Volltext: Hessenland (6.1892)

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ist bekanntlich, solange König Gustav Adolf 
lebte, die Kriegszucht eine musterhafte gewesen, 
nach seinem Tode (1634) aber ist dieser Ruhm 
allmälig in Schatten gestellt worden, und so 
steht auch ihr Auftreten im Jahre 1635 in der 
mit Schweden verbündeten Landgrafschaft Hessen- 
Kassel, — Wilhelm V. war bekanntlich der erste 
deutsche Fürst, welcher sich an Gustav Adolf bei 
dessen Landung auf deutschem Boden anschloß —, 
und insbesondere in Hofgeismar in keinem guten 
Angedenken. In Folge des von da an wechseln 
den Kriegsglücks waren von beiden Theilen Be 
drückungen, Plünderungen und Unbilden aller 
Art auszuhalten. Die von einer kaiserlichen 
Truppenmacht versuchte Erstürmung der Stadt 
Hofgeismar wurde durch den heldenmüthigen 
Widerstand der darin gelegenen kleinen hessischen 
Garnison unter Führung des Rittmeisters Hans 
Ellenbogen, unterstützt von der tapferen Be 
völkerung, vereitelt (31. August 1637), ein in 
der Geschichte von Hofgeismar ruhmgekrönter 
Tag. 
Leider wurde einige Jahre später nicht der 
gleiche Widerstand entgegengesetzt, vielmehr die 
Stadt von der Einwohnerschaft verlassen und 
einer vollständigen Plünderung preisgegeben, bei 
der auch viele werthvolle Urkunden, namentlich 
die Statuten der Kaufmannschaft, zu Grunde 
gingen (1642), und auch aus der späteren Zeit 
(1647) ist eine Brandschatzung zu verzeichnen"); 
indessen konnten sich die kaiserlichen Truppen 
auf die Dauer nicht in Hessen halten. 
Der auf den westfälischen Frieden (1648) 
folgende Zeitraum war für Stadt und Kreis 
Hofgeismar ein gesegneter insofern, als in ihm 
so viele um ihres Glaubens willen aus Frankreich 
vertriebenen Bewohner in den Nachbarländern, 
darunter Hessen, freundliche Aufnahme fanden 
und durch ihre arbeitssame Thätigkeit Handel 
und Gewerbe, welche lange darnieder gelegen, 
wieder zur Blüthe brachten. Um Hofgeismar 
herum entstanden damals, von 1686 an, unter 
der Regierung der Landgrafen Karl und Friedrich I. 
die Kolonien Kelse (an Stelle der bisherigen 
Wüstungen gleichen Namens), Karlsdorf, Marien 
dorf, Schöneberg am Ostabhange des Schönebergs. 
Neue Drangsale hatte Hofgeismar nebst Um 
gegend im siebenjährigen Kriege zu erdulden, * * * * 
46) Dieselbe muß sehr stark gewesen sein, vgl. die von 
Falckenheiner abgedruckte Schilderung eines Zeitgenossen: 
„Anno 1647 vmb Martini bei dem Mäandrischen Kayser 
lichen Durchzug mußte die Stadt Abermahls starcke brand- 
schatzung vndt contribution vff die Kayßerlichen nach 
Stadt Corbach erlegen. Vndt ist also diese Stadt, an 
gebewen sehr verderbt, kaum halb noch in esse. Die 
Bürgerschaft hat sich auch fast verringert, das von 600 
vndt darüber, so bey Friedens Zeiten alhier gewesen, nem- 
lich noch 200 vorhanden." 
da sich dortselbst ein Theil der Kümpfe der Ver 
bündeten Preußens mit Frankreich abspielte. 
Im Jahre 1758 lag wieder eine starke französische 
Besatzung in der Stadt. Der Sieg des Herzogs 
Ferdinand von Braunschweig bei Minden (1759) 
schaffte Ruhe und Sicherheit, jedoch nur vorüber 
gehend. Schon im nächsten Jahre (1760) hatte 
die ganze Gegend durch das erneute Heranrücken 
der französischen Truppen und die damit ver 
bundenen weiteren Kämpfe zu leiden. Erst der 
ruhmvolle Sieg der Verbündeten über die fran 
zösische Armee unter Gras Stainville, welche 
nach hartnäckigem Kamfife das Feld räumte, 
bei Wilhelmsthal (1762) brachte dem Lande die 
ersehnte Ruhe und bald auch Frieden (1763) 
Die an den Krieg gewöhnten Truppen kamen 
nicht sobald zur Ruhe, und namentlich von Hof 
geismar zogen hessische Regimenter aus, um als 
Subsidien - Truppen England beizustehen gegen 
„die Rebellen", d. h. die Kolonien, im nordamerika 
nischen Freiheitskriege. 
Die französische Revolution von 1789 erweckte 
auch in manchen Gegenden Deutschlands, dar 
unter zu Hofgeismar, bei einigen reizbaren Ge 
müthern schwärmerische in Excessen sich kundgebende 
Ideen, jedoch wurden die Aufstände überall ohne 
Gefahr für das Ganze unterdrückt. Dagegen 
brachen mit dem Jahre 1806, als der allgewaltige 
Kaiser Napoleon I. das Kurfürstenthum Hessen 
für aufgehoben erklärte, da sich dessen Beherrscher 
ihm nicht unterwerfen wollte, alle Schrecken einer 
feindlichen Besitzergreifung herein. In Hof 
geismar allein zogen 10000 Mann französischer 
Truppen ein, die dort garnisonirenden Dragoner 
wurden entwaffnet, die Offiziere für kriegs 
gefangen erklärt. Bei der bald darauf erfolgen 
den Errichtung des Königreichs Westfalen (1808) 
und Bildung einer westfälischen Armee blieb 
Hofgeismar dauernd Garnison für ein Kavallerie- 
Regiment, namentlich eine Reihe von Jahren für 
das Regiment der Garde-du-Corps, eine Elite- 
Truppe zur Ausbildung der Offiziere. 
Nach Wiederkehr des Kurfürsten kehrten ruhige 
und geordnete Zustände zurück und gaben der 
Stadt, welche übrigens' wieder ein Kavallerie- 
Regiment (1813-1844 Dragoner, 1845-1875 
Husaren, seit 1875 wieder Dragoner; 1839 — 1842 
wurde die neue Kaserne vor dem Kasseler Thor 
erbaut) als Garnison erhielt, Muße, sich von 
den vielen und harten Schicksalsschlägen ver 
flossener Jahrhunderte zu erholen, insbesondere 
an Stelle der niedergebrannten Häuser Neu 
bauten aufzuführen und auch auf den nieder 
gelegten Wallgräben Spaziergänge mit kräftigem 
Baumwuchs, den sogen. Hagen, anzulegen. 
Nach Betrachtung der äußeren Geschichte der 
Stadt Hofgeismar muß noch kurz ein Blick auf
	        

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