Volltext: Hessenland (4.1890)

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Er erklärte vielmehr, als Oberst von Freiwald auf 
Geheiß des Marquis de Castries ihm wiederholt die 
Uebergabe dieses Postens befahl: 
daß er von einem Kriegsgefangenen keine 
Befehle mehr anzunehmen habe, und somit die 
Franzosen, wenn sie das Fort Katz in Besitz 
nehmen wollten, darüber nunmehr lediglich mit 
ihm, als dessen Kommandanten zu unterhandeln 
hätten, jedoch dabei sich versichert halten möchten, 
daß er sich nimmermehr kriegsgefangen ergeben 
würde. 
In Folge dessen versuchten die Franzosen zwar zu 
verschiedenen Malen, sich auch dieses Postens durch 
gewaltsamen Angriff zu bemächtigen. Da jedoch 
Hauptmann von Ende demselben jedesmal einen sehr- 
nachdrücklichen Widerstand entgegen setzte, obgleich die 
gesammte Besatzung vom Fort Katz ebenwohl nur aus 
30—40 Mann des Freiwaldischen Regiments bestand, 
so ließen sie sehr bald davon ab, und gestatteten, da 
sie sich — bei der schon so weit vorgerückten Jahres 
zeit wahrscheinlich nicht die Mühe einer ernstlichen 
Blokade geben mochten, demselben, nachdem er solcher 
Gestalt noch 3 Tage lang seinen Posten behauptet 
hatte, endlich auch wirklich — für sich und seine ge- 
sammte Mannschaft, völlig freien Abzug mit Waffen 
und Bagage. 
III. 
Ueber fall von Dorsten im Fe ldzu g e 
von 1 7 59. Auf die Nachricht, daß der französische 
Generallieutenant von Armenstiers Anfangs 
Oktober 1759 das bisher bei Dorsten innegehabte 
Lager aufgehoben habe und unter Zurücklassung eines 
Detachements von 130 Mann unter dem Oberst 
lieutenant von Merlet zur Bewachung eines in 
Dorsten verbliebenen Magazins nach Böckum gerückt 
sei, hatte sich der General-Adjutant des Herzogs von 
Braunschweig, der Hauptmann von Bülow, bei dem 
Generallieutenant von Jmhof die Erlaubniß ausge 
beten, gegen Dorsten einen Ueberfallsversuch unter 
nehmen zu dürfen. 
Nachdem er zu diesem Zwecke eine Abtheilung 
hessischer Husaren und Jäger und ein Bataillon 
hannoverscher Grenadiere überwiesen erhalten hatte, 
rückte er am 12. Oktober gegen diesen Ort vor. 
Durch einen vorherrschenden dichten Nebel begünstigt 
gelang es ihm völlig unbemerkt mit der, aus 6 
Husaren gebildeten Vorhut, dem alten - am Eingang 
zur Brücke — über das Flüßchen Lippe stehenden und 
mit einem Korporal und 4 Mann besetzten Wacht- 
thurm sich zu nähern und die Schildwache sowie noch 
einen Mann dieser Wache niederzuhauen. Da es 
jedoch den drei andern Leuten dieses Pikets gelang, 
während des hierdurch entstandenen Tumultes nach 
der Stadt zu entkommen und Lärm zu machen, so 
fand die nachfolgende Infanterie das Stadtthor ge 
sperrt und den Feind in Bereitschaft, Widerstand zu 
leisten. Indessen gelang es dem Kommandeur der 
hessischen Jäger — dem Major von Buttlar — nach 
kurzem aber lebhaften Gefechte das Thor aufzusprengen 
und gefolgt von den hannoverschen Grenadieren, in 
Dorsten einzudringen. Obschon nun der Feind in 
größter Eile nach Cruydenburg hin entfloh, so wurden 
doch außer Erbeutung des dortigen Magazins auch 
noch 4 Offiziere und 80 Mann zu Gefangenen ge 
macht, während der diesseitige Verlust sich nur auf 
eine:: getödteten Husaren und 8 theils getödtete theils 
verwundete hessische Jäger beschränkte. 
(Fortsetzung folgt.) 
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Aus Heimath und Fremde. 
Am Montag den 28. April fand in der Aula der 
Realschule die Monatsversammlung des Vereins 
für hessische Geschichte und Landeskunde statt. 
Nachdem der Vorsitzende, Major C. v. Stamford 
den geschäftlichen Theil erledigt hatte, hielt Bibliothekar 
Dr. H. Brunner den angekündigten Vortrag über 
„Me Ermordung des Herzogs Friedrich von Braun 
schweig bei Klein-Englis am 5. Juni 1400". Auch 
dieser Vortrag zeugte ebenso, wie die bereits in früheren 
Jahren von Herrn Dr. Brunner im Geschichtsverein 
gehaltenen, von den eingehendsten Studien, gründ 
licher Beherrschung des Stoffes und vortrefflicher 
Rednergabe. Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte denn 
auch mit der größten Aufmerksamkeit den Ausführungen 
des Redners und spendete demselben in reichem Maße 
den wohlverdienten Beifall. 
Die Frage der Fuldakanalisation ist um 
einen wesentlichen Schritt vorgerückt. In dem am 
23. April dem preußischen Abgeordnetenhause vor 
gelegten Nachtragsetat ist unter den einmaligen und 
ordentlichen Ausgaben ein Betrag von 100,000 Mark 
als erste Rate zur Schiffbarmachung der Fulda 
von Münden bis Kassel eingestellt. In der 
dieser Etatsposition beigegebenen Begründung heißt 
es A. a. 
Für Kassel ist aus der Gewinnung einer Wasser 
straße nach Bremen und zum Meere ein erheb 
licher Aufschwung insbesondere seiner industriellen 
Thätigkeit, zu erwarten. Außerdem bietet die Stadt 
nach ihrer Belegenheit geeignete Bedingungen für den 
Aufschwung zu einem größeren Stapelplatz. 
Dieselbe wird durch den Anschluß an die Weser ge 
eignet, die auch in entfernterer Umgegend gefertigten 
Waaren und gewonnenen Produkte an sich zu ziehen 
und thalwärts dem Handel zuzuführen, wie auch berg 
wärts anlangende Güter über einen beträchtlichen 
Theil von Mitteldeutschland zu verbreiten. Die Um 
gebung von Kassel ist im Stande, eine Menge von 
Produkten, wie Braunkohlen, Basalt, Ziegelerde Thon 
und Schwerspath, hervorzubringen, welche jetzt wegen
	        

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