Full text: Hessenland (3.1889)

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empfingen Löhnung und eine Vergütung für 
die Beute, welche sie machten. Der Hatz zwischen 
ihnen und ihren Landsleuten, den „Rebellen", 
war so groß, daß Gefangennahme für beide Seiten 
so viel wie Tod bedeutete. — Im Mai herrschte 
wieder Nahrungsmangel und skorbutartige Krank 
heiten tauchten auf. Man sandte daher die 
Truppen nach Tammany- und Turkey-Hill und 
ließ nur zwei deutsche Regimenter und 24 Ge 
schütze in der Stadt. Freudig überrascht wurden 
dieselben, als man ihnen in Newport gebrautes 
Bier vorsetzte. Schlecht war's zwar, aber — es 
werden wohl viele Kasseläner dabei gewesen 
sein — „se susfen's doch!" Am 2. Juni wurden 
zwei hessische Regimenter Tryon zu Hülfe ge 
sandt, der an der Küste des Festlands stand. 
Die zurückgebliebenen Hessen bewiesen, daß sie 
auch noch zu anderen Dingen als zum Krieg- 
sühren tauglich seien, indem sie sich hervorragend 
beim Heumachen betheiligten, wofür der englische 
Kommissar drei Pistareens pro Mann und Tag 
zahlte. 
Am 25. Oktober erhielten die Truppen plötz 
lich Befehl Rhode Island zu räumen, da eiue 
weitere Vertheidigung der Insel ausgegeben 
worden war. Einige Tage zuvor war alles Obst, 
dessen man habhaft werden konnte, gesammelt 
worden. Es wurde auf die Schiffe gebracht. 
Daun wurde das Gepäck verladen und die 
Frauen eingeschifft. Auch viele „Loyale" flüch 
teten auf die Flotte, die aus 102 Schiffen bestand 
und von drei Kriegsschiffen bedeckt wurde. Um 
10 Uhr Nachts verließ sie den Hafen. General 
Preßcot hatte alle möglichen Vorkehrungen ge 
troffen, um Desertionen zu verhüten. Alle 
Häuser mußten verschlossen werden und Niemand 
durfte sich auf der Straße zeigen. Besonders 
ließ der General die Frauen darauf aufmerksam 
machen, daß er befohlen habe auf Zuwider 
handelnde zu schießen. ^ 
Am 31. Oktober landeten die Truppen in 
New-Pork. 
Der Redner geht dann des Näheren auf den 
Mißbrauch ein, der damals mit den Deutschen 
und besonders den Hessen von ihren „Besitzern" 
getrieben sei! Er zeigt, wie schon in alten 
Zeiten eines der ersten Kulturvölker, die Griechen, 
seine Dienste an Perser oder Römer verkaufte 
und, daß man im vorigen Jahrhundert die 
Dinge anders betrachtete als heutzutage. „Eelking 
hat das zusammengestellt", sagt er, „waS die 
hier dienenden Deutschen, Offiziere wie Mann 
schaften, nach Hause schrieben. Es beweist, 
daß sie durchaus nicht als Opfer einer selbst 
süchtigen Politik ihres Herrschers betrachtet oder 
gar bemitleidet sein möchten. Sie thaten ihre 
Pflicht zur Zufriedenheit ihrer Bundes 
genossen und wurden von den Amerikanern 
geachtet, sogar von denen, welche dieselbe Sprache 
redeten wie-sie und derselben Nation entstammten; 
falls sich überhaupt auf das damalige Deutsch 
land die Bezeichnung als Nation anwenden läßt! 
— Anderswo ist nachgewiesen worden, daß die 
Deutschen in den Kriegen der Vereinigten Staaten 
ihren vollen Antheil an der Vertheidigung ihres 
Adoptivvaterlandes gehabt haben, von den Tagen 
der ersten Ansiedler an bis hinab zu unserem 
letzten blutigen Kriege!" (Bezieht sich auf „The 
German Soldier in the wars of the United 
States“ von I. G. Rosengarten, erschienen bei 
I. B. Lippincott Co. in Philadelphia.) — 
Trotz der Vorsichtsmaßregeln, die Preßcot, 
wie wir oben gesehen, beim Verlassen von New 
port getroffen und die hauptsächlich gegen das 
sogenannte schwache Geschlecht gerichtet waren, 
trug das letztere doch schließlich einen Sieg über 
ihn davon. Zwei Schwestern heiratheten hessi 
sche Offiziere und beide überredeten später ihre 
I Gatten nach Amerika auszuwandern. Die jüngere 
; heirathete Lieutenant Vultejus, Adjutant im 
! Regiment von Ditfurth, in deni auch von der 
i Malsbnrg diente, den Namen des andern Offi 
ziers giebt der Redner nicht. Beide kehrten, wie 
gesagt, nach Amerika zurück und ließen sich in 
! Nova Scotia nieder, wo ihnen für ihre Verdienste 
während des Revolutionskrieges Land zugetheilt 
wurde. — 
Und was wurde aus Newport? Die2'/2 Mill. 
Mark, welche ihm die Belageruug und die jahre 
lange Besetzung durch den Feind gekostet hatten, 
hätte es wohl mit der Zeit verschmerzt, wenn 
es nicht auch seinen einst so blühenden See 
handel eingebüßt hätte. Der aber war von da 
an unwiederbringlich verloren und was Newport 
heute ist, verdankt es seiner herrlichen Lage. 
Auf jenen Klippen, von denen vor wenig mehr 
denn hundert Jahren hessische Soldaten bald 
freudig, bald angstvoll und halb verhungert 
hinausspähten nach den Segeln am Horizont, 
wandelt heute die vornehme Gesellschaft der 
Vereinigten Staaten. Es ist noch dasselbe Meer 
wie damals, welches sie vor sich sehen, auf der 
Landseite aber hat sich fast Alles geändert. Bis 
dicht an die Klippen heran erstrecken sich saftig 
grüne Wiesen und wohlgepflegte Gärten, aus 
denen prächtige Villen herüberblicken. Es sind 
die Sommersitze der Vanderbilt, Astor und einer 
Zahl anderer Millionäre. 
Ob wohl Hauptmann von der Malsburg den 
Strand wieder erkennen würde?
	        

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