Full text: Hessenland (9.1895)

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Johannis, Oberlehrer der neueren Sprachen am 
Realprogymnasium zn Fulda, wohl der Senior der 
hessischen höheren Lehrerschaft (Johannis ist geboren 
10. Dezember 1824), trat mit dem t. April 
in den Ruhestand. Er erhielt aus diesem Anlaß 
den Rothen Adler-Orden IV. Klasse. 
Universitätsnachrichten. Der außerordent 
liche Professor der Theologie an der Universität 
Göttingen Dr. Joh. Weiß ist als ordentlicher 
Professor der Theologie nach Marburg berufen; der 
außerordentliche Professor Di-. Peter Jensen zu 
Marburg zum ordentlichen Professor in der philo 
sophischen Fakultät daselbst ernannt. — Als Nach 
folger des nach Hamburg als Dirigent der phil 
harmonischen Konzerte berufenen Professors Richard 
Barth in Marburg ist Musikdireklor Gustav 
Jenner in Wien gewonnen worden. Jenner ist 
1865 geboren und ein Schüler von Brahms. — 
Professor Geheimer Rath Dr. Ernst Schmidt 
in Marburg. der Vertreter der pharmazeutischen 
Chemie an der Universität daselbst, hat einen Ruf 
an die Berliner Universität erhalten, aber ab 
gelehnt. 
Am 4. April d. I. fand in Kassel der Wirk- 1 
li che Geheime Ober-Finanz-Rath und Provinzial- 
Steuer-Direktor von Hessen-Nassau, Herr Peine, 
einen jähen Tod durch Ueberfahrenwerden. 
Wilhelm Peine, geboren am 25. November 18:10 
zn Nieheim in Westfalen, besuchte das Gymnasium 
zn Paderborn und studirte ans den Universitäten 
Göttingen und Berlin Rechtswissenschaft. Nach 
vorzüglich bestandenem Assessor-Examen trat er im 
Jahre 1858 in die Zollverwaltung ein, bekleidete 
nach mehrjähriger Thätigkeit an verschiedenen 
Provinzial-Steuer-Direktionen die Stelle eines 
Ober-Stener-Kontroleurs zn Liebau in Schlesien, 
dann diejenige eines Ober - Zoll - Inspektors zu 
Breden in Westfalen. 1869 zum Regiernngs- 
Rath und Mitglied der Provinzial-Steuer-Direktion 
zn Danzig ernannt, wurde er 1872 als Hilfs 
arbeiter in das Finanz-Ministerium berufen und 
1873 znm Geheimen Finanz-Rath und vortragenden 
Rath befördert. Nachdem ihm 1876 der Charakter 
als Geheimer Ober-Finanz-Rath verliehen war, 
wurde er 1878 Provinzial - Steuer - Direktor in 
Posen, von wo er am 1. Juli 1886 in gleicher 
Eigenschaft nach Kassel versetzt wurde. Am 
31. Dezember 1894 zum Wirklichen Geheimen 
Ober-Finanz-Rath mit dem Range eines Rathes 
1. Klasse befördert, war er auch Ritter des Rothen 
Adler-Ordens 2. Klasse mit Eichenlaub. 
Mit klarem Blick und einsichtigem Verständniß 
der Verhältnisse begabt, war Peine ein hervor 
ragend tüchtiger Beamter, der es namentlich auch 
vorziiglich verstand, die oft sich widerstreitenden 
Interessen der Handel- und Gewerbetreibenden 
einerseits und der Steuerverwaltung andererseits 
in für beide Theile günstiger Weise zu vereinigen. 
Seiner Familie ein treuer und fürsorgender 
Vater, betrachtete er auch die zahlreiche Schaar 
der ihm unterstellten Beamten als eine große 
Familie, die er in wahrhaft väterlicher Weife 
leitete. Mit ungemeiner Herzensgüte suchte er 
stets das Beste seiner Beamten zu fördern »end 
ihren Wünschen in ausgedehntestem Maße entgegen 
zu kommen, wie seine Anerkennung niemals den 
jenigen seiner Beamten gefehlt hat, die ihren 
dienstlichen Pflichten getreulich nachkamen. Mußte 
er aber einmal strafend eingreifen, dann war er 
ein ebenso milder als gerechter Richter. 
So beklagt denn mit der schmerzgebengten Gattin 
des allzufrüh Dahingefchiedenen, mit den trauernden 
Söhnen und Töchtern die zahlreiche Schaar der 
Zöllner von der Weser bis zum Rhein den un 
ersetzlichen Verlust, der sie betroffen. W. 
Hessische Bücherschau. 
Bekanntlich ist hinsichtlich des Antheils, den 
unsere Landsleute an dem großen amerikanischen 
Kriege (1776 1783) nahmen, nur eine geringe 
Literatur vorhanden; von Monographien existirt 
nur eine, und zwar in englischer Sprache. In 
etwas wird nun diesem empfindlichen Mangel ab 
geholfen durch eine kürzlich bei Theodor Kay, 
Kassel, 1895 erschienene Schrift, welche den 
Frei Herrn von Werthern znm Verfasser hat 
und den Titel führt: Die hessischen Hülss- 
t r u p pen i m nord a m erikanischen 11 n a b - 
hä ngigkeitskriege 1776— 1783. Das vor 
liegende Werk ist ersichtlich mit großem Fleiß 
und dem militärischen Scharfblick des Fachmanns 
geschrieben und darf mit Recht den Anspruch er 
heben, unsere Kenntniß der in Betracht kommenden 
Ereignisse nicht unerheblich erweitert zu haben. 
Wie es bei der Verarbeitung eines so großen 
und ungeordnet vorliegenden Materials zu gehn 
pflegt, sind einzelne Ungenauigkeiten in der Dar 
stellung mit nntergelaufen, welche wir im Interesse 
der vaterländischen Geschichte kurz besprechen wollen. 
Was die Schilderung des Gefechts bei Brooklyn 
angeht, in welchem die Hessen zum ersten Male ans 
amerikanischem Boden in's Feuer kamen, so ist 
(S. 9) zu bemerken, daß der Kommandirende zn 
Brooklyn bis um den 8. August 1776 General 
major Greene war; dieser erkrankte jedoch und 
wurde zuerst durch Generalmajor Sullivan, am 
22. August jedoch von Generalmajor Putnam er-
	        

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