Full text: Hessenland (7.1893)

Das Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, erscheint zweimal monat 
lich, zu Anfang und in der Mitte jeden Monats, in dem Umfange von l 1 /*—2 Bogen Quartformat. Der Abonne 
mentspreis beträgt vierteljährlich 1 Mark 60 Pfg. Einzelne Nummern kosten je 30 Pfg. Auswärts kann unsere 
Zeitschrift durch direkte Bestellung bei der Post oder durch den Buchhandel, auf Wunsch auch unter Streif 
band bezogen werden; hier in Kassel nimmt die Buchdruckerei von Friedr. Scheel, Schloßplatz 4 (Fernsprecher 
Nr. 372) Bestellungen an. In der Postzeitungsliste für das Jahr 1893 findet sich das „Hessenland" eingetragen 
unter Nr. 2969. Anzeigen werden mit 20 Pfg. für die gespaltene Petitzeile berechnet und nur durch die 
Annoncen-Expedition Kaasenstein & Mogker A. K. in Kassel oder deren übrige Filialen angenommen. 
Getrocknete Blätter 
« lätter unter Glas und Rahmen, 
Die auf meiner Heimath Bäumen 
In des herbstes letzter Sonne 
Sich gewiegt in Farbenträumen —, 
Leichte Blätter, ernste Worte — 
Bittre habt ihr mir zu sagen 
Von der fernen Iugendheimäth 
Unvergeßnen goldnen Tagen, 
von der längst versunknen Sonne, 
Die so wundersame satte 
Reiche Wärme und so tiefe 
Strahlend goldne Lichter hatte. 
Wieder lieg' ich — träg' und sorglos — 
Tief im Gras, die Herbstzeitlosen 
Neigen ihre blassen Reiche, 
Und es schimmern fern die Rosen, 
Ueppig jung, so nah dem Sterben, 
Und des Eichbaums späte Loden, 
Die sich immer höher färben, 
Und die Linden sind so dunkel, 
Schmetterlinge schwärmen trunken, 
Hoch am Rand des Stoppelfeldes 
Weht der Mohn wie rothe funken. 
Ach, es ist ein wonnig Ende — 
Eines Aünstler's, sich versöhnen 
Mit den: allgewalt'gen Tode, 
Eines Liedes letztes Tönen. 
Meine Seele läßt sich tragen 
von dem Duft in's Selbstvergessen, 
In die blaue, ferne Weite, 
Die sich aufthut unermessen. 
Mutter Heimath, wie voll Liebe 
t ast du damals mich umschlossen, 
eine tief verhüllte Schönheit 
heimlich vor mir ausgegossen. 
Nord'sche Heimath, — Staub und Hitze 
at der Süden mir gegeben —, 
ingesargt in deine Milde 
Liegt der Seele Iugendleben. 
Längst vertrocknet sind die Blätter, 
Die dereinst im Purpurschimmer 
Leuchtend zu mir niedersanken 
In der Sonne Herbstesflimmer. 
W. Kervert.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.