Full text: Hessenland (7.1893)

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den sie zum Schöpffen Stuhl gethan haben, dem 
gemeinen Mann aufs den Eyd, den er seinem rechten 
Erb-Herrn gethan hat, und aufs die Trew und Pflicht, 
die er Weib und Kindern zu thun schuldig ist, der 
Wittibin auf jhr Wittibliche Ehr, der Jungfrawen 
auff jhr Jungsrüwliche Ehr, daß ein jedes allhie 
wolle rügen was rugbar sey, und hieher gehöret, ein 
Wahrheit für ein Wahrheit, ein Leumuth für ein 
Leumuth, ein Hörsagen für ein Hörsagen, und soll 
niemand unterlassen weder umb Gisst, Gaab, Ge- 
schencke, Nutz, Forcht, Haß, Freundschafft, Feind 
schafft rc. oder vmb keiner Vrsachen willen, sondern 
wie ein jeder solches am Jüngsten Tag vor dem 
Richterstuhl Christi zu verantworten gedencket. 
X. Zum zehenden wird gefragt. 
Ob die Rüg geben sey, daß sie Krafft und Macht 
habe, und zum Rechten beständig sey? 
Antwort. 
Ja sie sey zum Rechten beständig genug, vnd habe 
wol Macht, sofern man ihr nachkomme, wie von 
Alters bräuchlich und Herkommen. 
Ende dieser Anweisung." 
A. Schwank. 
Aus Heimath und Fremde. 
In der Monatsversammlung des Ver 
eins für hessische Geschichte und Landes 
kunde vom 24. April führte cm Stelle des ver 
hinderten Herrn Bibliothekars Di*. Brunner 
Herr Landesrath Dr. Knorz den Vorsitz. Nach 
Erledigung des geschäftlichen Theils hielt Herr Dr. 
Hermann ®ternär den angekündigten Vortrag 
über »Leben und Wirken des hessischen Schriftstellers 
der Reformationszeit Hans Wilhelm Kirchhof" 
in Fortsetzung seiner bereits am 25. April vorigen 
Jahres im hessischen Geschichtsverein zu Kassel 
gehaltenen Vortrags über den nämlichen Gegenstand. 
Wie damals so wu'de auch diesmal dem Redner 
für dessen gediegenen, fesselnden Ausführungen lebhafter 
Beifall zu Theil, und der Vorsitzende widmete Herrn 
Dr. Diemar warme Worte des Dankes und der 
Anerkennung für die Entrollung des hochinteressanten 
Lebensbildes unseres hessischen Landsmannes H. W. 
Kirchhof. 
So eben erschien im Kommissions-Verlage von 
F. Wilisch's Buchhandlung (M. Westphal) zu 
Schmalkalden als elftes Heft der Zeitschrift des 
Vereins für Hennebergische Geschichte und Landes 
kunde der G e sch ichts ka le n de r d er H errsch aft 
Schmalkalden. Dem Kalender selbst gehen 
Vereinsnachrichten voraus, welchen wir entnehmen, daß 
der Verein zur Zeit 6 Ehrenmitglieder, 81 in Schmal 
kalden wohnhafte und 27 auswärtige Mitglieder 
zählt. Der Vorstand besteht aus den Herren 
Apotheker R. Matthias, Vorsitzender; Forstmeister 
Baustädt, stellvertretender Vorsitzender; Postsekretär 
I. Völker, Schriftführer, und Rentier E. Chr. Wolf, 
Kassierer. Man muß dem »Geschichtskalender" nach 
rühmen, daß er mit großem Fleiße ausgearbeitet ist, 
und daß man sich mit Hülfe des Inhaltsverzeichnisses 
leicht in dem Merkchen orientiren kann. Den Schluß 
bildet eine chronologische Uebersicht der » großen Tage von 
Schmalkalden", wie es daselbst heißt, vom 7. Februar 
bis 6. März 1537, während welcher Zeit von den 
nach Schmalkalden berufenen evangelischen Fürsten 
und Ständen die »Schmalkaldischen Artikel" vereinbart 
wurden. 
Am 3. und 4. Mai feiert die Realschule zu 
Kassel, die mit dem Beginn dieses Semesters zu 
einer O b errealschule erhoben worden ist, ihr 
fünfzigjähriges Jubiläum. Dem Festprogramm zu 
folge findet am Mittwoch den 3 Mai eine Vor 
feier, bestehend in einer musikalisch-dramatischen 
Abendunterhaltung, und am Donnerstag den 4. Mai 
Vormittags die Schulfeier, Nachmittags ein Festessen 
und Abends ein Kommers statt Die gesammte 
Feier wird im Stadtpark abgehalten. Die Theilltahme 
an der Gedenkfeier dieser Schule, die innigst mit 
der Kasseler Bürgerschaft verwachsen ist, verspricht 
eine sehr lebhafte zu werden. — Mit dem dies 
jährigen Osterprogramm der Realschule war eine 
statistische Rückschau auf 100 Semester dieser Anstalt, 
von dem Direktor der letzteren, Herrn Dr. Karl 
Ackermann verfaßt, verbunden, welche in alpha 
betischer Reihenfolge die Lebensskizzen der sämmtlichen 
Lehrer, die seit Ostern 1843 an ihr gewirkt haben, 
enthält. An das Lehrerverzeichniß schließen sich 
Uebersichten über die den Jahresprogrammen bet* 
gegebenen Abhandlungen und die bei öffentlichen 
Schulfeiern gehaltenen Reden an. Es folgen dann 
Tabellen über die Schülerfrequenz der einzelnen 
Klassen, eine graphische Darstellung der Gesammt- 
frequenz und das Verzeichniß der Abiturienten. 
Wir entnehmen der interessanten übersichtlichen Denk 
schrift, daß die Zahl der Lehrer, die von der Er 
öffnung der Realschule am 4. Mai 1843 bis zu 
Ostern 1893 an derselben gewirkt, 132, und die 
Zahl der Abiturienten während dem Zeitraum 735 
beträgt. 
Universitätsnachrichten. An Stelle des 
Professors Dr. Max Lehmann, der wie s. Z. ge 
meldet, dem an ihm ergangenen ehrenvollen Rufe an die 
Universität Leipzig Folge geleistet hat, ist der außer 
ordentliche Professor Dr. A l b e r t N a u d e in Berlin 
zum ordentlichen Professor der Geschichte an der Uni 
versität Marburg ernannt worden. — Der 
Lektor der französischen Sprache an dem romanisch 
englischen Seminar der Universität Marburg
	        

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