Full text: Hessenland (4.1890)

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wenig ein gutes Glas Wein und führte über 
haupt in Trenton ein ziemlich vergnügtes 
Leben, aus dem er später sp unangenehm auf 
geschreckt werden sollte. 
Unter seinen Untergebenen waren wohl viele 
einsichtige Männer, die ihm sein unbesonnenes 
Benehmen vorwarfen und ihm Vorstellungen 
betreffs weiterer Sicherheitsmaßregeln machten. 
Sie wurden aber alle meist in derber, über 
müthiger Weise zurückgewiesen. Major von 
Dechow, ein im Dienste ergrauter Offizier, 
schlug vor, die Regimentsgeschütze, welche zweck 
los vor dem Quartier des Obersten standen, 
durch eine Schanze vor einem etwaigen feind 
lichen Angriff zu sichern, sein Rath würde aber 
von dem Obersten zurückgewiesen. „Laßt sie 
nur kommen, die Rebellen!" war seine Antwort. 
„Was Schanze! Mit den Bajonett wollen wir 
sie zurückwerfen". In ähnlicher Weise lehnte 
er alle anderen Vorschläge ab. Einer seiner 
Offiziere schreibt über ihn: „Er glaubte, daß 
der Name „„Rall"" furchtbarer und schrecken 
erregender sei als alle Werke Vaubans und 
Coehorns, und daß kein Rebell wagen würde, 
sich ihm entgegen zu stellen ... Bei ihm geschah 
Alles leichtsinnig und ohne Vorsicht". 
Die Sorglosigkeit des Obersten ist ' um so 
unbegreiflicher und tadelnswerther, als schon die 
Leute im Orte von einem beabsichtigten Ueber- 
fall der Amerikaner zu reden begannen. Ja 
sogar ein amerikanischer Ueberläufer sagte aus: 
Washington werde den Fluß überschreiten und 
Trenton angreifen. Am Christsonnabend ließ 
sich ein Trentoner Bürger namens Wahl bei 
Rall melden und theilte ihm mit aller 
Bestimmtheit mit, daß in der Nacht ein Hand 
streich gegen die Hessen im Werke sei. Me 
diese Warnungen wurden vom Obersten nicht 
beachtet oder sogar mit Verachtung und Hohn 
zurückgewiesen. Erst als Oberst von Donop 
ihn von Burlington ans dringend ersuchte, 
Schanzen auszuwerfen und Patrouillen gehen 
zu lassen, ließ er sich bestimmen, am 21. Dez. 
eine Rekognoszirung am Ufer des Delaware 
bis nach Francfort hin zu unternehmen. Dieselbe 
blieb jedoch ganz ohne Erfolg. Ebensowenig 
konnte eine zweite 200 Mann starke Patrouille 
unter Major Matthäus am 24. Dezember etwas 
vom Feinde entdecken. Seit dem 23. wurde 
auch tätlich ein Detachement mit 2 Kanonen 
unter einem Stabsoffizier am Südende der 
Stadt postiert. Da die Leute hierzu von den 
Piquets der Nordseite genommen wurden, so 
wurde diese Seite nach Princeton und Bennington 
hin fast ganz von Vertheidigern entblößt. Und 
von hierher sollte gerade später der verhängniß- 
volle Angriff erfolgen! 
(Forts, folgt.) 
Kme Mtungsstuöie. 
Von D. Saul. 
Im ersten Jahrgange dieser Blätter ist ein 
sehr interessanter Aufsatz erschienen, welcher die 
Kasseler Zeitungen im vorigen Jahrhundert be 
handelte. Er zeigte, welche reiche Ausbeute der 
Kulturhistoriker aus der Tagespresse ziehen kann 
und daß es doch nicht nur ein Augenblickswerth 
ist, den sie besitzt. Wenn nun aber auch eine 
Haupt- und Residenzstadt wie Kassel schon im 
vorigen Jahrhunderte Blätter besaß, die, so 
wenig sie unsern heutigen Anforderungen genügen 
würden, doch in gewissem Sinn reichhaltig und 
vielseitig waren, so sah es mit den in den 
kleinen Landstädten erscheinenden Zeitungen, den 
„Jntelligenzblättern", ungemein dürftig aus. 
Ihr Inhalt zerfiel zumeist in zwei Theile, in 
den unterhaltenden und den Anzeigen-Theil; wer 
mehr verlangte, wer insbesondere von den 
Welthändeln etwas wissen wollte, der nmßte 
eine in der Residenz oder der nächsten größern 
Stadt erscheinende Zeitung bestellen. Auf dieser 
niedrigen Stufe verharrte die kleinere Presse im 
Allgemeinen — von einzelnen Ausnahmen ab 
gesehen — bis in die dreißiger Jahre dieses 
Jahrhunderts, wo einerseits die politische 
Gährung, anderseits große technische Erfindungen 
für die gesammte Presse ein neues Zeitalter 
anbahnten. 
Vor mir liegt der Jahrgang des Hersfelder 
Jntelligenzblattes vom Jahre 1832, ein 
sehr mäßiger Band. Das Blatt erschien in 
kleinem Quartformat, vier Seiten stark, einmal 
in der Woche. Wir bemerken, daß das „Hers 
felder Jntelligenzblatt" im Jahre 1763 gegründet 
worden ist, zu jener Zeit also schon das 
ansehnliche Alter von 69 Jahren erreicht hatte. 
Es besteht heute noch-als „Hersfelder Zeitung", 
die dreimal wöchentlich etwa in der vierfachen 
Größe des Jahrganges von 1832 erscheint.
	        

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