Full text: Hessenland (4.1890)

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Und der Bischof und die Priester, von der Menge 
fromm geleitet, 
Hoben ehrfurchtsvoll den Leichnam auf die Bahre, 
schon bereitet, 
Trugen ihn zur Kathedrale mit gemess'nem, ernstem 
Gang; 
Durch die hohen Hallen brauste feierlicher Lobgesang. 
Auf den Knieen lag das gläub'ge Volk in Andachts- 
gluth versunken; 
Leid und Wonne, Dank und Wehmuth sprühte auf 
in lausend Funken; 
Sieh', da nahte durch die Pforten langsam eine ernste 
Schaar: 
Fulda's Mönche, die erles'nen, schritten zu dem Hoch 
altar. 
Bahn bereitend war die Menge achtungsvoll zurück 
getreten : 
„Seht, die Söhne sind gekommen, bei des Vaters 
Staub zu beten!" 
Also flllstert's, während diese niederknie'n am Todten- 
schrein 
Und mit heißen Thränen netzen des Apostels kalt' 
Gebein. 
,Sei gegrüßt, geliebter Meister, Christi Hand, die 
Dich geleitet 
Zu der hohen Himmclsheimath, hat die Krone Dir 
bereitet, 
Eine hehre Marterkrone lieh sie Dir zum ew'gen 
Ruhm, 
Doch der Leib, der sie erstritten, bleibe unser Heilig 
thum". — 
„Hast Du selber doch bestimmt ihn uns zum kost 
baren Vermächtniß! 
Die es anders wenden wollen — ehrten die wohl 
Dein Gedächtniß? 
Nein, nie wäre Deiner Fürsprach würdig, wer mit 
frevler Hand 
Fulda, das erwählte, trennte von dem Stifter, gott- 
gcsandt!" 
Dumpfes Murren in der Menge. Doch die Mönche 
ohne Zagen 
Hoben stark empor die Bahre, heim den theuren 
Schatz zu tragen; 
Und — ein Wunder traun, zu nennen! — Keiner 
bot mehr Widerstand, 
Denn ein hohes Himmelswaltcn ward von Allen da 
erkannt. 
Wie die Stromfluth sich ergießet, zog's durch Wälder 
hin und Auen — 
Welche Schaar von mächt'geu Herren, welch' ein 
Kranz von edlen Frauen! 
Kinder, Greise, Alles folgte; — einem Siegeszuz 
cs glich: 
Wahrlich, den Apostel ehrend, ehrte Deutschland selber 
sich! - 
Und die Glocken klangen wieder voll und mächtig im 
Chorale, 
Bis die Fahrt an's Ziel gekommen in dem buchen 
grünen Thale; 
Dort, wo leis' die Fulda rauschte, lag die Stätte 
gottgeweiht, 
Die als Hort des Christenglaubens war erwählt für 
alle Zeit. 
* * 
* 
Ein Jahrtausend zog vorüber schon der gnadenvollen 
Stelle, 
Doch lebendig unversiegbar strömt die reiche Segens 
quelle, 
Wo die Hirten und die Heerde allzeit fleh'n mit 
frommem Gruß: 
„Bitt' für uns, die wir noch ringen, heil'ger Boni- 
fatius!" 
Und so viel auch der Geschlechter wechselten im Lauf 
der Zeiten — 
Dem Apostel treu und dankbar würd'ge Ehre zu 
bereiten: 
Immer war's des glaubensstarken Volkes freudig 
stolzer Ruhm, 
Immer blieb sein Grab, das hehre, Deutschlands 
Hort und Heiligthum. 
Jüngsthin von den Grabeshütern ging ein Ruf durch 
alle Gauen: 
„Helft die Stätte wieder schmücken, deutsche Männer, 
deutsche Frauen!" 
Die den Ruf Ihr habt vernommen, schließet karg 
nicht Eure Hand — 
Zeigt, daß Dankbarkeit noch heute lebt im deutschen 
Vaterland! 
Fulda. I. Hra«. 
Spälherlrstblatt. 
Noch hatten jüngst die Bäume 
Ihr herbstlich schönes Kleid; 
Sie träumten süße Träume, 
Weil noch der Winter weit. 
Da ist der Sturm gekommen 
In arger Wetternacht 
Und hat mit fortgenommen 
Die bunte Blätterpracht. 
Sie, die der Herbst gewoben 
Im Nebelsonneustrahl, 
In alle Welt zerstoben 
Ist sie mit einem Mal.
	        

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