Full text: Hessenland (5.1891)

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Er mußte in solchen Zufälligkeiten eine Ver 
höhnung seiner Person erkennen, an einer weiteren 
fixen Idee leiden. — 
Als die Trauerzeit für Fräulein Bender um 
war, wurde sie, ohne daß der Kapitän, der ge 
sellschaftlich nun völlig zurückgezogen lebte, Ein 
wendungen dagegen erhob, von mehreren Offiziers 
familien auf die Kasinobälle geführt und hier 
machte sie die Bekanntschaft des Majors von 
der Garde, des Herrn Don Quixote. Derselbe 
war ein Mann Mitte der Vierzig, mit eleganten 
Manieren, einer ordengeschmückten Brust und 
der Aussicht auf ein schnelles Avancement, da 
er einer der geistvollsten Offiziere unserer kleinen 
Armee war und die Aufmerksamkeit des Fürsten 
auf sich gezogen hatte. Dabei war er jedoch 
intrigant und ein Lebemann erster Sorte. Das 
hübsche Gesicht und das liebenswürdige Wesen 
des jungen Mädchens mochten, eine gewisse An 
ziehungskraft auf ihn ausüben, vielleicht aber 
auch die Aussicht, daß sie, selbst schon vermögend, 
die Erbin des Kapitäns sein würde — kurzum, 
der Major war auf Schritt und Tritt hinter 
ihr her und auch sie schien seiner Bewerbung 
nicht unfreundlich entgegen zu kommen. 
(Schluß folgt.) 
Weihjtted.') 
(Schwälmer Mundart). 
Schloff. Kendche, schloff! 
Mon frieh'^) da stcihjst de off 9 ), 
Da weis ich der die bongte Küh, 
Dos Fellche ö dos weiße Hüh 4 )- 
Die Sonn es schie 
Js Bettche scho gegieh. 5 ) 
Im Himmel wacht dr liewe Gött, 
Dör dich ö see geschafft höt. 
Sü, süssü, sü! 
Nü düh die Ööje 6 ) zü. 
Höst dü die Oöje zügemöcht, 
Da schläffst de gilt die gLnze Rocht. 
Ö kemmt die Sonn 
Mon frieh, meng Schatz, da hon ') 
Ich der de Kassie 8 ) scho gekocht 
Ö Hüsebrodche 9 ) metgebrocht. 
So, sosso, so! 
Da lacht meng Kendche froh 
Ö schlengt die Häng mer ein de Hüls. 
Günüchtmeng Schatz! Gött wäls!") 
Kurt Nuyn. 
>) Wiegenlied, 2 ) morgen frühe, ») stehst du auf, 
4 ) bunte Kuh, das Füllchen und das weiße Huhn, &) ge 
gangen, 6 ) Augen, 7 ) haben, 8 ) Kaffee, Hasenbrot, 
I0 J Hände, >>) gute Nacht, ") Gott walte es! 
Aus Aeimath und Fremde. 
Zweier geschichtlicher Vorträge haben wir 
hier Erwähnung zu thun, die jüngst in Kassel 
gehalten wurden. Am 19. Februar sprach Dr. Karl 
Scherer in der Hauptversammlung des Kasseler 
Zweigvereins des „Allgemeinen deutschen Sprach 
vereins^ Uber den Grafen Ernst von Schliessen. 
Die auf gründlichen Studien beruhenden interessanten 
Ausführungen des Redners über den verdienstvollen 
Krieger und Staatsmann, den eifrigen Förderer von 
Kunst und Wissenschaft, den späteren Einsiedler von 
Windhausen, der zu den ältesten Vertretern der 
Sprachreinigungs-Bestrebungen gehörte, wurden mit 
lebhaftem Beifalle aufgenommen. — Am 23. Februar 
hielt Pfarrer G. W. Wissemann im „Vereine 
für hessische Geschichte und Landeskunde- den an 
gekündigten Vortrag über „die Kunst der Glasmalerei 
mit besonderer Beziehung auf Hessen.- Auch dieser 
Vortrag des als vortrefflicher Redner bekannten 
Herrn Pfarrers fand allgemeinen Beifall. 
Die „Kasseler Allgem. Zeitung- vom 20. Februar 
schreibt: 
„Marburg. Die hiesige Elwert'sche Buchhand 
lung erwarb in den letzten Tagen in Amsterdam 
eine alte Handzeichnung von Marburg von P. von 
Liander, welche eine besondere Beachtung verdient. 
Dieselbe stammt aus der Zeit von 1750. Alle 
älteren Ansichten von Marburg von Dilich, Merian rc. 
sind sämmtlich von SO. aufgenommen, die hier 
erwähnte von NO. Auf dem Schlosse sind die 
Bauten nördlich vom Rittersaal, welche längst ab 
getragen sind, sichtbar. - 
Hieran anschließend, können wir melden, daß in der 
Buchhandlung von Baier u. Co. zu Kassel aus dem 
Nachlasie eines hohen kurhessischen Militärs 24
	        

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