Full text: Hessenland (6.1892)

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Aus Heimath und Fremde. 
Zur Feier des hundertjährigen Gedenk- 
tages der Erstürmung Frankfurts durch 
die Hessen haben in Kassel, Marburg und 
Frankfurt besondere Feierlichkeiten stattgefunden. 
In Kassel hatte der Verein für hessische 
Geschichte und Landeskunde am 2- Dezember 
im Gasthofe zum Ritter ein Festmahl veranstaltet, 
das sich einer zahlreichen Theilnahme von Mit 
gliedern und Gästen erfreute. Ueber den Verlauf 
dieser Feier berichtet die „Kasseler Allgem. Zeitung" 
Der erste Vorsitzende des Vereins, Bibliothekar 
Dr. Brunner, eröffnete die Reihe der Tischreden 
mit einer zündenden Ansprache, in welcher er die 
Bedeutung des 2. Dezembers für die hessische Kriegs 
geschichte darlegte. Nicht nur vor hundert, sondern 
auch vor nunmehr zwanzig Jahren leisteten die hes 
sischen Truppen gerade an diesem Tage Hervor 
ragendes. Wie dereinst vor Frankfurt den Kurhessen, 
so gebührte neuerdings in dem Gefechte bei Poupry 
den Truppen der 22. Division, die bei den Franzosen 
nur die hessische hieß und als solche besonders ge 
fürchtet wurde, der Hauptantheil an dem Erfolge des 
siegreichen Ausganges. Der Redner schloß mit 
einem Hoch auf Se. Majestät Kaiser Wilhelm II., 
in welches die Versammlung begeistert einstimmte. 
Dr. Scherer feierte den anwesenden Dr. Schwarz 
kopf, welcher sich durch seinen Vortrag im Ge 
schichtsverein abermals als bewährtester Kenner 
unserer hessischen Kriegsgeschichte gezeigt habe, worauf 
der Gefeierte in launiger Rede antwortete. Pfarrer 
W i s s e m a n n brachte dem Geschichtsverein ein 
Hoch, Dr. Brunner den erschienenen Offizieren, 
in deren Namen Oberst z. D. Becker dankte. 
Kanzleirath a. D. Gönn ermann gedachte in ge 
bundener Rede der Bedeutung des Tages. Es 
herrschte bei dem Festmahl die gehobenste Stimmung 
vom Anfange bis zum Schluffe nnd erst in später 
Stunde trennte man sich. — 
An der Erstürmung Frankfurts am 2. Dezember 
1792 hatten die hessischen Husaren rühm 
lichen Antheil. Zur Erinnerung an diese Kriegs 
that des Stamm-Regiments fand für das in Kassel 
garnisonnirende 2. hessische Husaren-Regiment Nr. 14, 
Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg, eine 
militärische Feier statt. Das Regiment rückte im 
Paradeanzug mit Mänteln nach dem großen Forste, 
wo Regiments-Appell stattfand und der Konunandeur, 
Oberstlieutenant von Werthern, eine der Bedeutung 
des Tages gewidmete Ansprache hielt, die mit einem 
Hoch auf den obersten Kriegsherrn, Se. Majestät 
den Kaiser, schloß. 
Auch darf nicht unterlassen werden, zu erwähnen, 
daß bei dem Festmahle, welches der z. Z. tagende 
hessische Kommunal - Landtag dem Oberprüsidenten 
Magdeburg im Hotel Schirmer am 2. Dezember zu 
Ehren gab, der k o m m a n d i r e n d e General 
des XI. Armee-Korps von W i t t i ch an die 
historische Bedeutung des Tages, an welchem vor 
hundert Jahren die Hessen Frankfurt im Sturme 
den Franzosen entrissen, erinnerte und die glänzenden 
Waffenthaten ler hessischen Truppen in alter und 
neuer Zeit hervorhob. — 
In Marburg hatte am 2. Dezember der 
Hessische G e s ch i ch t s v e r e i n gleichfalls zu 
Ehren des Gedenktages eine besondere Feier ver 
anstaltet, bei welcher Oberst a. D. I. Nebelthau 
die Festrede hielt. In eingehender, fesselnder Weise 
schilderte er die ruhmreiche Waffenthat der Hessen 
und schloß, nachdem er der Ehren gedacht hatte, die 
Napoleon nach der Schlacht bei Hanau, als er in 
Frankfurt beim Bankier Bethmann abgestiegen war, dem 
am Friedberger Thor errichteten Hessendenkmale erweisen 
ließ, mit den Worten: „So ehrte der Todfeind 
unseres Volkes den Rührn unserer Voreltern. Uns 
aber ist es Pflicht, ihrer Großthaten eingedenk zu 
sein und dieser Pflicht war die eben verflossene 
Stunde gewidmet. Möge es nicht die letzte sein." — 
In Frankfurt a/M. war, wie bereits mit 
getheilt , die hundertjährige Gedenkfeier 
für die am 2. Dezember 1792 bei der Erstürmung 
Frankfurts gefallenen hessischen Offiziere und Sol 
daten am Hessendenkmale vor dem Fried 
berger Thore von dem ,Verein der Kurhessen" 
veranstaltet. Sie blieb in den Grenzen einer speziellen 
Vereinsfeierlichkeit; militärische, staatliche und städtische 
Behörden waren dabei nicht vertreten. An dem 
Haupttage, dem 2. Dezember, Vormittags 11 Uhr 
rückten die Festtheilnehmer, bestehend aus den Mit 
gliedern des Vereins der Kurhessen und verschiedenen 
Gesangvereinen aus Frankfurt und der Umgegend, 
sowie den Deputationen der Studentenverbindung 
Hassia in Marburg und andere Vereine, unter Vor- 
antritt der Kapelle des 1. Hessischen Infanterie- 
Regiments Nr. 81, vom Scheffeleck, dem Sammel 
plätze, heran und nahmen im Halbkreis vor der 
westlichen Seite des Denkmals Aufstellung. Die 
Sänger eröffneten die Feier mit dem Chor: „Dir 
möcht' ich meine Lieder weihen", worauf der Vor 
sitzende des Kurhessen-Vereins, Georg Sprenger, 
die Festrede hielt, die mit einem Hoch auf den 
deutschen Kaiser schloß. Hierauf betrat Bauinspektor 
Rügemer die Rednertribüne, um namens des 
Frankfurter Magistrats ein Schreiben zu verlesen, 
welches der Oberbürgermeister der Stadt Kassel nebst 
einem für das Denkmal bestimmten Lorbeerkranz ge 
sandt hatte. Es wird darin der Befriedigung Aus 
druck gegeben, daß die Stadt Frankfurt die befreiende 
That der hessischen Soldaten in so freundlichem, 
nachhaltigem Andenken trage. Mit der Absingung 
des Chorals„Nun danket alle Gott", war der 
Festakt beendigt, dem ein nach Tausenden zählendes 
Publikum beiwohnte. Außer der Stadt Kassel hat
	        

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