Volltext: Hessenland (4.1890)

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monatlich 7 Thalern „Gage" und den 2 Thalern, 
welche der Vater nur zuschießen konnte, war 
es auch damals dem Offizier nicht möglich zu 
bestehen. Noch ernster gestaltete sich diese Frage, 
als Bardeleben, nachdem er am 9. September 
1798 zum Sekondlieutenant aufgerückt war, am 
3. März 1799 in das Regiment Garde versetzt 
wurde, dessen Uniform eine reichere, weit kost 
spieligere war. Zu seiner Ausrüstung als Fähn- 
drich hatte ihm der Landgraf, dessen Leibpage 
er gewesen war, 150 Thaler geschenkt, jetzt trat 
ein Glücksfall ein: ein alter Oheim verstarb und 
ein Legat von 200 Thalern wurde aus seiner 
Verlassenschaft dem neuen Gardeoffizier aus 
bezahlt. Er wurde in die Kompagnie eines 
Vetters, Kapitains von Bardeleben, des Sohnes 
jenes Oheims gesetzt und hatte in ihm einen 
gütigen Vorgesetzten. Später wandelte sich der 
Glücksfall zu einer edelmüthigen Handlung um; 
Albrecht erfuhr lange nachher, daß der Vetter 
das Vermächtniß seines Vaters nur vorgeschützt 
hatte um ihn unterstützen zu können, und doch 
lebte der Kapitain selbst in beschränkten Ver 
hältnissen. 
Der Sommer 1799 brachte Kassel den Besuch 
des preußischen Königspaares, welches Landgraf 
Wilhelm auf seiner schönen Wilhelmshöhe in 
dem 1798 vollendeten großartigen Schlosse als 
seine Gäste empfing. Eine Truppenschau mußte 
dem Kriegsherrn des Heeres Friedrichs des 
Großen natürlich vorgeführt werden; alle hessi 
schen Truppen waren bei Kassel zusammengezogen 
worden. Lassen wir unseren jungen Gewährs 
mann berichten: „Der große Tag erschien, wo 
die hessischen Truppen, die sich in allen Welt 
theilen Ruhm erworben, vor einem Könige ihre 
Taktik entfalten und bewundert werden sollten. 
Die wahrhaft schönen Regimenter stellten sich 
auf dem Forste von dem Chausseehaus.bis auf 
den Lindenberg in zwei Treffen auf, Front 
nach der Waldaü. Eine unabsehbare Menge 
wogte auf dem Forste zu Fuß, zu Wagen, zu 
Pferd. 
Der Landgraf hielt auf weißem Rosse mit 
gezücktem Degen vor der Garde und erwartete 
mit gespannter Aufmerksamkeit die Ankunft des 
Königs. Plötzlich erschien dieser wie aus den 
Wolken an seiner Seite. Der König war in 
einfacher Uniform ohne Begleitung früher hinaus 
geritten, um das Versammeln der Truppen zu 
sehen und überraschte nun den in große Verlegenheit 
gerathenden Landgrafen, der nicht Neigung hatte, 
mit dem jungen raschen Könige die Front hinab 
zureiten. Auch geschah es nicht. Während der 
Landgraf nur als Chef des Regiments Garde 
figurirte, ritt der König mit Gefolge in sausen 
dem Galopp an der Front hin. — Das Manöver 
begann mit einem Frontmarsch von 10 ent 
wickelten Bataillonen in einem Tressen und zwar 
in ordinärem Schritt (108 in der Minute). Die 
anwesenden fremden Kriegskundigen sprachen ihre 
Bewunderung über das gelungene Meisterstück 
aus und in hoher Seligkeit schwamm der Land 
graf." 
Die Soldaten waren aber zum größeren 
Theile außer den vier Wochen der Uebungen 
im Frühjahr auf Urlaub und eine Kompagnie 
hatte ständig nur 30 Mann im Dienste.*) 
Mehr denn zwanzig Jahre im Leben des 
jungen Kriegers sahen wir vorübergleiten, was 
wir von ihm erfuhren, ist großentheils für ihn 
Vortheilhaft und wird Theilnahme an seiner 
Persönlichkeit erwecken können. Ist dieses ge 
lungen, so mag nun verrathen sein, daß er 
selbst von sich einmal gesagt hat „ich war kein 
Kopfhänger und könnte manchen dummen Streich 
erzählen, den ich begangen habe . . ; wir 
wollen ihm das glauben und nicht nachforschen, 
doch drängt sich die Frage auf: wo ist das Weib 
liche? da man einen jungen ritterlichen Krieger 
nicht gut als Weiberfeind sich vorstellen kann. 
In der That war Albrecht das auch nicht und 
der Roman seiner Liebe, welche seine einzige 
blieb, liefert wesentliche und hübsche Züge zum 
Bilde seines Lebens, welches hier im Umrisse 
entworfen werden soll, sodaß wir seiner gedenken 
müssen. 
Noch im ersten Jahre, seit er das Sponton 
trug. sah er im Herbste 1797 bei einer Familien 
festlichkeit unter vielen jungen hübschen Damen 
Eine, welche als die Tanzmusik anhob, freude 
strahlend Hand und Fuß unwillkürlich rührte. 
Die Anmuth und Kindlichkeit der Erscheinung 
zogen Albrecht an, er bot ihr die Hand zum 
Tanze „es ging vortrefflich, wir blieben im 
Takt, traten uns nicht auf die Füße u. s. w." 
bemerkt er über den „ersten Walzer". Das 
freundliche 15jährige Kind war zum ersten Male 
in einer Gesellschaft, seit Kurzem in Kassel in 
der damals vornehmsten Pension der Madame 
Lachapelle und stammte aus Westphalen; ihr 
Name war Conradine von Bockum-Dolffs. Der 
zum Entzücken verlaufene Abend rief in den 
Festgenossen die Abrede hervor, regelmäßig sich 
wieder zu vereinigen; dies geschah, wurde auch 
*) Die Kompagnie, in welcher Bardeleben stand, rückte 
vom Manöver sofort nach Wilhelmshöhe, die Wache vor 
dem Könige zu übernehmen. Sehr erhitzt, wegen des 
engen unbequemen Anzuges sehr ermüdet, kam die Truppe 
in frisch gekalkte Räume, mußte auch bis Abends in der 
durchnäßten Kleidung, dann die Nacht hindurch in den 
feuchten Räumen bleiben. Der Kapitain und die drei 
Offiziere erkrankten, Bardeleben sah seinen großmüthigen 
Vetter an Lungenentzündung sterben, doch er selbst und 
die zwei Kameraden genasen,
	        

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