Full text: Hessenland (7.1893)

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innere Unzufriedenheit betrachteten. Indessen 
setzte der französische Gesandte Barthélémy seine 
Bemühungen zur Herstellung des Friedens 
unablässig fort, indem er auseinandersetzte, daß 
die französische Regierung eines auswärtigen 
Erfolges bedürfe, um nicht bei der nächsten 
politischen Bewegung gänzlich zu fallen. Der 
Abschluß des Friedens mit dem Landgrafen von 
Hessen sei aber ein solcher Erfolg, denn nächst dem 
Könige von Preußen sei jener der angesehenste 
Fürst des nördlichen Deutschlands; schließe der 
Landgraf Frieden, dann würden alle anderen 
Fürsten von selbst bald folgen. Diese Gründe 
erschienen unwiderlegbar, und Mitte Juni kehrte 
der französische Legationsrath Marandet mit dem 
von dem Nationalkonvent genehmigten Friedens 
entwurf nach Basel zurück. Man verfehlte nicht, 
den Landgrafen von dieser Entscheidung der 
Republik in Kenntniß zu setzen und alsbald 
sandte dieser wiederum seinen Minister zum 
Abschlüsse der Friedensverhandlung nach Basel. 
Zu dieser Zeit wandten sich die Regenten von 
Waldeck und Lippe-Schaumburg an den land 
gräflichen Gesandten mit der Bitte, sie in den 
Frieden mit Frankreich einzuschließen, indem sie 
ihre Eigenschaft als hessische Lehnsträger hervor 
hoben. Der Vertreter Hessens richtete daher, 
sobald er nach Basel zurückgekehrt war, ein 
Schreiben an Barthélémy und erklärte, daß 
war die hessischen Lehne nicht namentlich in 
en Friedensvertrag aufgenommen seien, daß sie 
aber von Hessen abhingen und einen integrirenden 
Theil des Landes bildeten. Diese Ausführungen 
erkannte der französische Gesandte für begründet 
und genehmigte die Anträge. Der Fürst von 
Waldeck sowohl, als auch die Gräfin Regentin 
von Bückeburg, als Vormünderin ihres Sohnes, 
waren hierüber außerordentlich erfreut und drückten 
meinem Großvater ihren Dank für seine Be 
mühungen in der wärmsten Weise aus. 
Unter beständiger Vermittelung des Freiherrn 
von Hardenberg, welcher in Basel weilte, schritt 
nun das Friedenswerk rasch vorwärts, zumal 
auch der Landgraf in jedem Brief zur Be 
schleunigung der Angelegenheit aufforderte. Ob 
wohl es nun damals noch keine elektrische 
Telegraphen gab und jeder Brief von Basel 
nach Kassel oder Paris die Zeit von mehreren 
Tagen in Anspruch nahm, so hatte man doch schon 
in den letzten Tagen des Monats August die Ver 
handlungen beendet, und am 28. August konnte 
der Friedensvertrag zwischen der französischen 
Republik und dem Landgrafen von Hessen-Kassel 
unterzeichnet werden. 
Das Dokument hat folgenden Wortlaut: 
Artikel 1. 
Es soll Friede, Freundschaft und gutes Ein- 
verständniß bestehen zwischen der französischen 
Republik und dem Landgrafen von Hessen-Kassel. 
Art. 2. 
In Folge dessen sollen alle Feindseligkeiten 
zwischen beiden kontrasignirenden Mächten, von 
der Auswechselung der Ratifikationen gegen 
wärtigen Traktates an gerechnet, aufhören, und 
keine von beiden soll, von dem nämlichen Zeit 
punkte an, in welcher Eigenschaft und unter 
welchem Titel es auch sein möge, gegen den 
anderen irgend eine Hülfe leisten, noch Kontingent 
stellen, weder an Mannschaft, Pferden, Lebens 
mitteln, Geld, Kriegsmunition, noch anderen 
Dingen. 
Art. 3. 
Der Landgraf von Hessen-Kassel kann, solange 
der Krieg zwischen der französischen Republik 
und England dauern wird, die beiden Subsidien- 
Traktate, die zwischen ihm und England bestehen, 
weder verlängern, noch erneuern. Diese Ver 
fügung soll von dem Datum des gegenwärtigen 
Traktates an gerechnet, ihre Wirkung haben. 
Art. 4. 
Der Landgraf von Hessen-Kassel wird sich in 
Rücksicht des Durchmarsches von allen Truppen 
durch seine Staaten genau nach den Verfügungen 
richten, welche in der zu Basel am 17. Mai 1795 
zwischen der französischen Republik und dem 
Könige von Preußen geschlossenen Konvention 
bestimmt sind. 
Art. 5. 
Die französische Republik wird die Festung 
Rheinfels, die Stadt St. Goar und den am 
linken Rheinufer liegenden Theil der Grafschaft 
Katzenelnbogen in Besitz behalten. Die Ent 
scheidung über diese Lande soll so lange aus 
gesetzt werden, bis zwischen der französischen 
Republik und den mit ihr Krieg führenden 
deutschen Ständen Friede geschlossen wird. 
Art. 6. 
Alle Verbindungen und Handelsverhältnisse 
sollen zwischen Frankreich und den Staaten des 
Landgrafen von Hessen-Kassel auf dem Fuße 
wieder hergestellt werden, worin sie vor dem 
gegenwärtigen Kriege standen. 
Art. 7. 
Den Regierungen und Individuen beider 
Nationen wird die Aufhebung des Beschlages 
bewilligt, der auf Effekten, Einkünfte oder Güter,
	        

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