Full text: Hessenland (10.1896)

Der Hexenritt 
(Aus dem Tfzegrund.) 
fü ufgepaßt und gebet acht! 
CzS Gestern in der !Walpurgisnacht 
Trat ich leis — 
Denn ich weis; 
In dein Hause alle schliche — 
An das Fenster voll der Küche, 
lim im stillen zu erlauschen, 
was mein Trandel hatt' zu plauschen. 
Na, da traf ich's. sauberem 
Trieb es in dem Mondenschein. 
vEiucii Kreis 
li>og es weis; 
Auf den Tstrich stink mit Kreide, 
Griff zum Besen, ging zur Zeile. 
Um den Stiel mit einer falben 
wunderschmiere einzusalben. 
Dann sprang's hurtig in den Kreis: 
„„Vorwärts, altes Besenreis! 
C'lhtie Kuh 
Imnierzu 
Durch die Luft und über Wälder, 
Ueber Korn u»ld Dorn und Felder 
Bei des Dollmonds bleicher Fülle 
Flink, wie wind geschwind, zum Knülle! 
Mächtig war dies Zauberwort; 
Denn das Traudel trabte fort. — 
Aufwärts, auf, 
Den Schlot hinauf 
Sah ich's auf dem Besen fahren 
Und mit aufgelösten Haaren 
Dann das alte Dach umkreisen, 
Singend gelle Zauberweisen. 
Schüchtern drohte ich empor: 
„Traudel?! . . Here?! . . Sieh Dich vor!" 
Doch: „„Hihi!"" 
kachle die, 
„„Komm! . . . Was thust Du so verfroren? 
Hast wohl gar den Spruch verloren? . . . 
Dummer Junge, praktikabel 
Ist ja auch die Ofengabel!"" 
Flugs sprang ich zum Kreis hinein: 
„Fort! ich muß beim Traudel sein! 
Ohne Ruh 
Immerzu 
Durch die Luft und durch die Wälder, 
Korn und Dorn und Bach und Felder 
Bei des Dollmonds bleicher Fülle 
Flink, wie wind geschwind, zun: Knülle!"
	        

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