Full text: Hessenland (10.1896)

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aus dem Gebiete seiner Fachwissenschaft ist Descoudres 
bekannt als Verfasser der anonym erschienenen Schrift: 
„Das Casseler Gymnasium Lyceum Fridericianum 
der siebenziger Jahre. Erinnerungen eines Schülers 
aus damaliger Zeit. Berlin 1891", welche in 
Hessen Aussehen erregte, aber nicht überall Zu 
stimmung fand. — Verliehen wurde dem ordent 
lichen Professor Dr. Felix M archand in Marburg 
der Charakter als Geheimer Regierungsrath. — 
Die philosophische Fakultät zu Marburg verlieh 
dem Stadtschulrath Eduard Fürstenau zu 
Berlin, gebürtig ans Rinteln, der am 20. Juni 
seinen siebzigsten Geburtstag beging, die Würde 
eines Dr. phil. honoris causa. Dr. Fürstenau war 
vom Januar 1856 bis Ostern 1873 Gymnasial 
lehrer zu Marburg, wo er den gesummten mathe 
matischen Unterricht ertheilte, auch seit Sommer 
1862 den Gesangsuntericht leitete. Von Marburg 
als Direktor des Realgymnasiums nach Wiesbaden 
berufen, wurde Fürstenau dann Provinzinlschulrath 
uiib hernach Stadtschulrath in Berlin. Dr. Fürstenau 
hat sich durch verschiedene wissenschaftliche Ab 
handlungen und durch seine Erfolge als Lehrer 
einen ehrenvollen Namen gemacht. Der lang 
jährige Ordinarius für Zoologie an der Wiener 
Universität, Professor Dr. Karl Claus hat sich 
uuumehr in Folge von Differenzen mit dem öster 
reichischen Unterrichtsministerium von seinem Lehr 
stuhle zurückgezogen. Claus ist bekanntlich ein 
geborener Kasselaner. 
Todesfälle. Am 10. Juni verschied zu Hanau 
der Justizrath Rechtsanwalt und Notar Wilhelm 
Osius, ein in weiten Kreisen bekannter und ge 
schützter Jurist, der als Sachwalter namentlich in 
Strafsachen vor dem Schwurgericht großen Ruf 
hatte. Geboren zu Hanau am 5. Juni 1835 als 
Sohn eines tüchtigen Arztes studirte Osius in 
Marburg, Heidelberg und Berlin die Rechte und legte 
1859 in Kassel die Reserendarsprüsung mit Aus 
zeichnung ab. Als Obergerichtsreferendar in Fulda, 
wo damals Geselligkeit und Musik blühten, fand er 
Gelegenheit das von seiner Mutter, einer aus 
gezeichneten Klavierspielerin, ererbte musikalische 
Talent — er besaß eine treffliche Teuorstimme 
besonders zu pflegen. Wegen seiner politischen 
Gesinnung wollte ihn der Kurfürst nicht allstellen. 
1867 wurde Osius Amtsassessor in dem eben von 
Baiern abgetretenen Orb, wo er die preußische 
Organisation einzuführen hatte, und alsbald Amts 
richter in Hanau, als solcher vornehmlich in Schöffen 
sachen thätig. Während des Krieges von 1870/71 
stand er als Feldauditeur bei Generalgouvernement 
im Elsaß. 1875 Oberamtsrichter in Hanau, und 
1876 Kreisgerichtsrath in Marburg, ließ sich der 
Verstorbene nach Einführung der Reichsjustizgesetze 
in seiner Vaterstadt nieder. Die Bewegung be 
hufs Errichtung des Grimm-Denkmals in's Werk 
gesetzt zu haben, ist im Wesentlichen das Verdienst 
Osius', dessen Hinscheiden alle, die ihm im Laufe 
seines Lebens näher getreten sind, schmerzlichst 
empfinden werden. Ehre seinem Andenken! — In 
der Nacht vom 16. zum 17. Juni verschied 68 Jahre 
alt, au einem Schlagansalle der seit dem 1. April 
dieses Jahres im Ruhestande lebende Schulrath 
Theodor I u n g h e n n zu H a n a u, ein geborener 
Kasselaner, der seit dem 22. April 1852 als 
Lehrer an der Realschule, vom 1. Januar 1868 
an aber als Direktor der höheren Töchterschule 
und der Stadtschule daselbst gewirkt hat. In 
Junghenn ist ein ebenso bewährter, tüchtiger Schul- 
mann wie nobler Charakter und liebenswürdiger 
Mensch dahingegangen. Am 17. Juni starb 
nach längerem Leiden der königliche Regierungs 
und Forstrath Christian Mehl bürg er zu 
Kassel im 53. Lebensjahre. Der Verblichene, alt- 
hessischer Familie entstammend, ein Sohn des kur 
fürstlichen Oberförsters Wilhelm M e h l b u r g e r 
zu Obernkirchen, hat nach Vollendung seiner 
Gymuasialstudien und praktischer Erlernung des 
Forstsachs die kurfürstliche Akademie zu Melsungen 
besucht und ist nach 1866 in den preußischen 
Forstdienst übernommen. 1874 wurde Mehlburger 
unter Ernennung zum Oberförster mit der Ver 
waltung der Oberförsterei Padrojen an der Ost 
mark des Reiches betraut, von wo er im Jahre 1885 
als Forstmeister an die Regierung zu Gumbiuneu 
versetzt wurde. Am 1. April 1890 erfolgte seine 
Rückkehr nach Kassel in die alte Heimath, wo ihm 
unter Ernennung zum Regierungs- und Forstrath 
die Forstinspektion Rotenburg übertragen wurde. 
Ein schweres Herzleiden, das ihn in den letzten 
Jahren vielfach an das Krankenlager fesselte, trübte 
die Freude über die Wiedervereinigung mit seinen 
Angehörigen. Als Beamter wie als Mensch er 
freute sich der Dahingeschiedene wegen seiner reichen 
Kenntnisse und großen Liebenswürdigkeit hohen 
Ansehens und besonderer Beliebtheit. — An: 25. 
Juni endigte der Tod die längeren Leiden des 
Kaufmanns Georg Knetsch zu Kassel in dessen 
59. Lebensjahre. Knetsch war ein Mann, der, auf 
verschiedenen Gebieten öffentlicher Wirksamkeit viel 
fach thätig, z B. lange Zeit als Mitglied der städtischen 
Körperschaften und der Handelskammer, in den 
Kreisen, die mit ihm in Berührung kamen, all 
gemeine Achtung und Anerkennung genoß. Auch 
für die Geschichte seiner hessischen Heimath be 
kundete der Verstorbene stets reges Interesse.
	        

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