Full text: Hessenland (2.1888)

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Rückzug nach der Stadt ab. Hierbei sollen nach 
den Angaben Bessen's, in seiner Geschichte von 
Paderborn, 80 Soldaten, 20 Bürger, 30 Bauern 
und 19 Studenten des Jesuitenkollegiums von 
den Hessen niedergehauen sein. 
Doch die Tage unseres Helden waren gezählt 
und seiner kriegerischen Thätigkeit wurde bald 
ein Ziel gesetzt. Vielleicht verwöhnt durch die 
großen Erfolge, die er lediglich seiner Un 
erschrockenheit verdankte, und vertrauend auf den 
Schrecken, der seinem Namen anhaftete, unterließ 
er in zu großem Selbstvertrauen die nothwen 
digste Vorsicht zur Sicherung seiner Person. 
Als nämlich die Kaiserlichen durch andere 
Kriegsereignisse genöthigt waren, Lippstadt zu 
räumen, begab sich Mercier von der Burg Lip 
perode aus mit nur 34 Pferden dahin, um diesen 
wichtigen Platz in hessische Hände zu bringen. 
Er ritt in die Stadt ein und verlangte zunächst 
nur den Durchzug von 1500 Mann. Die Bürger 
aber, diesem Ansinnen mißtrauend, verweigerten 
die an sie gestellte Forderung, da sie wohl nicht 
mit Unrecht eine neue dauernde Besetzung der 
Stadt fürchteten. Mercier, ob der ihm er 
theilten abschlägigen Antwort ergrimmt, ließ sich 
dazu hinreißen, beim Wegreiten einen der am 
Thore wachehaltenden Bürger zu erschießen. Da 
griff die Bürgerschaft zu den Waffen und in 
dem sich nun entspinnenden kurzen Gefecht wurde 
Mercier nebst zwei seiner Offiziere und einem 
Korporal erschossen. *) 
Trotz dieser energischen Abwehr öffneten Ende 
*) Dr. R. Chalybaeus, Geschichte von Lippstadt, p. 177. 
1633 doch die Bürger die Thore und nahmen 
freiwillig eine hessische Besatzung auf und glaubten 
so am besten dem, in keiner Weise zu entschul 
digenden, blutigen Schicksale, welches kurz vorher 
Schweden und Hessen der Stadt Salzkotten be 
reitet hatten, zu entgehen, denn ungesühnt wäre 
der Tod des tapfern Oberst Mercier bei.^ einer 
gewaltsamen Eroberung nicht geblieben. ~ Bis 
zum Frieden blieb Lippstadt, vor dessen Mauern 
einer ihrer hervorragendsten Führer gefallen war, 
im Besitze der Hessen. Landgraf Wilhelm aber 
ehrte seinen tapfern „kleinen Jakob" im Tode 
noch dadurch, daß er seine Leiche nach Kassel 
bringen und mit allen militärischen Ehren in 
der St. Martinskirche beisetzen ließ. 
Gleichzeitig mit demselben wurden am 31. 
Mai 1633 noch zwei andere Offiziere, Oberst 
Kurt Heinrich von Uffeln, Kommandant von 
Kassel, und Oberstwachtmeister Klaus Oexel vom 
blauen Regiment beerdigt. Die bei dieser Ge 
legenheit von Hofprediger Theophilus Neuberger 
gehaltenen Leichenreden erschienen im folgenden 
Jahre gedruckt. Ein Exemplar, mit dem Bildniß 
Mercier's geschmückt, befindet sich in der stän 
dischen Landesbibliothek zu Kassel. Am Schluß 
der Leichenrede steht der lateinische Vers: 
„Magna erat exiguo Jacobi in corpore virtus 
Hic supplantator sortis et acer erat.“ 
der in freier Uebersetzung ungefähr lautet: 
Groß war der männliche Muth in des Jakobs 
winzigem Körper, 
Tapferen, schneidigen Sinns, stellt er die Falle 
dem Feind. 
v. W. 
loföat wurde. 
Kleines aus großer Zeit. 
(Forlsetzung.) 
General Bastineller, der von Heiligenstadt 
gegenKassel vorrückte, traf schon am 28. September 
mittags in Helsa ein. Hier ging ihm die Nach 
richt von dem Angriff Tschcrnitscheffs auf Kassel 
zu. Da er aber zu gleicher Zeit erfuhr, daß 
der König Kassel verlassen habe und sich auf 
der Frankfurter Straße zurückziehe, daß das 
Kauffunger Defilee von den Russen besetzt sei, 
wurde er in den zu ergreifenden Maaßregeln 
schwankend. Obgleich er außer zwei Kürassier- 
Regimentern noch 1000 Mann Infanterie und 
zwei Geschütze hatte, trug er Bedenken, das Defilee 
anzugreifen, das, bei dem ihm bekannten schnellen 
Marsch der Russen, doch nur von Reiterei, allen 
falls auch mit einigen Geschützen besetzt sein 
konnte. Bald erhielten die Truppen Befehl, gegen 
Kaufungen vorzurücken, bald wurden sie wieder 
zurückgerufen, aber endlich faßte der General den 
Entschluß — das Kaufunger Defilee nicht an 
zugreifen. 
Da der König Kassel verlassen hatte, hielt 
Bastineller diese Stadt für aufgegeben und wollte 
über Lichtenau und Spangenberg gehen, bei 
Morschen die Fulda überschreiten und sich mit 
den auf der Frankfurter Straße zurückziehenden 
Truppen des Königs vereinigen. Dieser Entschluß
	        

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