Full text: Hessenland (7.1893)

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Dieses Recht ist am meisten angefochten worden 
zuerst von den Erzbischöfen von Mainz, später 
von den Bischöfen von Würzburg; den Zerwürf 
nissen wurde erst dadurch ein Ende gesetzt, daß 
unter Fürstabt Amand von Buseck 1752 
Fulda zum Bisthum erhoben wurde; der 
Fürstabt war nun auch Fürstbischof. Im Jahre 
1802 bei der Säkularisation des Hochstiftes 
endigte diese ruhmreiche Periode, und es beginnt 
die dritte, welche Schleichert 3) 1? u I d a I u o t u o s a, 
das trauernde oder traurige Fulda, nennt. Wenn 
diese Bezeichnung in der ersten Zeit der Fremd 
herrschaft, namentlich der französischen, eine richtige 
sein dürfte, wenn Fulda auch vielleicht in der 
letzten Zeit von manchen Fremden als traurige 
Stadt bezeichnet worden sein mag, so werden sie 
doch mit mir einverstanden sein, daß Fulda 
gegenwärtig, wo es sich in jeder Beziehung ge 
hoben hat, nicht mehr so genannt werden darf; 
ich möchte daher vorschlagen, unsern jetzigen 
Zeitraum, in dem sich die Industrie so sehr ge 
hoben hat, viele fleißige Fabriken und Werkstätten 
entstanden sind, Fulda industriosa, das 
fleißige oder industrielle Fulda, zu nennen. 
Im Jahre 1793 hatte das unmittelbar vom 
Fürstbischof von Fulda regierte Land folgende 
Grenzen: Nach Norden die Landgrafschaft Hessen- 
Kassel und Weimar-Eisenach; die nördlichsten Orte 
waren Odensachsen bei Neukirchen, Buttlar zwischen 
Geisa mib Vacha. Nach Osten Sachsen-Eisenach 
und Meiningen, das Fürstbisthum Würzburg. 
Die äußersten Orte waren Dermbach, Batten und 
Geroda (zwischen Brückenau und Kissingen). Im 
Süden grenzte das Amt Hammelburg mit dem 
äußersten Orte Hundsfeld gegen Würzburg; 
weiter isolirt lag noch im Süden die Propstei 
Holzkirchen, fünf Stunden westlich von Würzburg, 
mitten in dessen Gebiet. Im Westen grenzte 
zunächst Hammelburg an Kurmainz, das Amt 
Salmünster an das Jsenburgische, das Amt 
Herbstein an die Riedesel'schen, das Amt Großen 
lüder und Burghaun an die Schlitzer gräflich 
Görtz'schen Besitzungen. 
Das Land war in folgende 21 Aemter eingetheilt, 
denen altadelige Oberamtmänner sowie Amtsvögte, 
letztere als richterliche Beamte, vorstanden: 
1) Amt Bieberstein, 2) Amt Blankenau, 
3) Amt Brückenau, 4) Amt Burghaun, 5) Cent- 
vberamt Fulda, 6) Centvberamt Johannesberg, 
7) Amt Eiterfeld, 8) Amt Fischberg, 9) Stadt 
schultheißenamt Fulda, 10) Amt Geisa, 11) Amt 
Großenlüder, 12) Amt Hammelburg, 13) Amt 
Haselstein, 14) Amt Herbstein, 15) Amt Hünfeld, 
16) Amt Motten, 17) Amt Neuhof, 18) Amt 
Salmünster, 19) Amt Sannerz, 20) Amt Uerzell, 
21) Amt Weyhers. V 
Außerdem gehörten als isolirte Besitzungen das 
schon genannte Holzkirchen im Frankengau und 
das Schloß Johannisberg im Rheingau zu Fulda. 
Die angrenzenden und innerhalb des Gebietes 
liegenden Standesherrschaften der Grafen von Görtz 
zu Schlitz, der Freiherrn Riedesel zu Eisenbach, 
Stockhausen und Lauterbach, derer von Trümbach zu 
Wehrda, von Mansbach, von Boyneburg, von 
Ebersberg, von Thüngen, von Hutten, von der 
Tann und andere standen sämmtlich em Lehens- 
verbande zum Fürstbischof. Erbmarschälle waren 
die Grafen von Görtz zu Schlitz, Erbkämmerer 
die Freiherren von Walderdorf, Erbtruchsesse die 
Freiherren von der Tann und Erbfchenken die 
Freiherrn von Buseck. 
Das Hochstift Fulda hatte zwar in jener Zeit 
von seinen früheren Besitzungen schon viel ver 
loren ; denn im Mittelalter rühmte sich der Fürst 
abt von Fulda, auf der Reise nach Rom jedes 
Nachtquartier auf seinem Eigenthum nehmen zu 
können, in Rom selbst hatte er ein eigenes 
Kloster; 1793 war das Hochstift aber immer noch 
48 Ouadratmeilen groß und zählte: über 80 000 
Einwohner. Die Einnahmen betrugen über 
600 000 Gulden. Man zählte damals in 
Deutschland unter 300 Reichsständen 74 geist 
liche Stände, speziell 30 geistliche Fürsten. 
Der Kurfürst und Erzbischof von Mainz war 
der erste der Bischöfe, der Fürstabt von Fulda 
der erste der Aebte, wie schon gesagt Primas und 
nun ebenfalls Bischof; als Erzkanzler hatte der 
Kurfürst von Mainz den Kaiser, der Abt von 
Fulda die Kaiserin zu krönen. Als Reichsfürst 
mußte er von gutem Adel sein, und deshalb be 
stand in Fulda das alte von Sturmius ge 
gründete Benediktinerstift aus einer adeligen und 
einer bürgerlichen Abtheilung. Dieses Stift oder 
Konvent befand sich neben dem Dome in den Räumen, 
die jetzt das Priesterseminar inne hat. Die 
Mitglieder aus dem Adel allein gelangten zu 
den Würden im Kapitel. Das adelige Sifts-, 
später Domkapitel bestand aus 15 Kapitularen 
und den Domizellaren; es war die einzige 
ständische Vertretung und gewissermaßen das 
Ministerium des Fürsten. Die neun ersten 
Kapitulare genossen den Rang von infulirten 
Prälaten, der erste war Stifts- oder Großdechant, 
später Domdechant, zugleich Propst am Neuen 
berg oder Andreasberg, residirte aber in der 
Dechanei neben dem Dome, wo wieder die jetzigen 
Domherrn wohnen. Die übrigen wohnten in den 
Propsteien, welche früher Klöster gewesen waren, 
die aber in der Reformationszeit ihre Mönche
	        

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