landgraf Wilhelm's 
berücksichtigen, müssen wir anerkennen, daß 
Wilhelm IV. verhältnißmäßig alles gethan hatte, 
was in seinen Kräften stand, um Wilhelm von 
Oranien in seinem Unternehmen zu unterstützen. 
Daß dies alles im Geheimen geschehen mußte, 
erregt unser Befremden, doch ist dabei zu bedenken, 
daß die Vorherrschaft Spaniens damals zweifellos 
war und zwischen Spanien und dem deutschen 
Kaiser, zumal seit dem Tode von König Philipp's II. 
zur Zeit einzigem Sohne Don Karlos, die engsten 
Beziehungen bestanden. 
*) van Groen, 
des Textes. 
III, S. XXXI der Vorrede und S. 358
	        

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