Full text: Hessenland (5.1891)

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Adrian von de Velde bewiesen, welches ich 
gewiß lebenslang erkennen werde, ich kann ver 
sichern, daß ich dieses Gemählde vor eins von 
die schönsten halte, so ich von diesem Meister 
kenne, weilt die Figuren und das Viehwerk, als 
wenn es in amallee gemacht wäre, ist. Ich 
danke desfats unterthänigst vor die hohe Gnade, 
und können Ew. Hochsürstl. Durchs versichert 
sein, daß ich mich noch mehr befleißen werde, 
mich solcher immer würdiger zu machen. Was 
unsern Gonsales betrifft, so sei» die Wurm- 
schneider*) nicht einig darüber, ob es vom 
Selben seh, weill einer mit Gewalt ein Mieris 
daraus machen will; mir ist es gleich viel, ich 
finde es artig, und scheint, wo der Nahme nach 
dem darauf gesetzt worden, derselbe die Bücher 
nicht muß gelesen haben, sonst hätte er ihn leicht 
20 Jahr älter machen können. Ew. Hochsürstl. 
Durch!, nehmen nicht ungnädig, daß ich den 
Hellmont wieder zurück sende; verdient er kein 
Platz im Fürst!. Cabinet, so ist er doch werth, 
daß er in ein ander Zimmer hangt. DaS ist 
gantz gewiß, daß er cs hier gemahlt hat. Ew. 
Hochsürstl. Dnrchl. wollen meinen Worten nicht 
glauben, daß ich sobald als möglich suchen werde, 
die Gnade zu haben unterthänigst aufzuwartten; 
sollten aber Ew. Hockfürstl. Durch!, daran 
zweiffeln, so werde die Unterschriebenen der 
8anetio Pragmatica darumb ersuchen, Bürge 
vor mich zu werden. Ich muß nochmal wieder 
anfangen von der Liebhaberch was zu melden, 
so die Augenlust betrifft; ist stehe im Handel 
über ein Gemählde, so ein Küchenstück, ans Hvltz 
geschildert und vermuthlich 100 Jahr alt ist, es 
ist ein halber großer Küß, ctzliche Stücke Schinken, 
Brod und mchreres Essen darauff, ich muß be 
kennen, daß ich in der Arth niemahls etwas 
schöneres gesehen habe, ich hätte große Lust, es 
Ew. Hochsürstl. Durch!, zu senden, wenn Sie 
cs beliebten zu sehen. Der Nahme so darauff 
stehet ist V. E. 8. Ich kann aber nicht aus 
finden, ob ich gleich alle Bücher durchgesucht, ich 
bin mit ausrichtigem Hertzen bis an das Ende 
meines Lebens 
Ew. Hochsürstl. Durch!. 
treuester Knecht 
Frankfurt v. Häckel. 
d. 27. jan. 1784 
Von der hierauf erfolgten Antwort des Land 
grafen (d. d. 30. Jan. 48) ist nur Anfang und 
Schluß hier wiederzugeben, ersterer, weil er von 
den Gemälden handelt, letzterer, als von dem 
herzlichen Verhältniß der beiden Freunde Zeug 
niß gebend. Sie lauten: 
*) Diese aus der thierärztliche» Praxis enlnominene 
Benennung gebraucht Häckel öfter für die über ein Bild 
uneinigen Kritiker und Kunstgclehrten. 
Beyde seine Schreiben vom 23. und 27. dieses 
habe erhalten, und erfreut mich sehr, daß das 
kleine Stück Ihm gefallen, wodurch mein ganzer 
Wunsch dabey erfüllet ist. 
• So uuhösflich bin ich nicht, daß mir das von 
j Helmond nicht aufdringen lassen sollte, und 
j wird diese piece gewiß nicht den schlechtesten 
> Platz erhalten, sowohl wegen seiner Schönheit, 
z als insbesondere, weil es von Ihm herkamt, und 
Ich es daher noch mehr in Ehren halten werde. 
Ich bin meinem lieben Baron Häckel davor 
sehr verbunden und, da dieser Helmond bey 
der neulichcn Schildercyen Geburth ohne Zweiffel 
den impregneur abgegeben, so hoffe noch mehr 
gute Kinder von ihm zu ziehen, worvon dem 
zweyten Eigenthümer der Zehcnde der Billigkeit 
nach gebühret; mit dem Küchengemühldc, an 
I dessen Schönheit zwar nicht zweyffl'e, will Ihn 
nicht bemühen, denn Ich muß sagen, daß solches 
j nie meine Liebhabereien gewesen und es dero- 
j wegen in gewissem Maße nicht bey mir an- 
, gewendet ist 
i ... Uebrigens halte Ihn nochmahls beym 
i wort, daß Er uns bald dahier besuchen will. 
! Es würde mir aber dessen Erfüllung zu lang 
! fallen, wann vorher so viele Bürgschaften darzu 
j gebraucht werden sollen: die Sache wird am 
i besten entschieden, wenn Er sich selbst auf den 
j Weg und seine parole wahr macht. Ich rechne 
! darauf zuverlässig und daß mit nächstem münd 
lich werde wiederholen können, wie aufrichtig 
und beständig ich beharre k. 
Am 3. Februar erfolgte ein weiterer Brief 
des Landgrafen nachstehenden Inhalts: 
Mit letzterer fahrenden Post ist das mir von 
demselben zugedachte schöne Stück von Helmonds 
ganz wohl überkommen und Ich kann nicht um 
hin, Demselben davon nochmals meine Dank 
sagung zu erstatten mit der gewissen Versicherung, 
daß Ich dieses Andenken von Ihm mit aller 
Sorgfalt eonserviren werde. *) 
Das Stück Von Gonzales hat Freese wieder 
recht gut ausgebessert, daß man von dem Sprung 
wenig mehr wahrnimmt.**) Ich habe es nun 
nochmahls genau exarniniret und finde daran 
je mehr und mehr eine sehr artige piece. Was 
aber meine Gedanken von dem eigentlichen 
*) Im gedruckten Galerie-Katalog von 1783 findet 
sich das Bild auf S. 22 verzeichnet, wie folgt: 
Kr. 73. Matthäus van Hellmont. 
Eine Niederländische Bauren - Stube, worinnen eine 
Frauensperson nebst einigen Bauren. — Auf Leinwand, 
1 Fus; 6'/z Zoll hoch; 1 Fuß 11 Zoll breit. 
Unter Jerome ist das Gemälde verschwunden. 
**) Nach der kürzlich von Hrn. Konservator Aloys 
Hauser aus München vorgenommenen Restauration ist 
dieser im Lauf der Zeit wieder zum Vorschein gekommene 
; Sprung kaum mehr bemerkbar.
        

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