Full text: Hessenland (9.1895)

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wobei dieser die vor der Thüre befindliche steinerne 
Treppe so unglücklich hinabfiel, daß er das Genick 
brach. Der Wirth verließ danach eilig die Stadt 
und flüchtete tu seine Heimath Batten in der 
Rhön, kehrte aber von da bald zurück, als er 
sichere Kunde erhielt, daß seine Handlung als 
eine in der Aufregung verübte und die Ver 
letzung mit tödtlichem Ausgang als eine nicht 
beabsichtigt gewesene angesehen werde. In der 
That blieb Höfling in der Folge ganz unbehelligt. 
Gehen wir nun in die anstoßende Töpfengasse, 
ehedem Ollergasse (von olla, der Topf), jetzt 
Marktgasse genannt. Dort stoßen wir zunächst 
aus ein Haus, welches eine in Stein gehauene 
Rose über der Hausthüre führt. In demselben 
befand sich vor Jahren die Metzgerei von Schultheis. 
Ob eine Wirthschaft darin betrieben worden ist, 
ist unbekannt. 
Gegenüber liegt aber das rühmlich bekannte 
„Ballhaus". Ueber dessen Eigenschaft als 
Gasthaus können wir nichts berichten. Schon 
int Anfang dieses Jahrhunderts wurden aber 
dort Vergnügungen und Versammlungen, welche 
große Räume erforderten, abgehalten. Mitte 
der vierziger Jahre war der „Bürgerverein" 
dorthin verlegt. Im Jahre 1848 hielt der Turn 
verein, der auch dort gegründet wurde, daselbst 
seine regelmäßigen Zusammenkünfte. In der Nähe 
des „Ballhauses" befand sich der Gasthos „zum 
goldenen Schwan". Diese Bezeichnung befand 
sich auch in neuerer Zeit noch an dem Hause, 
welches dem Kaufmann Ignaz Ducke lange Jahre 
gehörte. In der Mitte der achtziger Jahre des 
vorigen Jahrhunderts zechten dort zwei Fuldaer 
Soldaten, zwischen denen ein Wortwechsel entstand, 
welcher in Thätlichkeiten überging. Ein gleichzeitig 
im Zimmer anwesender Knabe machte nun dem 
Streite dadurch ein Ende, daß er, mit einer Gabel 
versehen, unbemerkt unter den Tisch kroch, an dem 
die Streitenden saßen, und dieselben, während 
sie sich rauften, solange in die Beine stach, bis 
sie, durch die ihnen von unsichtbarer Hand bei 
gebrachten Stiche entsetzt, eilig das Zimmer ver 
ließen. Sie waren nicht zu bewegen, dahin wieder 
zurückzukehren, weil sie nicht anders glaubten, 
als daß der Gottseibeiuns seine Hand im Spiel 
gehabt habe. Der Knabe aber, der eilig aus 
(entern Versteck hervorkam, war erfreut, Friede 
gestiftet zu haben, und er ist es auch gewesen, der 
uns als Gymnasiasten in den dreißiger Jahren 
als hochbetagter Greis diesen Vorfall erzählt hat. 
Nur durch ein Haus vorn „Schwan" getrennt, 
befand sich in dem jetzt dem angesehenen Bürger 
ttnd Lederhändler Ferdinand Ducke, früher deut 
Senator Koch eigenthümlich zustehenden Hanse 
eine nur von vornehmen Personen besuchte Wein 
stube. Der muntere itttb freundliche Wirth 
machte sich ein Vergnügen daraus, die in den 
zwanziger Jahren in Fulda aufgeführten Fast 
nachts-Maskenzüge bei deren Vorbeiziehen mit 
gutem Wein, den er ja anerkannt führte, reichlich 
zu bewirthen. Noch lange nach seinem Tode er 
freute sich die Weinstube eines regen Besuches. 
Eine Verwandte, Fräulein F. Simon, ererbte 
das Koch'sche Haus und betrieb die Weinwirthschaft 
weiter. Sie war darauf bedacht, die von ihr 
verkauften Weine ebenso rein und schmackhaft 
wie ihr Vorgänger zu halten. Der alten, freund 
lichen Dame, welche im Fuldaer Provinzial- 
Wochenblatt den Einwohnern Fuldas ihre Wein- 
wirthschaft empfahl, spielte aber der Setzer oder 
Drucker dieser Anzeige einen übeltt Streich, indem 
er daselbst bekannt machte: „Ich empfehle meine 
alten, reingehaltenen Beine" statt Weine, was 
große Heiterkeit verursachte. 
Der Koch'schett Weinstube schräg gegenüber 
lag die sog. Garküche. Das geräumige Eckhaus 
der Pfarrkirche gegenüber führte in einem Balken 
des ersten Stockwerkes einen großen nietallenen 
Ring, dessen Bedeutung uns nicht bekannt ist. 
Im Hause war stets warmes Essen zu bekommen. 
Von einer darin atlch betriebenen Gastwirthschaft 
haben wir keine Kunde. 
In der Friedrichsstraße war in der jetzigen 
„Bierhalle" int sog. Alerander'schen Hause eine 
gut besuchte Wirthschaft, ihr gegenüber neben der 
sog. „gelben Lust" die Weinstube des Konrad 
Wehner, später des Sattlers Vogel. Das Haus 
wurde später dem Wählerischen Haus angebaut. 
Ntlr durch ein Haus davon getrennt lag die Schenk- 
wirthschaft „zur grünen Schluppe", deren 
Eigenthümerin Fratt Elisabeth Groß (st 1799), 
Großmutter der spätern Frau Elisabeth Schmitt 
in Horas, eine große Wohlthäterin Armer und 
Bedrängter war, insbesondere hilfsbedürftigen 
Wanderern bereitwillig Ausnahme gewährte. Der 
Fürstbischof, dem dies bekannt wurde, ließ derselben 
beim auch durch zwei seiner Leibhusaren seine An- 
erkennung zu erkennen geben, in Folge dessen die 
so Geehrte nicht umhin konnte, die fürstlichen 
Abgesandten mit gutem Salecker Wein reichlich 
zu bewirthen. (Fortsetzung folgt.)
	        

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