Full text: Hessenland (7.1893)

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einzuziehen, behufs Entwurfs eines Landrechts. 
Landgraf Ludwig zu Marburg ließ am 26. 
November 1572 ein Zirkular-Reskript an sämmt 
liche Städte seines Landtheils ergehen, um 
Aufschluß über die Gebräuche in Ansehung der 
Erbfolge unter Eheleuten zu erhalten. Mit 
seinen Brüdern entwarf er dann ein Projekt 
einer General-Land- und Polizei-Verordnung 
im Jahre 1577, desgleichen ein Projekt fürstlich 
hessischen Landrechts im Jahre 1581. Diesen 
beiden Projekten folgten noch mehrere, wie z. B. 
im Jahre 1591 wiederum eine General - Land- 
und Polizei-Verordnung. Aus allen diesen 
Projekten ein einheitliches Recht zu schaffen, war 
aber fruchtloses Bemühen, da die meisten der 
mit der Ausarbeitung Beauftragten sich darauf 
beschränkten, das römische Recht in's Deutsche zu 
übersetzen, statt aus den Landesgebräuchen 
allgemeine Sätze herauszuziehen und auf Grund 
dieser ein Landrecht zu entwerfen. Von allen 
Projekten ist bis zum Jahre 1769 kein einziges 
zu Stande gekommen. Das in den Jahren 
1583 — 1592 entworfene Projekt einer Land 
ordnung wurde von Heinrich Geise, ehemaligem 
Amtsschultheiß zu Abterode, unter der Benennung 
„Deutsches oorxus iuris" gedruckt. Nachdem 
wir hier in großen Zügen die alte Gesetzgebung 
Hessens geschildert haben, wenden wir uns nun 
mehr zur geistlichen Gerichtsbarkeit und beginnen 
damit in der nächsten Nummer. 
(Fortsetzung folgt.) 
i-æ-i' 
Lohann Kwalö in hessischen Diensten. 
Von F. Iwenger. 
(Fortsetzung.) 
t 
C’ihn 6. Februar 1778 schloß Frankreich mit den 
Nord-Amerikanern einen Freundschafts- und 
Handelsvertrag, durch welchen Frankreich die 
Nordamerikaner als ein selbstständiges Volk an 
erkannte und dieselben mit seiner ganzen Macht 
so lange zu unterstützen versprach, bis sie ihre Un 
abhängigkeit errungen hätten. Zwei Monate 
später segelte eine französische Flotte unter dem 
Admiral d' Estaing nach Amerika. Dies bewog 
den englischen General Henry Clinton, seine. Streit 
kräfte wieder bei New-Pork zu konzentriren. Er 
räumte am 17. Juni 1778 Philadelphia, nahm 
seinen Marsch durch Jersey und erreichte am 
28. Juni Shrewsbury und die Raritons-Bah. 
Dieser Rückzug war mit den größten Schwierig 
keiten verbunden. Viele Verluste erlitten die 
Engländer auf demselben durch den die Armee 
ständig umschwärmenden Feind, wie denn auch 
eine ganz erhebliche Zahl der Mannschaften durch 
die unerträgliche Hitze und die übrigen Beschwerlich 
keiten des Marsches aufgerieben wurde. 
Auf diesem Rückzüge, der zu den denkwürdigsten 
in der Kriegsgeschichte gehört, zeichneten sich wieder 
die hessischen Jäger, die unter ihrem tapferen 
Führer von Wurmb zur Arrièregarde und zu 
Seitendeckungen verwandt wurden, ganz besonders 
aus. Dem Feinde zunächst, hatten sie diesen drei 
Wochen lang immer an den Fersen. Der junge 
ungestüme Franzose Lafayette und der Pole Pu- 
lawski ließen sie fast nie zur Ruhe kommen, sie 
waren Tag und Nacht im Gefecht. Hier that 
sich bereits der junge Jägerunteroffizier Adam 
Ludwig Ochs hervor, der es nachmals zu großer 
Berühmtheit bringen sollte. Allen aber voran 
leuchtete auch hier Hauptmann Ewald. Gleich 
am zweiten Tage nach dem Abmarsche von 
Philadelphia, am 19. Juni, hinderte er den Feind 
am Abbrechen einer Brücke und vertrieb diesen 
aus einer nahegelegenen Mühle. Ohne Ewald's 
Thätigkeit wäre die Armee hier wenigstens einen 
Tag aufgehalten worden. General Clinton sprach 
daher auch ihm und den Jägern seinen ganz be 
sonderen Dank aus. Auf dem Zuge hatten sich 
auch die reitenden Jäger rühmlichst bewährt. 
Am 24. Juni hatte die Armee Allentown er 
reicht und am 28. Juni fand das Gefecht bei 
Frechould statt, das, nachdem der Feind wieder 
holt zurückgeworfen worden war, von General 
Clinton abgebrochen wurde. Hier ereignete sich 
folgender Vorfall, den wir nach Max von Eelking 
wiedergeben. Im amerikanischen Heere diente 
der bekannte General F. W. von Steuben, früher 
preußischer Offizier unter Friedrich dem Großen. 
In seinem militärischen Eifer war er zu nahe 
an die Kolonne des hessischen Generals von 
Knyphaüsen zum Rekognosziren herangeritten, 
so daß er beinahe von einer Seitenpatrouille 
gefangen worden wäre. Nur der Schnelligkeit 
seines Pferdes verdankte er seine Rettung. Bei 
dieser Gelegenheit verlor er seinen Hut. Als 
nach dem Gefechte einige Gefangene in das Haupt 
quartier Washingtons gebracht wurden, befand 
sich auch einer von Steuben's Verfolgern darunter. 
Er redete den General an mit den Worten: „Ich 
glaube, General, daß ich heute Morgen die Ehre 
hatte, Sie zu sehen und-ich hoffte einen glänzen-
	        

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