Full text: Hessenland (7.1893)

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natürlich sprudelnden Wasserfälle oder besuchen 
den Aquädukt, meine Lieblingsanlage." 
So plaudernd verscheuchte sie die Schwermuth 
aus seinen Zügen und fesselte seine Aufmerksam 
keit an die ihn umgebenden Naturschönheiten, 
denen sich die Kunst in so wohlgefälliger Wirkung 
einte. 
Als das Paar wieder aus dem Waldesschatten 
heraustrat, lag vor ihm, im Sonnenlicht smaragd 
grün erglänzend, eine Rasenfläche, auf der eine 
geputzte Menge, bunten Blumen gleich, dem 
Herabstürzen des Wassers von der Höhe des 
Habichtswaldes bewundernd zuschaute. Wo sich 
der Schwall unten in einem Bassin sammelt, 
hob er sich in einer mächtigen Fontäne himmel 
wärts empor. 
Ein „Ah!" der Bewunderung entfuhr dem 
von diesem Anblick überraschten Jüngling. Ihrer 
Umgebung nicht achtend, traten die Geschwister 
weiter in den Vordergrund. In heiterem Zwie 
gespräch standen sie da, als sich eine Hand auf 
des Barons Schulter legte, indem eine Stimme 
wohlwollend und doch mit souveräner Betonung 
sprach: „Eh bien, monsieur, unsere Anlagen 
erfreuen sich Eures Beifalls?" 
„Königliche Hoheit," sprach Elisabeth, den 
Landgrafen Friedrich von Hessen erkennend, schnell 
gefaßt, „mein Bruder, Baron von Münikerode, 
ist zum ersten Male in diesen Zaubergärten, 
kein Wunder, daß er, von der Schönheit über 
wältigt, Auge und Ohr gefangen gab, nicht 
ahnend, daß der hohe Magiker selbst das Schau 
spiel mit seiner Gegenwart beehrt." 
„Von Euer Liebden ist man keine Schmeichelei 
gewohnt", sagte der Fürst und zog dann den 
jungen Mann, an dem er Wohlgefallen fand, in 
eine Unterhaltung. 
„Ah, mon ami," sagte der kunst- und pracht 
liebende Prinz, „wir sind charmirt, daß der wirk 
lich seltene Anblick unserer Wasserkünste Euch 
ergötzt. Wir haben indessen noch ganz andere 
Kunstschätze, deren Besichtigung Ihr Euch nicht 
entgehen lassen dürft. Da sind die sublimen 
Leistungen Meister Monot's, die das Marmor 
bad zieren." 
Tankmar beeilte sich, in bescheidener Weise 
sein Lob und Urtheil über die Arbeit des Bild 
hauers auszusprechen. 
„Die Weihe, welche gleichsam schon das 
Material umschließt," sagte der Landgraf, „haben 
die Künstler aller Zeiten empfunden, indem sie 
die vollkommensten Vorbilder des Schönen darin 
nachzubilden suchten. Wären wir auch auf 
anderen Gebieten der Kunst diesem Grundsatz 
der Griechen treu geblieben, wieviel an triviale 
Stoffe verschwendetes Talent würde edlerem 
Streben erhalten sein. Man kann die Natur 
wahrheit der Wiedergabe bewundern, aber sich 
an dem Gemeinen und Häßlichen nicht erfreuen 
Ich erachte es als die Pflicht eines Fürsten, auf 
die Pflege der Kunst und Schönheit so viel zu 
verwenden, als in seinen Mitteln steht. Ich 
brauche darin. Gottlob, nur in die Fußstapfen 
meiner Vorfahren zu treten, denen wir diese 
Schöpfung verdanken." 
Aus dem Kreise des in zwanglosen Gruppen 
plaudernden Hofzirkels winkte der Fürst den 
Kammerherrn von Buttlar zu sich heran. 
„Herr von Münikerode", redete er den sich 
tief verneigenden Kavalier an, „intendiret morgen 
unsere Galerien in Augenschein zu nehmen, da 
bei kann er keinen besseren Führer zur Seite 
haben, als Euch, lieber Buttlar, der Ihr die 
Kunstwerke unserer großen Maler würdig zu 
estimiren wißt. 
Fast alle Meister der Welt sind dort in ihren 
eheks-ck'oenvre vertreten, Rubens, Raphael, Rem 
brandt, Holbein und Dürer. Vergesset nicht, 
dem jungen Amateur die Landschaften eines 
Wouvermann und Ruisdael zur Beachtung zu 
bringen, sowie die Leistungen Ribera's, Potter's, 
und van Dyck's." 
Den wohlgesetzten Dankesworten des Barons 
hörte der Landgraf nur mit halbem Ohre zu, 
seine Aufmerksamkeit fesselte ein junges Mädchen, 
welches elastischen Schrittes auf die Gesellschaft 
zukam. Ihre Erscheinung rechtfertigte vollkommen 
das Urtheil des hohen Herrn. „Voilà la beauté 
supérieure unseres Hofes. Fräulein von Wilden 
wäre würdig, das Vorbild eines Praxiteles zu 
sein, doch könnten alle die todten Gebilde nicht 
mit ihrem frischen Lebenshauch konkurriren. 
Soyez la bienvenue, schöne Aurora, die 
Sonne ist heute spät aufgegangen. Dieser 
Kavalier ist hergekommen, um die Sehens 
würdigkeiten unserer lieben Stadt in Augenschein 
zu nehmen. Er würde nichts von Bedeutung 
erblickt haben, wäre ihm nicht das Glück so hold, 
Euch in unsern Weg zu führen. Wir überlassen 
die Herrschaften der gewiß höchst anziehenden 
Unterhaltung zu Zweien, wobei wir uns als 
überflüssigen Lauscher fühlen." 
Lachend wandte sich der Landgraf seinem Ge 
folge zu, den jungen Baron in einiger Verlegen 
heit der gefeierten Schönheit gegenüber zurück 
lassend. 
So wenig Tankmar an den leichten Ton der 
Gesellschastskonversation gewöhnt war, fiel es ihm 
doch nicht schwer, auf das Thema einzugehen, 
das die junge Dame, von einer Kunst zur andern 
hinüberlenkend, einschlug. Die Leistungen der 
vom Landgrafen für seine Residenz angeworbenen 
Schauspielertruppe beschäftigten in hohem Grade 
alle Verehrer des Theaters, damals, wo auf
	        

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