Full text: Hessenland (3.1889)

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Die Vihlerchen baun Neastercher, 
Wingk") Ahle bleiwe leihet') 
Doach dean ") scheint aach die Froihjohrschsonn 
Dorch's Weinlaab off die Decke, 
Zou dean kimmt aach die Moarjestonn 
Met Gold eann dout") se wecke. 
Aricbrich von Trais, 
(Verfasser der Heimathsklänge auS der 
Wetterau). 
') Schreiben (Paß). 2 ) kriegt. 3 ) möglichst. 4 ) ge 
schwinde. 5 ) Hof. 6 ) Leute. 7 ) zuerst. 8 ) habt Ihr. 
9 ) gehört. ,0 ) vertragen. wollen. 12 ) mahlen. 
,3 ) Bellenweide. ,4 ) Linden. 15 ) lebendig. ,6 ) geworden. 
17 ) zu^ finden. 18 ) Geise. * 9 ) füttert. 20 ) unpäßlich. 
2I ) Thüre. 22 ) athmet. 23 ) daneben. 24 ) versteht Ihr. 
25 j glauben. 26 ) wäre es 27 ) accordiren. 2S ) Wachtel. 
29 ) schlägt. 30 ) Schnittlauch. 31 ) Zwiebel. 32 ) Kette. 
33 ) Kinder. 34 ) Ackermännchen (gebr. für Bachstelze). 
35 ) schürgen (ziehen). 3S ) Morgenssrühe. 37 ) Furchen. 
38 ) gelb. 39 ) Hundsveilchen. 4o ) wenig. 4l ) liegen. 
42 j denen. 43 ) Morgenstunde. 45 ) thut. 
Nachdruck v erbo te n. 
Airs dem Unterhaus. 
Aus dem verwaisten Vaterhaus 
Zieh' still ich in die Welt hinaus, 
Ich warte bis zum Däinmerschein, 
Da geht sich's gut, ist man allein- 
Ich suche nicht »ach Ruhm und Gold, 
Mir war das Glück ja nimmer hold, 
Auch nicht nach eines Freundes Herz, 
Brach doch das meine längst der Schmerz. 
Ein stilles Plätzchen such' ich mir, 
Da will ich träumen nur von Dir, 
Geduldig tragen all' mein Leid, 
Bis mich umfängt die Ewigkeit. 
Omiki« Zöcpter. 
/ 
Katherltescherr. 
Katherlieschen, dummes Ding, 
Komm' und dich im Tanze schwing', 
Will's der Pfarrer auch nicht haben, 
Sind wir doch recht wack're Knaben. 
Laß' die Schürze vom Gesicht — 
Gelt, vor Weh das Herz dir bricht, 
Möchtest auch herum dich schwenken 
Mit den andern in den Schenken? 
Zier' dich nicht und tritt herzu! 
Was? Dir fehlten rechte Schuh' 
Und dein Rock wär' nicht zum Springen? 
Hör' doch, was die andern singen: 
„Jn's Schwabeland da mag ich nit, 
Und lange Kleider trag' ich nit, 
Denn lange Kleider, spitze Schuh, 
Die kommen keiner Dienstmagd zu!" 
ZS. Aenncckc. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Gelehrte Zerstreutheit. In der ersten Hälfte 
dieses Jahrhunderts lebte zu Gießen ein deutscher Stuben 
gelehrter, wie er nur im Buche steht. Geboren und 
erzogen zu Leipzig, dem Büchermarkt Deutschlands, 
beglückwünschte er schon als siebzehnjähriger Gymnasiast 
durch eine gedruckte lateinische Abhandlung über ein 
Trauerspiel des Euripides seinen Vater zu der diesem 
übertragenen Würde eines Doktors der Theologie. 
Später stndirte er in seiner Vaterstadt Theologie und 
Philologie und hielt nach wohlbestandener Prüfung 
in beiden Fächern daselbst Vorlesungen. Allein nach 
dem Sprllchwort, daß ein Prophet in seiner Heimath 
nichts gilt, konnte er es in Leipzig nicht zu einem 
ordentlichen Professor bringen und nahm daher mit 
Freuden einen Ruf an die Universität Gießen an. 
Hier wurde er zuerst Professor der Philologie, dann 
auch der Theologie und schrieb zur Erklärung des 
alten und neuen Testaments ein gelehrtes Buch über 
das andere. Er war nämlich ein Bücherwurm erster 
Größe. Sein Studirzimmer und seine Bibliothek 
waren seine Welt. Nicht nur in der Gesellschaft der 
Menschen, sondern selbst auf dem Katheder fühlte er 
sich fremd. Denn nie wagte er da ein freies Wort, 
sondern las alle Gedanken aus seinem Heft ab. Ein 
herzensguter Mann, fleißig, dienstfertig, pflichttreu 
und gewissenhaft bis zur Aengstlichkeit, lebte er einsam 
bis ins 35. Lebensjahr und stand schon in Gefahr 
in die Absonderlichkeiten und Schrullen eines alten 
Junggesellen zu verfallen, als es Gott Amor gelang, 
auch in seinem Herzen die Fackel oder wenigstens ein 
Flümmchen der Liebe zu entzünden. Ganz ungesucht 
machte — Professor Christian Künöhl — so 
hieß der Mann — die Bekanntschaft eines jungen 
Mädchens, deren Eltern in der Nähe von Gießen 
wohnten, und fand, daß die weiblichen Geschöpfe gar 
nicht so schlimm seien, wie sie oft in den Büchern 
geschildert würden. Ja sein einsames Leben kam ihm 
sogar trotz seiner Bücher auf einmal langweilig vor. 
Kurz, er entschloß sich, zwar nicht zu einem münd-
	        

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