Full text: Hessenland (4.1890)

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Wahl an „da er doch vielleicht dem Vaterlande 
nützen könne." Seine Stellung war eine schwie 
rige, die Regierung hielt dafür, daß ein hoher 
Offizier gar nichts anderes thun dürfe, als 
streng auf ihrer Seite zu stehen, die Wähler 
vermeinten, er habe ihre Anschauungen und 
Wünsche zu vertreten. Bardeleben verhielt sich 
seiner Ueberzeugung gemäß und da fand er sich 
mehrfach veranlaßt, mit der Opposition zu 
stimmen. Anfänglich von Regierung und Hof 
mit Entgegenkommen und Auszeichnung behan 
delt, hatte-er später neue Ungnade zu erfahren. 
Ueber die Versammlung, in welche er am 
5. Juli 1833 eintrat, verzeichnete er: „gar bald 
wurde ich sehr unangenehm berührt von dem so 
durchaus unparlamentarischen Ton, der sowohl 
von Seite der Landtagskommission, als von 
Seite der Stände in der Versammlung statt 
fand. Bitterkeit und Mißtrauen sprachen sich 
bei jeder Gelegenheit aus, nicht allein die 
Landtagskommission gegen die Ständeversamm 
lung und diese gegen jene, sondern auch die 
Mitglieder der Kammer unter sich standen 
schroff einander gegenüber und viele entwickelten 
ihre Ideen in so unangemessener schonungsloser 
Sprache, daß mir in Wahrheit oft das Herz 
klopfte vor Besorgniß . . ." Ist das auch nur 
der Eindruck, welchen ein Einzelner von dem 
Gebühren in der Versammlung empfing, so war 
dieser doch ein alter schlachtenerprobter Krieger; 
man muß sich erinnern, daß seit einem Jahre 
assenpflug in der Staatsregierung die leitende 
rast war und dem Widerwillen seines Gebieters 
gegen die Verfassung durch Lahmlegung derselben 
mittels Deutungen und Kniffen diente, wodurch 
Erbitterung erzeugt werden mußte. Bedeutsam 
ist eine kurze Schilderung der einzelnen Mit 
glieder, welche indessen nur mit Nummern aus 
geführt werden; die nur auf Schomburg zu be 
ziehende sagt: „ein Mann von hoher Redlichkeit 
und großer Befähigung, der ein wahrhaft schönes 
Ziel vor Augen hatte, der aber auf dem 
steinigen Wege dahin bald rechts, bald links 
ausgleitete, weil er bald hier bald dort die 
Steine des Anstoßes zu umgehen suchte ..." 
Jordan wurde durch Hassenpflug hartnäckig vom 
Eintritte in diese Versammlung abgehalten. 
Aus den mehrfach launigen Charakteristiken wird 
ersichtlich, daß Bardeleben nur eine geringe Zahl 
der Abgeordneten als zu ihrer wichtigen Rolle 
geeignet ansah, daß er namentlich bei vielen 
den Mangel der erforderlichen Kenntnisse be 
merkte, was er bei sich selbst auch anführt. Als 
die Anklage gegen den Minister Hassenpflug 
beschlossen wurde, gab der General seine Stimme 
dafür ab, wiewohl ihm „die starre Kraft des 
Ministers eine erfreuliche Erscheinung gewesen 
wäre, wenn sie nur mit der Verfassung in Ein 
klang hätte gebracht werden können und nicht sich 
o höhnend darüber hinausgesetzt hätte." Nach 
olcher Stimmgebung war Bardeleben in den 
herrschenden Kreisen anrüchig und als er in dem 
Militärausschüsse einige Wünsche der Staats 
regierung für das Heer nach bester Ueberzeugung 
nicht befürworten konnte, begegneten dem „Feinde 
der Armee" auch von Offizieren unzufriedene 
Mienen. 
Abgeneigt, die noch während der Tagung 
dieses Landtages vorgenommene Wahl zum 
nächsten für seine Person anzunehmen, ließ er sich 
doch von Carl Wippermann, welcher selbst Wahl 
mann in Rinteln war, dazu bewegen und wurde 
auch einstimmig wiedergewählt. Als ihm jedoch 
vier Mitglieder des Stadtrathes von Rinteln, 
als Wahlmänner, verschiedene Punkte angaben, 
in denen sie die Thätigkeit ihres Abgeordneten 
zu leiten wünschten und ihn ersuchten, sie über 
den Gang der ständischen Verhandlungen auf 
dem Laufenden zu erhalten, fand er das nicht 
mit seinen Anschauungen über seine Stellung 
als Vertreter von fünf Städten vereinbarlich 
und er sprach den Unterzeichnern des Schrift 
stücks sein Befremden über dessen Inhalt aus. 
Die Wiederwahl lehnte er ab. 
Ein so erfahrener, gemäßigter, vaterlands 
liebender Mann würde in dem Kampfe jener 
Jahre Vortheilhaft haben wirken können, wenn 
er die Ruhe seines angenehm dahinfließenden 
Lebens länger einer Thätigkeit hätte opfern 
wollen, mit welcher er selbst nicht zufrieden 
war. Kein Zweifel auch, daß seine Laufbahn 
in Kurhessen jetzt endgiltig abgeschlossen war. 
Dem Freunde Canitz hatte er schon früher 
ausgesprochen „seit Antritt der Regentschaft und 
seit Heßberg Kriegsminister ist, bin ich durch 
Wort und That oft gekränkt worden", und 
scheint hiermit andeuten zu wollen, daß er nicht 
dem Kurprinzen allein das ihm Angethane zu 
schreibe. Er hat auch ausdrücklich aufgezeichnet, 
daß vielfältig seine Worte und Handlungen bei 
dem Fürsten falsch dargestellt worden seien, um 
ihn gegen Bardeleben ungeneigt zu stimmen. 
Daß dies so rasch gelungen war und der Regent 
ihm nie Gelegenheit zur Rechtfertigung gegeben 
hatte, kränkte ihn auf das tiefste und er sprach 
dies gegen den ihm in treuer Freundschaft zu 
gethanen Kapitän von Hohenfels, seinen ehe 
maligen Adjutanten, aus, der ihm versicherte, 
der Kurprinz hege Achtung für ihn. Hohenfels 
hatte weiter gegen Bardeleben geäußert, er sei 
der einzige Mann, welcher die Schwächen des 
Regenten würde unschädlich machen können, 
wenn er ihm nahe stünde, auch dem Generale 
seine Zurückhaltung gegenüber dem Regenten
	        

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