Full text: Hessenland (2.1888)

Nissen dafür zu sorgen,') daß daraus dem Reiche 
kein Schaden erwachse, wobei auf die Verhandlungen 
von 1725 bei der zu Herrenhausen geschlossenen 
Hannoverschen Allianz verwiesen wird. 2 ) 
Wenn irgend ein deutscher Schriftsteller an 
derartigen Verträgen zur Stellung von Soldaten 
etwas auszusetzen, oder Ursache gehabt hätte sie 
zu geißeln, so wäre es wohl Joh. Jakob 
Moser gewesen. Allein in seinem „Versuche 
des europäischen Völkerrechts" finden wir das 
erade Gegentheil; er erklärt die rechtliche Natur 
er Subsidien-Verträge, ohne im Mindesten zu 
finden, daß daran etwas Unnatürliches gewesen 
wäre; Beweis genug, wie selbst die freisinnigsten 
Zeitgenossen darin nichts Anderes sahen, als eine 
Sache: die sich im Laufe der Zeit gerade so und 
nicht anders entwickelt hatte. Nun ist aber ganz 
entschieden nicht anzunehmen, daß Männer vom 
Schlage eines Waldeck nicht ihren Moser ge 
lesen haben sollten. Und doch die historische 
Lüge gegen Hessen, und doch! 
Ohne irgend ein Bedenken zählt Moser sogar * 3 * 5 * * ) 
unter Hinweis auf frühere Schriftsteller die seit 
1740 „von denen Souveränen in Europa" ge 
schlossenen derartigen Traktate auf, die seitens 
der „allerchristlichsten Majestät" mit der üblichen 
Formel begannen: „Au Nom de la Tres-Sainte 
et Indivisible Trinite, Pere, Fils et St. Es 
prit,“ was gewiß, wenn nur entfernt von einem 
„Mens chenv er kaufe" hätte die Rede sein 
können. Moser veranlaßt haben würde, in seiner 
bekannten Manier die Geißel zu schwingen. Aber 
wie konnte er das, wenn selbst die freie schwei- 
erische Eidgenossenschaft solche Sub- 
idien-Traktate abschloß?!*) 
Für den Rechtsstandpunkt ist überdies Moser's 
Definition der Subsidientraktate insofern interessant 
als es nicht nur in der Natur dieser Verträge 
lag. daß ein Souverän dem andern gegen 
Geld Truppen zuführte, sondern Subsidien- 
Verträge sind auch alle diejenigen Traktate, nach 
welchen für Geld eine gewisse Anzahl Mann 
schaften auch nur parat gehalten wurden, 
oder aber, es gab ein Hof dem anderen Sub- 
sidiengelder dafür: daß ..er stille sitze und dem 
Gegentheil keine Völker überlasse".^ 
Sonach darf man sich also nicht wundern, 
i) Moser. Deutsches Staatsarchiv 1753 I. 
a ) Rovsset, Reeueil d’Actes etc. T. II. P. 301. 
3 ) Moser. Europäisches Völkerrecht. VIII. S. 65 p.p. 
*) Siehe den letzten Vertrag vom Zahre >777 bei Moser 
a. a. O. VIII. S. 9». in welchem sich die Eidgenossenschaft 
verpflichtet, für Frankreich eine Anzahl Truppen bis zu 
6000 Mann anzuwerben. 
5 ) Moser, a. a. O. VIII. S. 62. Nicht zu übersehen 
auch X. S. 5 bis 14 über den Unterschied zwischen n irk- 
lich kriegführenden und blos gegen Subsidien hülfeleistenden 
Staaten. 
wenn die deutschen Lehrer des Staats- und 
Völkerrechtes den Sonveränen des vorigen Jahr 
hunderts ohne alle und jede Ausnahme das aus 
den Verhältnissen herausgewachsene Recht bei 
messen : mit anderen Souveränen Verträge auf 
Stellung von Truppen gegen s. g. Subsidien- 
gelder abzuschließen. Moser stellt dabei natür 
lich die Forderung auf: es dürfe ein solcher 
Traktat nicht weiter gehen, alsesjederStaats- 
Grnndverfassung gemäß sei. 
Die nächste Frage wäre daher: wie stand da 
zu die damalige hessische Verfassung? 
Nun — die hessischen Subsidien - Verträge 
wurden nicht nur nicht g e g e n den Willen der Stände 
abgeschlossen, sondern die Stände gingen sogar 
willig darauf ein, was von um so größerer Be 
deutung ist, als wohl nirgends in Deutschland 
die Stände mit solchen Freiheiten, ja mit solcher 
Macht ausgestattet waren, als gerade in Hessen. 
Z. B. erklärte der Landgraf den versammelten 
Ständen auf dem Landtage von 1759die 
Krone Englands habe zwar neben den „Soldungen 
für das Hilsskorps" auch 50,000 Pfund Sterling 
zu Serinissimi „alleiniger Disposition zugestan 
den", dessen ungeachtet aber „hätten hochsürstliche 
Durchlaucht kein Bedenken, getragen, dies Geld 
auch zur Bestreitung der dem Lande obgelegenen 
Kriegsausgaben verwenden zu lassen", und auf 
dem Landtage von 1760 2 ) wurde zur Abzahlung 
eines ständischerseits aufgenommenen Anlehns das 
erforderliche Geld ebenfalls aus englischer „Jn- 
demnisativn" genommen. Hingegen erklärten die 
Stünde auf dem Landtage von 1786, also nach 
dem amerikanischen Kriege, die „mit auswärtigen 
Mächten geschlossenen Subsidien-Traktate" seien 
in Hessen „Gegenstände landesherrlicher Hoheits 
rechte" und den Stünden ermangele eigentlich die 
„nöthige Kenntniß der bei Schließung solcher 
Traktate vorwaltenden Umstände und Beweg 
gründe, wobei sie es gegenüber der „großmüthi 
gen und ruhnwollen Absicht ihres geliebten Re 
genten" zugleich offen aussprachen: daß es ihnen 
auch „nie in den Sinn komme, die bei Schließung 
der Subsidien-Traktate mit andern Mächten 
solitarie zum Grunde liegenden Hoheitsrechte 
ihres durchl. Landcsherrn im Geringsten zu be 
zweifeln". 8 ) 
Diese Thatsachen aus dem hessischen Verfassungs 
leben, verbunden mit dem Umstande, daß das 
hessische Heer schon im vorigen Jahrhundert auf 
die Landes-Verfassnng beeidigt wurde, diese That 
sachen, sage ich, ergeben sehr deutlich: daß neben 
dem deutschen Staatsrecht auch die hessische Landes- 
') Pfeiffer, Geschichte der landst. Verfassung in Kur 
hessen. (1834) S. >71. 
2 ) Das. S. 165. 
3 ) Pfeiffer, a. a. SO. S. 16».
	        

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