Full text: Hessenland (7.1893)

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Geschichte der WorzellaLnsabrik in Heu-Kanau. 
Von Professor E. A. v. Drach. 
(Fortsetzung.) 
s ie Bally'sche Wittib genoß das Pri 
vilegium nicht sehr lange, da sie im 
Jahre 1693 verstarb; dies geht hervor 
aus der oben schon angegebenen Eingabe, ver 
mittelst deren im Jahre 1694 „Daniel Be 
hage! Handelßmann in Frankfurt vnd Johanna 
Jacobs van der Walle seel. wittib") ge- 
bohrne Simons von Alphen" beim Grafen 
Philipp Reinhart «pro gratiosissima con 
firmatione et extensione des über die xareellan 
Backung vnd Handlung vormahlen ertheilten 
herrschaftlichen privilegii- nachzusuchen. Es heißt 
bartrt : 15 ) 
„Nachdem nun nach absterben der Balyschen 
Wittibe die Erben die Compagnie mit Uns fort 
zuführen vermeinet, wir aber an ihrer geführten 
aciministration kein genügen gehabt, und dabey 
wahrgenommen^ daß sich einiger Verlust bey dieser 
Handlung hervor gethan und das werck sich an 
sehen laßen, alß ob es gar ins stocken kommen 
und zu grundte gehen wollte, wir aber alß fun- 
datores desselben in consideration, daß wir dies 
werck mit großer müh und vielen Kosten in per- 
fection gebracht, solches nicht zugeben können; j 
Alß haben wir, ohnerachtet wir an die Balysche 
Erben ein merckliches hätten zu praetendiren 
gehabt, auf interprosition fürnehmer Herrn vndt 
freundten, sich mit ihnen in einen aeoorä ein 
gelassen, und ihnen eine nahmhafte Summa für 
ihren gäntzlichen abstandt zu geben, Sie aber die 
gantze Backung und Handlung Uns abzutretten 
Vndt das noch wenig Jahr währende privilegium 
zu oediren versprochen. 
i«) Es ist uns nicht gelungen, den Todestag des Jacob 
van der Walle festzustellen. Die Verheirathung mit 
Johanna, einer Tochter des Hieronymus Simons 
van Alphen fand am 26. April 1655 zu Hanau statt; 
am 24. April des folgenden Jahres lassen die jungen Ehe 
leute zu Hanau einen Sohn taufen, der nach dem Groß 
vater Wilhelm genannt wurde und wozu ein Pieter 
van der Walle Gevatter stand. Später verzogen sie nach 
Frankfurt a. M. 
>5) In unmittelbarem Anschluß an den oben abgedruckten 
Eingang des Gesuchs. 
Dieweilen nun, gnädiger Grast vndt Herr! 
wir vorerwehntermaßen bey diesen gefährlichen 
Kriegszeiten eine considerable Suramam gelbes 
an die Balysche Erben nicht nur Zahlen, sondern 
auch alle zu diesen kabrigue nöthige materi theuer 
einkauffen müßen, daß wir unsere Unkosten fast 
nicht wieder darauß ziehen können, gleichwohl aber 
diese schöne nnd nützliche t'abrigue theils umb 
ihrer selbsten, theils aber vieler armen leuthen 
willen, die sich bishero davon genehrt, Vndt noch 
nehren müßen, nicht abandonniren wollen, Alß 
gelanget hiermit an Euer hochgräffl. Gnd. unsere 
unterthänigste öthdemüthigste und höchst flehent 
liche Bitte, dieselbe wollen gdgst. geruhen, Uns 
die hochgräffl. milde und gnade widerfahren zu 
laßen, Vndt daß anst die Balysche Wittib und 
Erben ertheilte Vndt uns credirte hohe herschafft- 
liche privilegium über die porcellan Backung 
und Handlung nicht nur gndst. zu confirmiren 
vndt zu bekrüfftigen, sondern auch selbiges auf 
fünfzehn Jahren gdst. zu prolongiren und zu 
erstrecken." 
Laut „Extract hochgräfl. Hanauischen Re- 
gierungs-Lrotocolli vom 23. Jan. 1694" haben 
daraufhin „Jhro Hochgräfl. Gn. Daniel Behageln 
und der Van der Wallischen Wittib zu Franck- 
furth das Urivilegium wegen der korcettain 
Backung allhier auf 10 Jahr extendirt." Der 
neue Freiheitsbrief ist vom 11. Jan. 1694 und 
unterscheidet sich von dem frühern dadurch, daß 
sub 3) bestimmt wird, die Gräfl. Renth-Cammer 
möge den Beständern Erde und Salz gegen Er 
stattung billigen Werths überlaßen und sie vor 
andern damit befördern; dann heißt es weiter: 
„Vndt ob Sie wohl 4) Zur Erlangung der Erden, 
bereits vor diesem Einigen Platz Vnseren Vnder- 
thanen zu Bischofs heim") käufflichen an sich 
bracht, Sollen vndt wollen Sie Vnß dennoch da- 
^6) In: Engelhard: Erdbeschreibung der hessischen 
Lande kasselischen Antheils rc. steht im 2. Theil S. 773 bei 
der Besprechung des Dorfes Bischofs he im: „Auch wird 
die zur Hanauischen Porcellainfabrik erforderliche Erde oder 
Lettich hier gegraben."
	        

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