Full text: Hessenland (7.1893)

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als Fähnrich in den meisten Schlachten 
und Gefechten des siebenjährigen Krieges, 
an denen Hessen betheiligt waren, mitge 
kämpft, in Amerika hat er sich als Kapitain 
in dem Jägerkorps reiche Lorbeeren verdient. 
Und wenn er später in Folge Zurücksetzung sich 
genöthigt sah, aus dem hessischen Kriegsdienste 
auszuscheiden und in den dänischen überzutreten, 
in welchem er es zu hohen Ehren bringen sollte, 
ist ihm doch sein altes Hnmathland Hessen stets 
theuer geblieben und nur mit schwerem Herzen 
erfüllte er, im Hinblicke auf das traurige Schicksal 
seiner Heimath während der französischen Fremd 
herrschaft, die ihm gewordene Aufgabe, gegen 
Schill und den Herzog von Braunschweig kämpfen 
zu müssen. Doch nicht Ewald's Thätigkeit als 
dänischer General soll den Gegenstand unseres 
Artikels bilden, wir wollen uns hier nur mit 
seinen Leistungen im hessischen Dienste beschäftigen, 
und diese sind vollauf genug, um ihm unum 
wunden die allgemeine Anerkennung zu sichern. 
Es geht ein eigener Zug durch sein Leben, der 
ungemein sympathisch berührt, und dem auch fast 
alle Militärschriftsteller jener Zeit beredten Aus 
druck gegeben haben. Achtzig Jahre sind seit 
seinem Tode verflossen, — er starb am 25. Juni 
1813 auf einem Landgute bei Kiel — aber 
sein Name ist auch bei uns in Hessen noch in 
gutem Andenken, und vor noch nicht zwei Jahren 
hat unser beliebter Schriftsteller Franz Trcller 
in seinem trefflichen Werke „Vergessene Helden" 
noch den Thaten Ewald's in Amerika in wür 
digster Weise eine schöne Erinnerung gewidmet. 
Johann Ewald war am 30. März 1744 
zu Kassel als Sohn des Rechnungsführers bei 
dem Oberpostamte Georg Heinrich Ewald und 
dessen Gattin Katharine Elisabeth, geb. Breit 
haupt, geboren. Früh verlor er seine Eltern 
und seine Erziehung übernahm nach dem Tode 
derselben seine Großmutter, die einen sehr heil 
samen Einfluß auf ihn ausübte und deren An 
denken ihm zeitlebens theuer war. Seine un- 
bezwingliche Neigung zum Soldatenstande er 
wachte schon in seiner frühesten Jugend und 
wurde genährt durch die kriegerischen Ereignisse, 
deren Schauplatz Hessen bald nach dem Aus 
bruch des siebenjährigen Krieges wurde. Am 
24. Juni 1760 trat er als Kadet in das hessische 
Infanterie-Regiment von Gilsa ein. Das 
Regiment nahm in diesem Jahre an den Aktionen 
von Korbach, Volkmarsen. Warburg rc. Theil 
und stieß im Februar 1761 zu dem von dem 
Grafen von Bückeburg befehligten Korps, welches 
die von den Franzosen besetzte Hauptstadt Hessens 
belagerte. Bei einem Ausfalle der Franzosen 
wurde Ewald durch eine Musketenkugel am 
rechten Beine oberhalb des Kniees verwundet. 
Unter vielen Beschwerden wurde er mit den 
anderen Verwundeten nach Ihringshausen, von 
da nach Höxter und schließlich nach Oldendorf 
gebracht, wo sich das große hessische Militär- 
Hospital befand. Hier wurde ihm die trefflichste 
Pflege zu Theil und gänzlich hergestellt traf er 
am 3. Juni 1761 wieder bei seinem Regimenté 
ein, das damals in der Gegend von Paderborn 
kantonnirte. Am 16. Juni wurde er in Be 
lohnung seines guten Benehmens zum Fähnrich 
ernannt. In demselben Jahre wohnte Ewald 
noch den Affairen von Unna, Billingshausen, 
Kloster Bredelar, Höxter k. bei, sowie 1762 
der Schlacht von Wilhelmsthal, dem Anfange 
der Belagerung von Kassel, und dem Gefechte 
bei der Brücker Mühle, womit der siebenjährige 
Krieg sein Ende fand. Nach dem Frieden erhielt 
das Regiment Gilsa die Festung Ziegenhain zur 
Garnison. Als Ewald 1764 einige Zeit auf 
Urlaub in Kassel sich befand, hatte er das Glück 
durch seinen militärischen Anstand und durch seine 
Gewandtheit die Aufmerksamkeit des General 
adjutanten von Jungheim zu erregen und die 
Folge davon war, daß er am 30. Mai 1765 
zum 3. Bataillon Garde versetzt wurde. Im 
Jahre 1766 wurde er zum Sekondelieutenant 
befördert. „Den Fähnrichtitel gegen den eines 
Lieutenants zu vertauschen", äußerte sich später 
Ewald, „ist für einen jungen und stolzen Offizier 
keine Kleinigkeit; die ganze Welt war mein in 
diesem Augenblicke". 
Im Jahre 1769 verordnete Landgraf Friedrich II., 
daß fernerhin das Offizierkorps der Garde nur 
aus Adeligen bestehen sollte. Ewald wurde in 
Folge dessen zum Leibregimente versetzt. Da 
sollte ihm in der Nacht vom 20. auf den 
21. Februar 1770 ein schweres Mißgeschick be 
gegnen, das er selbst in seinen hinterlassenen 
Papieren mit folgenden Worten erzählt: 
»Fröhlich und vergnügt betrat ich mit einigen 
Freunden den Gasthof zum Hof von England 
genannt. Wir speisten fröhlich zu Abend; aber 
ach! der edle Rebensaft brachte unser Blut in 
Wallung; wir geriethen in Wortwechsel, und 
ich schlug mich mit einem meiner Freunde im 
Dunkeln vor der Thüre. Ich wurde tödtlich 
verwundet und verlor das linke Auge. Kaum 
hatte der Schlag getroffen, so kamen wir 
sämmtlich wieder zur Besinnung; ich schwamm 
im Blute und meine Freunde vergossen Thränen. 
Aerzte und Chirurgen wurden zu Hülfe gerufen 
und man trug mich in meine Wohnung. Elf 
Tage stand mein Leben in Gefahr; ich mußte 
drei der schmerzhaftesten Operationen aushalten 
und meine Stube dreizehn Monate hüten. Diese 
Kur kostete eine bedeutende Summe Geldes, 
doch muß ich gestehen, daß der, welcher das
	        

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