Full text: Hessenland (10.1896)

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sich Gersfeld, wie wir bereits wissen, nicht zur 
Stadt, sondern lediglich zum Marktflecken empor. 
In den Rahmen der Bestrebungen der Aebte 
von Fulda, ihre landeshoheitliche Stellung in 
Gersfeld zu sichern, füllt es, wenn derselbe Abt 
Heinrich die angesehensten und einflußreichsten 
Grundbesitzer dort zu seinen Lehnsleuten zu ge 
winnen suchte. So wies er im Jahre 1350 dem 
Hans von Schneeberg aus dem alten Ge 
schlecht, welches zweifelsohne vom nahen Schnee- 
berg, einem Vorsprung des Feldberges zwischen 
Obernhausen und Sandberg, stammt, wo noch 
heute Grundmauern eines alten Schlosses sichtbar 
sind, als Burglehen (feudum castrense) sechs 
Pfund Heller auf die Stadtbede zu Fulda unter 
der Bedingung an, diesen Betrag in seiner Kem 
nate (befestigtem Hause, schwächer befestigter Burg) 
zu Gcrsfeld zu verdienen und dem Abte und 
Stifte zu Fulda darin Oeffnnng zu gewähren*), 
wofür dann Hans von Schneebcrg dem Abte 
einen Revers ausstellte, in welchem er sich als 
Erbburgmann des Abtes und seines Stiftes be 
kannte.**) Demgemäß vollzogen die Brüder 
Reinhard und Hans von Schneeberg in ihrer 
Eigenschaft als Patrone der Kirche zu Gersfeld 
die Auflassung von Gütern in und bei Gersfeld 
im Werthe von 100 Pfund Hellern, welche sie 
dem Pfarrer Dietrich Vogel am 19. August 1362 
zur Erhöhung des Einkommens der Pfarrstelle 
verliehen, vor dem Abte von Fulda als ihrem 
rechten Lehnsherrn. ***) 
Ein zweites in Gersfeld schon früh begütertes 
Adelsgefchlecht waren die im Jahre 1628 aus 
gestorbenen Herren von Hun (Hüne, Hanne), 
deren Stammburg auf dem Gipfel des nördlich 
von Hünfeld gelegenen Stoppelsberges noch jetzt 
als Ruine sichtbar ist. Doch sind sie weiter nicht 
in Betracht zu ziehen, weil die Brüder Heinz und 
Simon von Hun für sich, ihre Erben und Brüder 
bereits am 31. Januar 1363 dem Ritter Johann 
Vogt von Salzburg, Amtmann zu Bischofsheim, und 
dessen Schwiegersohn Hermann von Weyhers 
und deren Erben u. A. auch ihren ganzen Besitz zu 
Gersfeld verkauften, fl) Doch waren die Herren 
von Hun für diesen Besitz nicht Lehnstrüger des 
Abtes von Fulda, es handelte sich vielmehr un 
zweifelhaft um freies Eigen (Allod). Dagegen 
wurden die vermuthlich auch schon von Alters 
her dort begüterten Käufer des Hun'schen Güter- 
komplexes in und um Gersfeld, wenigstens die 
*) Clientela Fuldensis, ed. Schannat, S. 331. 
**) Karl Ludwig Müller a. a. O. S. 33. 
***) Die Urkunde ist abgedruckt bei Ludwig Müller 
a. a. O. S. 78. 
t) Karl Ludwig Müller a. a. O. S. 122. 
Herren von Weyhers, oder wie sie sich nach Wieder 
aufbau ihrer zerstörten Stammburg auf dem 
Ebersberg nannten, von Ebersberg, genannt 
von Weyhers, die fortan daselbst ansässig 
blieben, aller Wahrscheinlichkeit nach im Jahre 
1396 wie mit ihren übrigen Besitzungen so auch 
mit ihren Gersfelder Gütern Lehnsmannen des 
Abtes von Fulda. Für die Jahre 1411 und 1424 
ist es sicher verbürgt, daß der früher Hun'sche, später 
Ebersberg-Weyhers'sche Besitz daselbst, im Ganzen 
zwölf Güter und Hütten statten, bereits in den ful- 
dischcn Lehnsverband übergegangen war*), in 
welchem derselbe dann geblieben ist, bis er im 
Jahre 1777 verkauft oder vertauscht würde. Dem 
entsprechend erscheint er vor allem in dem Ebers 
berger fuldischen Stammlehnbrief des 16. Jahrhun 
derts. Hatten die Ebersberger bislang ihre Bllrg zu 
Weyhers noch als Eigen zu freier Verfügung 
gehabt, so sahen sie sich genöthigt, auch diese mit 
Zubehör vom Abt Johann von Fulda zll Lehen 
zu nehmen, als der Bischof Johann von 
Eglvsfstein zu Würz bürg gegen sie erfolg 
reich zu Felde zog; hätten sie damals nicht an 
dem Abte von Fulda gegen Auftragung von 
Weyhers eine Stühe gcfuildcn, so würden sie sich 
nicht haben aufrecht erhalten können. 
Ungeachtet ihrer nahen Beziehungen zu den 
Herren von Ebersberg-Wehhers hatten die Aebte 
von Fulda keine Veranlassung, mit dem Gange, 
den die Dinge in Gersseld einschlugen, zufrieden 
zu sein, ihre etwaigen Absichten, den Ort zu einer 
befestigten, ausschließlich fuldischen Stadt, bezw. 
mit den umliegenden Dörfern zu einer fuldischen 
Herrschaft zu erheben, denen das Glück bislang 
günstig gewesen war, sollten bald auf iminer 
vereitelt werden. Der folgende Abschnitt Gers- 
felder Geschichte in den Jahren 1400 bis 1440 
faßt sich von selbst unter dem Gesichtspunkt der 
Gewinnung der Landeshoheit über Gersfeld durch 
den Bischof von Würzburg und der Erhöhung 
der Machtstellung der Herren von Ebersberg, 
genannt von Weyhers, unter Beseitigung der 
Familie von Schneeberg. 
Wie gegen Weyhers, so rückte Bischof Johann im 
Jahre 1401 auch gegen Hermann von Schnee 
berg zu Gersseld, den Bundesgenossen der Herren 
von Ebersberg-Weyhers, und zwang ihn zu dem 
Versprechen der Oeffnung seines Schlosses. Als 
Hermann der übernommenen Verpflichtung nicht 
nachkam, kehrte der Bischof im Jahre 1405 mit 
Heeresmacht zurück, eroberte das Schloß Gersfeld 
und führte Hermann von Schneeberg nebst seiner 
Gemahlin Anna und seinem Sohne Wilhelm 
*1 Karl Ludwig Müller a. a. O. S. dl f.
        

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