Volltext: Hessenland (4.1890)

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zu sein." Bezeichnend in diesem Revers ist der 
Umstand, daß sie ihrem Koadjutor den Titel 
„Fürst in Buchen" beilegen, ein Umstand, der 
später dazu benutzt wurde, um ein tieferes Ein- 
verständniß seitens des Fürsten mit den Bauern 
zu beweisen, ja ihm sogar den Vorwurf zu 
machen, er habe dem geistlichen Stande entsagt 
und habe sich als weltlichem Fürsten huldigen 
lassen. Die Sache war folgende: Als der 
Koadjutor unter seinem gewöhnlichen Titel und 
Namen die verlangte Verschreibung wegen An 
erkennung der 12 Artikel ausgestellt hatte, wiesen 
die Anführer dieses Aktenstück zurück, erklärten 
„mit spitzigen, verächtlichen tröwlichen Worten, 
daß sie keinen „Kuhhirten" zu einem Herrn 
haben und den Namen keineswegs länger leiden 
wollen." Sie verlangten, daß sich derselbe kurz 
weg Fürst in Buchen zu schreiben habe, dieser 
Forderung war abermals der kategorische Imperativ 
„das und kein anders" zugefügt. Der Koadjutor 
fügte sich und ließ sich aus angezeigten Un- 
Iur Geschichte der 
Die in sicherer Aussicht stehende Kanalisation 
der Fulda von Kassel ab nach Münden giebt 
uns den Anlaß, darauf hinzuweisen, daß schon 
in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, 
vor nunmehr fast 130 Jahren, Verhandlungen 
zwischen Hessen-Kassel und dem Fürstbisthum 
Fulda bezüglich der Schiffbarmachung des Fulda 
flusses und der Herstellung einer Wasserstraße 
zwischen Fulda und Kassel im Gange waren. 
Es liegen uns darüber abschriftlich Akten-Bruch- 
stückss vor, die den Handakten des im Jahre 
1842 zu Rotenburg an der Fulda verstorbenen 
Betgmeisters Lange entstammen und uns von 
dessen Sohne, dem Herrn Bergfaktor Fritz Lange in 
Reden, schon vor längerer Zeit zum Abdrucke 
in unserer Zeitschrift gütigst zur Verfügung 
gestellt worden sind und die wir nachstehend ver 
öffentlichen. D. R. 
Am 12. April 1763 richtete der Hessen-Kasselsche 
Minister von Waitz an den fürst-bischöflichen 
Geheimen Rath Baron von Scheer ein Schreiben, 
in welchem er nach Beantwortung einer Re 
klamation von fuldaischen Schiffen, die in der 
Kampagne von 1762 auf der Fulda gewesen, 
der Frage der Schiffbarmachung dieses Flusses 
mit folgenden Worten nähertritt: 
„Diese rnaterie von denen Schiffen gibt mir 
zugleich Anlaß bei Ew. Hochwohlgebohren mich 
zu erkundigen, ob des Herrn Bischoffs hoch 
fürstliche Gnaden noch eben die Gesinnungen 
gestimmigkeiten, Betrüngnuß und Forgt, den 
Titel in das Schriftstück setzen, doch ohne jemals 
denselben von freien Stücken geführt zu haben. 
Nach diesen Verhandlungen brachen die Bauern- 
schaaren, 5000 Mann stark, mit etlichem Feld 
geschütz nach dem Stift und der Stadt Hersfeld 
auf, nahmen die Stadt ein und trieben allerlei 
Muthwillen, in Kirchen. Klöstern, an Bildern, 
Fenstern und Altären. — 
So Gegenbaur. Dr. W. Falckenheiner in 
Marburg weicht in seiner bereits erwähnten 
trefflichen Schrift „Philipp der Großmüthige 
im Bauernkrieg" (Marburg 1887) in manchen 
Punkten von der Darstellung Gegenbaur's ab. 
Wir werden in der nächsten Nummer auf diese 
Abweichungen zurückkommen, die um so größere 
Beachtung verdienen, als dem Dr. Falckenheiner 
ein sehr reichhaltiges Quellenmaterial zu Gebote 
stand. 
(Fortsetzung folgt.) 
Ma-Wanalisation. 
vor die Etablirung eines Commerce auf der 
Fulda hegen und zu diesem Ende den Schleußen 
Bau continuiren zu lassen gedenken. 
„Was man diesseits zu einem so nützlichen 
End Zweck beytragen kan, wird mit vieler 
Bereitwilligkeit und Eifer geschehen. 
„Die Waaren, so hinauf gebracht werden 
könnten, dürften vornehmlich in Bremer Waaren 
bestehen und würde es sodann darauf ankommen, 
an welchen Orten in denen fürstl. fuldaischen 
Landen Waaren-Lagers errichtet und was für 
Waaren dagegenheruntergeschicktwerdenkönnten, 
um solchergestalt ein rnntnellee Commerce 
zu etabliren. Ich muß hierbei vornehmlich 
nach Potasche, Linnen, undHoltz fragen, Früchte 
könnten auch dienen, um weiter heruntergebracht 
zu werden. 
„Erzeugen mir eine besondere Gewogenheit, 
wenn dieselben über diese Ideen deren Gedanken 
mir gefälligst'zu commnniciren belieben wollen." 
Hierauf erging unter dem 20. April des 
Jahres 1763 eine Verfügung des Fürstbischofs 
von Fulda, Heinrich's VIII. von Bibra, durch 
welche der Geheimbde Rath von Scheer, Hofrath 
Hahn, Hofrath Schaupp, Hof-Kammer-Rath 
Eckhard und Hof-Kammer-Rath Gegenbauer 
angewiesen werden, „ihre Meinung und Bedenken 
über diesen Gegenstand schriftlich Uns nächst 
künftigen Mittwochen den 27. dieses bey Hof in
	        

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