Full text: Hessenland (1.1887)

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Bullen Provida solersque Vom 16. August 1821 
und Ad dominici gregis custodiam vom April 1827 
die Wahl vollzogen werden, von welchen bei der 
letzte» Besetzung des bischöflichen Stuhles zu Fulda 
Abstand genommen worden war. Es kursiren im 
Publikum Listen der Bischofskandidaten, die sich 
widersprechen. Wer weiß, daß bei solchen geistlichen 
Wahlakten die unverbrüchlichste Verschwiegenheit in 
den maßgebenden Kreisen herrscht, dem wird es auch 
keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß jene Listen 
blos auf Gerüchte zurückzuführen sind, die jeglicher 
Authenticität entbehren. Eine interessante Anekdote 
bezüglich der Verschwiegenheit in solchen Angelegen» 
heiten erzählt uns Malkmus in seinem Historien- 
büchlein, die charakteristisch genug ist, um sie hier 
wiederzugeben: »Pfarrer Krisch, einer der ältesten 
Priester der Diärese Fulda, war im Jahre 1848 
nach dem Tode des Bischofs Psaff bei Aufstellung 
des Verzeichnisses derjenigen Geistlichen, die das Dom 
kapitel durch geheime Abstimmung für die Wieder- 
bcsetzung des bischöflichen Stuhles als Kandidaten in 
Aussicht nahm, einer der drei Skrutatoren, welche 
unter Angelobung strenger Verschwiegenheit die Wahl- 
zettel entgegen zu nehmen, die abgegebenen Stimmen 
zu zählen und das Ergebniß der Wahl zu ermitteln 
hatten. Nach Vollendung dieses Geschäftes begegnete 
ihm der Medizinalrath vr. I. Wiegand und fragte 
neugierig: »Nun, Herr Pfarrer, Sie kommen soeben, 
wie ich sehe, vom Skrutinium; welches sind denn 
die erwählten Bischofs-Kandidaten?" Darauf erwiderte 
Krisch: »Können Sie schweigen, Herr Doktor?" 
Aus dieser Vorfrage und aus dem Tone, womit sie 
ausgesprochen war, glanbte W. auf die Geneigtheit 
des Pfarrers schließen zu dürfen, daß er ihm das 
Geheimniß verrathen werde, und antwortete mit 
feierlichem Ernste: »Schweigen? Ich kann schweigen 
wie das Grab." »Ich auch," versetzte Krisch und 
ging seiner Wege." — 
, Der nächste Donnerstag, der 4. d. M., an welchem 
endlich,, wie oben bemerkt, die Wahl des neue« 
Bischofs von Fulda vollzogen werden soll, wird 
Klarheit bringen. Möge die bevorstehende Wahl der 
Diöcese Fulda zum Heil und Segen gereichen. Das 
walte Gott! 
Todesfälle. Am 11. October starb nach kurzem 
Krankenlager der Oberlandesgerichtsrath Otto 
Klingender. Geboren am 18. December 1817, 
besuchte er das Gymnasium zu Hersfeld, studirte 
hiernach auf der Landesuniversität Marburg Juris 
prudenz, wo er zu den ausgezeichnetsten Schülern 
Vangerow's zählte. Nach absolvirtem juristischem 
Vorbereitungsdienste war er zuerst Amtsasseffor in 
Grebenstein, wurde hiernach zum Obergerichtsaffessor in 
Rotenburg ernannt und von hier in rascher Folge an die 
Obergerichte zu Fulda und Marburg versetzt. Als 
Justizbeamtcr wirkte er an den Justizämtern zn 
Wolfhagen und Kassel, wurde in den 50r Jahren 
zum Obergerichtsrathe befördert, von 1867 an war 
er Mitglied des Appellationsgerichtes und von 1879 
ab des Oberlandesgerichts in Kassel. Der Ver 
blichene war ein berufstreuer Beamter von tief 
religiösem Gemüthe, wegen der Wahrhaftigkeit, Lauter 
keit und Herzensredlichkeit seines Wesens hochgeachtet 
von allen, die ihn kannten. Die Kollegen des Ver 
blichenen haben demselben einen warmen Nachruf ge 
widmet, in welchem seiner verdienstvolle» amtlichen 
Thätigkeit und seinem edlen menschlichen Charakter die 
gebührende Anerkennung zu Theil wird. R. i. p. 
Am 13. Okt. verschied Plötzlich am Schlagfluffe 
der Landgerichtsrath a. D. Karl Fulda, geboren 
1817 zu Kassel als Sohn des Geh. Oberfinanzraths 
F. Karl Fulda besuchte die Gymnasien zu Hildcs- 
heim und Kassel, welches letztere er 1835 absolvirte. 
widmete sich hierauf dem Studium der Rechtswissen 
schaft auf den Universitäten Marburg, Göttingen 
und Bonn. Nach seinem juristischen Vorbereitungs 
dienste wurde er zunächst Amtsasseffor in Neuhof, 
dann Vertreter der Staatsanwaltschaft in Rotenburg. 
Hiernach wurde er zum Justizbeamten in Allendorf 
a. d. W. befördert, in welcher Stellung er zwölf 
Jahre lang wirkte, bis er als Staatsprokurator nach 
Rinteln versetzt wurde. Im Jahre 1867 wurde er 
zum Kreisrichter bezw. Kreisgerichtsrath bei dem 
Kreisgerichte in Marburg und 1879 zum Land 
gerichtsrath daselbst ernannt. Nach seiner Pensionirung 
ließ er sich in Kassel nieder. Schon als Student 
hatte sich Fulda mit literarische» Arbeiten beschäftigt, 
bei welchen unser bekannter hessischer Romanschrift 
steller Heinrich Koenig sein Leiter und Berather 
war. Von seinen Schriften nennen wir die Bio 
graphie Charlottens von Schiller, seine Studie über 
William Shakespeare, sein Buch über Adalbert von 
Chamisso. Von seinen juristischen Schriften sind 
hervorzuheben: »Die Reform des Gefängnißwesens", 
»die Gefängnißverbefferung und der Strafvollzug für 
das Deutsche Reich". Gemeinschaftlich mit Ä. Hoff 
meister gab er die interessante Schrift: »Hessische 
Zeiten und Persönlichkeiten" (Marburg 1876) heraus. 
Die Kritik hat sich über seine Schriften,' sowohl lite 
rarischen, wie juristischen Inhalts, mit Anerkennung 
ausgesprochen. I. 
— Am Sonntag den 16. Oktober wurden die 
irdischen Reste des am 14. Oktober nach nur kurzem 
Krankenlager verschiedenen, auch in den Lehrerkreise» 
höherer Schulen in anderen Städten bekannt gewordene»
	        

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