Full text: Hessenland (4.1890)

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da ab enthielt. Tie betreffenden Aktenstücke 
finden sich in Cod. prob. bei Schannat. 
Chriacus Spangenberg meldet von dem Grafen 
Johann (III.) von Henneberg-Schleusingen: 
„Dieser Fürst Johann des nahmens der III., 
Fürst Wilhelmen VII. (vermählt mit Anastasia, 
Markgräfin von Brandenburg zu Neustadt an 
der Aisch am 15. Juli 1499) ander Sohn ist 
jung worden anno 1503 am Sonntag Niserieoräiag 
Domini, den 30. Aprilis. Sein Taufpathe war 
sein Vetter Abt Johann (II.) von Fulda, seines 
Großvaters Bruder. 
Als die Eltern gemerkt, daß dieser ihr Sohn 
ein gut ingenium gehabt, haben sie ihm bald 
einen Lehrmeister oder Paedagogum gehalten 
und darnach mit demselben gen Mainz auf die 
hohe Schule und dann auf Paris in Frankreich 
eschickt und haben an beiden Orten wohl studieret; 
arnach hat ihm sein Vater und Freund zu 
wege« gebracht, daß er zu Mainz und Köln, 
auch zu Straßburg 1515 und Bamberg Dom 
herr worden." 
Johann 111. von Henneberg führte die Re 
gierung über das Hochstift Fulda bis zu dem im 
Jahre 1529 zu Mainz erfolgten Tode seines 
Vorgängers Hartmann II., nur unter dem be 
scheidenen Titel eines Koadjutors. 
In die Regierungszeit dieses Koadjutors fallen 
die Ereignisse des Bauernkriegs. 
Nachdem die Bauern ihr Zerstörungswerk 
rings um die Stadt vollendet, hatten sie sich 
der Stadt und des Schlosses bemächtigt. Der 
Koadjutor hatte seine Reisigen alle auswärts, 
theils nach Mainz, theils seinem Vater nach 
Henneberg, alles zum Widerstand der auf 
rührerischen Bauernschaft verliehen, er war da 
her nicht im Stande, mit bewaffneter Hand 
ihnen entgegenzutreten. Er verließ darum Oster 
dienstag gegen Morgen mit wenigen Reitern 
die Stadt und war gegen Baden sein Sicherheit 
halber geritten, während die Bauern in der 
Stadt mit dem Bürgermeister, den Räthen und 
der ganzen Gemeine sich geeinigt hatten. Im 
Auftrag dieser sammt gemeinen Ausschüssen der 
Landschaften, so itzo vor Fulda versammelt er 
schienen, sandten diese Boten dem Koadjutor mit 
einem Schreiben nach, worin sie denselben baten 
„E. F. G. wollen eigener Person morgen früh 
8 Uhr zu Fulda im Schlosse absitzen, doch nit 
stärker als mit 10 Pferden und volgents auf 
dem Rathhaus daselbst und sonst nirgends güt 
liche Handlung zu haben genedlich erscheinen." 
Man sieht, wie in der Form sie noch mäßig 
sind, aber der kategorische Imperativ, „sonst 
nirgends" deutete uns in der Sache schon an, 
wie sie später verlaufen sollte. Neben dieser 
schriftlichen Einladung, die von Fulda Freitag 
nach Ostern datirt ist, wurde der Koadjutor 
auch noch mündlich angesucht, daß er die gemeine 
Landschaft nicht verlassen möge. Demnach ent 
schloß sich der Koadjutor, „um unser und der 
unseren weiteren Unrath zu verhüten," mit nicht 
geringer unsers Gemüths Beschwerth und Be 
sorgnuß mit 10 Pferden zurückzukehren. Sobald 
er aber innerhalb der Mauern war, wurden alle 
Thore und Ausgänge versperrt und zugemauert; 
die Brücke aber, welche vom Schloß nach dem 
Feld die Gans (Weides — Genftbach, chart. 8. 
Bon.) führte, war schon vor dem Eintritt ab 
gehauen und umgeworfen worden. Der Koad 
jutor wurde Tag und Nacht in dem Schlosse be 
wacht und verhütet. Am anderen Tage fanden 
die Verhandlungen auf dem Rathhause statt; 
Namens der Bauern führte ein Priester das 
Wort. Der ersten Vorhalt, den der Redner- 
Namens der Hauptleute und des Ausschuß machte, 
war der, daß der Koadjutor einfach die ihn: 
vorgelegten Fragen dem Evangelium gemäß mit 
Ja und Nein zu beantworten habe. Darauf 
setzte ihm derselbe auseinander, weshalb sie sich 
versammelt hatten, er erklärte, daß sie und 
gemeine Landschaft um keines Tagleistens willen 
da seien, sondern daß ihre Brüder des Schwarz 
waldes 12 Artikel, welche sie hiermit vorlegten, 
hätten ausgehen lassen, die wollten sie auch 
seitens des Koadjutors anerkannt wissen; hier 
gälte es nicht lange Bedenkzeit, der Inhalt der 
Artikel sei bekannt, da muß man Ja oder Nein 
sein sagen und schließlich drohten sie mit Gewalt: 
„Dann wollt man nit, so müß man; und 
das und kein anders!" Abermals also jener 
kategorische Imperativ! 
Der Rath der Stadt Fulda erklärte, daß er 
der Gemeinde nicht mehr sicher wäre, und daß 
falls der Koadjutor nicht nachgäbe, der Rath 
ebensowenig wie der Fürst „ihres Leibs, Lebens 
und Plünderung ihrer Behausung" sicher wären. 
In dieser Lage entschloß sich der Koadjutor „zur 
Verhütung weiteren Unrathes aus rechter genöt- 
drängter gezwungener und unvermeidenlicher Noth 
und großer Forgt, die in einem und iden stand 
haften Mann fallen, den bewegen oder zwingen 
mag und gar keines Lust's halber die zwölf 
Artikel auch andere mehr Artikel die gemeine 
Stadt Fulda berühren, sofern sie beständig er 
funden und christlich erkannt würden," anzunehmen. 
Nachdem der Koadjutor die Forderungen der 
Bauern bewilligt, stellte ihm der „Oberster Feld 
hauptmann, Rath und Anwald Zusatz und ge 
meiner Ausschuß der christlichen brüderlichen 
Versammlung der Landschaft zu Buchen einen 
Revers aus, wonach sie erklären ihn fernerhin 
als ihren regierenden Landsfürsten und Herrn 
zu halten, zu habe», unterthenig und gehorsam
	        

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