Full text: Hessenland (4.1890)

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Albrecht Khristian Wuöwig von Karöeleben. 
Kurfürstlich Hessischer Generallieutruant. 
1777—1856. 
Lin Lrinnerungsblslk von L- v- Slsmforö. 
(Fortsetzung.) 
Leipzig. 
Das 11. Korps mit der westphälischen Brigade 
rückte am ersten Schlachttage, dem 16. Oktober, 
bei dem Dorfe Holzhausen in die 'Schlacht 
linie ein, ging sofort zum Angriffe vor, 
da das nebenstehende Korps Lauriston 
zurückgedrängt wurde und erstürmte den 
Kolmberg, '/r Wegstunde vor seiner Front; 
Lauriston ging wieder vor, auf den anderen 
Punkten der Schlachtlinie errangen die Fran 
zosen gleichfalls Vortheile, der Kaiser befahl 
Nachmittags durch Glockenläuten den Sieg zu 
feiern. Der furchtbare Kampf endigte nach 
neunstündiger Dauer erst um 6 Uhr Abends 
mit der Dunkelheit. Napoleon hatte den An 
griff des böhmischen Heeres abgeschlagen, ohne 
doch wie in früheren Schlachten Erfolge von 
Bedeutung errungen zu haben; der Augenblick 
hätte ihm den Rückzug noch in einigermaßen 
günstigen Verhältnissen gestattet. Statt dessen 
unterhandelte er am 17. fruchtlos mit dem 
Kaiser Franz, sodaß mehr als 100,000 Mann 
Verstärkungen der Verbündeten herankommen 
konnten und nun beträchtliche Uebermacht auf 
deren Seite war, 276,000 Mann gegen 150,000 
Franzosen. 
Der 18. Oktober, ein Sonntag, stieg nach 
regnigen Tagen sonnig schön herauf, die Riesen 
schlacht mußte erneuert werden. Der Imperator 
zog seine vordere Linie um eine halbe Meile 
zurück, das 11. Korps hielt wieder Holzhausen 
und dessen Umgegend, ihm gegenüber trat Ben 
nigsen mit dem russischen Reserveheere auf, griff 
aber erst gegen 2 Uhr Nachmittags an. Holz 
hausen fiel in die Gewalt des Feindes, Mac 
donald ließ das Reiterkorps Sebastiani und 
eine ihm zu Hilfe gesandte Reiterdivision der 
Garde mehrere erfolgreiche Sturmritte ausführen 
und nahm daun mit dem Fußvolke Holzhausen 
mit stürmender Hand. Er konnte es aber nicht 
halten, Russen und Oesterreicher brachten weit 
überlegene Kräfte vor, alle Versuche Macdonalds 
scheiterten bei der Schwäche seines Fußvolkes, 
auch sah er am Abende seine linke Flanke 
bedroht. 
Links des 11. kämpfte das Korps Reynier, 
in welchem die Sachsen standen, etwa um 2 Uhr 
Nachmittags ging die Reiterbrigade zu den 
Russen über, ihrem Beispiele folgte General 
von Normann mit der in der Nähe befindlichen 
würtembergischen und etwa um 3 Uhr rückte 
das sächsische Fußvolk aus seiner Stellung vor 
zu den Russen. Da diese Truppen zunächst dem 
11. Korps gestanden, gerieth dieses um so mehr 
in Gefahr, außerdem mußte die Kunde vom 
Abzüge der erwähnten deutschen Korps unter 
den Deutschen im 11. Korps bedenklich wirken.*) 
*) Nahe der Westseite des Dorfes Holzhausen stand 
eine Windmühle aus einem Hügel, hier beobachtete 
Marschall Macdonald eine Zeit lang mit dem Fernglase 
die Bewegungen des Feindes. Er hielt mit seinem 
Gefolge unter dem Bogen des ersten und zweiten Auf 
schlags der feindlichen Kanonenkugeln, aber es schlugen 
doch mehrere Kugeln zwischen die ihn umgebenden Offi 
ziere. Der Marschall nahm keinerlei Notiz davon und ließ 
sich in seinen Beobachtungen nicht stören — selbst als sein 
Pferd von einer Kugel getroffen zusamnienstürzte, schien 
sein Geist von einer Verbindung mit dem Körper nichts 
zu wissen; denn fast im selben Augenblick, als wir ihn 
stürzen sahen, stand er auch schon wieder und setzte 
seine Beobachtung fort als sei nichts vorgefallen. So 
ganz war seine Seele mit dem Feinde beschäftigt. Der 
Feldherr hatte nicht mehr das Bewußsein einer Gefahr, 
einen merkwürdigen Gegensatz zu ihm bildet der Wind 
müller der bezeichneten Mühle. Einige Stunden lang war 
das 11. Armeekorps während der Schlacht auf der Anhöhe 
der Windmühle und in der Nähe aufgestellt, und dem Ge 
schützfeuer der Oesterreicher ausgesetzt. Viele Kanonen 
kugeln durchlöcherten die Windmühle und Bardeleben be 
merkte mit Staunen, daß der Windmüller auf der äußeren 
Galerie stand, der Gefahr nicht achtend, und ruhig in das 
wilde Getümmel der Schlacht blickte. Bardeleben ritt an 
ihn heran und fragte, ob er nicht wahrnehme, in welcher 
Gefahr er sich befinde — befremdet sah er jenen an, strich 
sich mit der Hand über den Kopf und sagte unter Thränen 
lächelnd „oh mein Herr das sind nur Katzenlöcher', auf
	        

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