Full text: Hessenland (3.1889)

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nicht einmal die kleinen Kinder vor diesen Bar 
baren sicher seien. Die Neger waren weniger 
furchtsam, ebenso die wenigen Indianer, welche 
als Tagelöhner bei den Fischhändlern beschäftigt 
waren. 
Im Anfang des Jahres 1777 kehrte Clinton 
nach Newyork zurück mit einem großen Theil 
der Truppen. Lord Percy übernahm das Kom 
mando der Insel. Es blieben ihm 6 hessische 
und 4 britische Regimenter auf dem Lande, und 
Loßbcrg's nebst 2 englischen Regimentern in 
Newport. Am 22. Januar beschoß eine ameri 
kanische Galeere die Befestigungen bei Dutch Is 
land Ferry und landete 400 Mann, die jedoch 
durch einige Kompagnien von Huyne's Brigade 
zum Rückzüge gezwungen wurden. Auch das 
Schiff sah sich in Folge des wohldirigirten 
Feuerns aus 2 englischen Sechspfündern und 2 
hessischen Dreipfündern bald genöthigt, dasselbe 
zu thun. Die Amerikaner hatten 20 Todte und 
viele Verwundete. Am 15. März wiederholten 
sie den Versuch mit 2 Galeeren und einem Feuer 
schiffe und griffen gleichzeitig ein englisches 
Kriegsschiff an. Die Mannschaft der einen 
Galeere rettete sich an Deck der zweiten und 
setzte ihr Schiff in Brand, weil cs sonst von 
den Hessen genommen worden wäre. 
Am 5. April legte Lord Percy das Kom 
mando nieder und kehrte unverrichteter Dinge 
nach England zurück. Nach ihm kam General 
Prescott und der langersehnte Frühling! Mit 
Entzücken sahen die von Heimweh geplagten 
Hessen wieder frisches Grün und keimende Felder. 
Sic wanderten die Landstraßen entlang unter 
dem Schatten hoher Bäume und staunten ob der 
Menge schönen Viehes und der fruchtbaren Ge 
gend. Sie konnten die Gastfreundschaft der 
Landlente, die meist Quäker und Baptisten waren, 
und die Schönheit und Anmuth der Frauen in 
ihren Briefen nicht genug rühmen. Manch' herz 
licher Abschied wurde genommen, als das Leib 
regiment im Monat Mai nach Newyork zurück 
kehrte. Manch' guter „Patriot" (von den Pa 
triotinnen gar nicht zu sprechen!) sah sie nur 
ungern ziehen, seine Freunde die Feinde! 
Und während ein Theil der Hessen lang 
wierige Märsche, Strapazen und Kämpfe durch 
zumachen hatte, verbrachte der Rest der Be 
satzung einen gemüthlichen Sommer. Alles blieb 
ruhig in Newport und Umgegend, bis plötzlich am 
27. Juli 1778 sechszehn gewaltige Kriegsschiffe 
vor Newport ankamen und die weiße Flagge mit 
den drei Lilien, die von jedem der Schiffe wehte, 
der kleinen Besatzung keinen Zweifel mehr ließ, 
daß der Feind, daß die französische Flotte ge 
kommen sei. Zwölf Linienschiffe und vier Fre 
gatten! — Von der Seeseite konnte der Be 
satzung schwerlich Hülfe gebracht werden! Dann 
kam die Nachricht, daß die Amerikaner in Neu- 
England ein Heer sammelten, um es nach Pro- 
vidence zu senden und so die Insel völlig zu 
isoliren. Die Regimenter Prinz von Wales und 
Bayreuth verließen die benachbarte Insel Cona- 
nicut und zogen sich nach Newport zurück. Die 
Franzosen besetzten sofort die verlassene Stellung 
und der Weg zum Festland und nach Providence 
war ihnen frei, da sich die englischen Fregatten 
schleunigst unter den Schutz der Batterieen in 
und in der Nähe Newport's begaben. Das war 
am 30., Nachmittags gelang es den französischen 
Fregatten, sich bis Black Point durchzuarbeiten, 
wohin mehrere englische Kriegsschiffe sich geflüchtet 
hatten. Die Fregatten ankerten gegenüber einer 
Batterie und einer Kompagnie des Regiments 
Ditsurth und zwar in Schußweite. Merkwür 
digerweise schwieg die Batterie und ließ die 
Franzosen nach Lust darauf losfeuern. Bald 
sahen die Engländer, daß ihre Schiffe nicht mehr 
zu halten seien und setzten dieselben in Feuer. 
Hauptmann von der Malsburg und seine Kom 
pagnie wurden Zeugen eines seltsamen und groß 
artigen Schauspiels. Eine nach der anderen 
explodirten die geladenen Kanonen und sandten 
ihre Geschosse nach allen Richtungen. Die Pulver- 
vorräthe gingen in die Luft und bedeckten nah 
und fern den Strand und die See mit Trüm 
mern ! Schließlich rissen sich die brennenden 
Schiffe los und trieben auf die französischen 
Fregatten zu. Diese setzten Boote aus, um die 
brennenden Schiffe fern zu halten und möglichst 
Trophäen aus der leichten Eroberung zu er 
langen. Vergebens, eine letzte Explosion zwang 
die Mannschaften zum schleunigsten Rückzug. 
Ilnterdessen wurden in größter Hast neue 
Verschanzungen angelegt und die alten verbessert. 
Die Neger wurden zur Mithülfe gezwungen und 
alle Pferde und alles Vieh requirirt. Niemand 
durste mehr als eine Kuh behalten. Der Hafen 
und seine Eingänge wurden durch Versenken 
alter Schiffe gesperrt und alles Mögliche gethan, 
um den Feind am Landen zu verhindern. 
Am 3. August wurde das Regiment Bünau 
nach Black Point gesandt, nachdem bereits das 
Regiment Anspach dem Hauptmanne von der 
Malsburg zu Hülfe gekommen war. 
Am 5. erzwangen die französischen Linienschiffe 
den Durchgang durch die Narragansettenge und 
die englischen Schiffe wurden von ihren eigenen 
Mannschaften zerstört. Acht wurden in den 
Grund gebohrt, dreizehn verbrannt. 
Inzwischen hatten die Amerikaner, wie man 
von Fogland Ferry aus deutlich sehen konnte, 
ein neues Lager aufgeschlagen und rüsteten zum 
Angriffe. Da alle englischen Schiffe auf der
	        

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