Volltext: Hessenland (8.1894)

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wurde von dem Vorsitzenden. Herrn Bibliothekar 
Dr. Brunner, eröffnet, welcher zunächst die Per 
sonalveränderungen im Monat April zur Kenntniß 
der Mitglieder brachte. Der Verein hat 5 Mit 
glieder verloren, darunter den in Fulda verstor 
benen Schriftsteller F. Zw eng er. welchem der 
Vorsitzende einen warm enipfundenen Nachruf 
widmete. Zwenger hat durch die vor 8 Jahren 
iws Leben gerufene Zeitschrift „Hessenland" zur 
Belebung des Interesses an der Geschichte unseres 
engeren Vaterlandes wesentlich beigetragen und 
der hessischen Geschichte große Dienste geleistet. 
Diesem Abgang von 5 Mitgliedern stellt sich ein 
Zugang von 19 Mitgliedern gegenüber, sodaß der 
Verein erfreulicher Weise einen Zuwachs von 14 
Mitgliedern zu verzeichnen hat. Um die An- 
werbung neuer Mitglieder haben sich namentlich 
die Herren Postverwalter Siegel in Lichtenau und 
Dr. Zülch in Treysa verdient gemacht. Die dem 
Verein gewordenen Zuwendungen sind besonders 
werthvoll. Die Herren Gebrüder Landsiedel hatten 
vor Neuherstellung der Zimmer des zweiten Stockes 
ihres in der oberen Marktgasse Nr. 7 gelegenen 
Hauses die Herren Bibliothekar Dr. Brunner und 
Konservator Dr. Bickell in Marburg auf die Oel- 
inalereien der Wände ihrer Zimmer aufmerksam 
gemacht. Dieselben haben sich sowohl interessant 
für unsere Stadtgeschichte, als auch von hohem 
kunstgeschichtlichen Interesse herausgestellt. Die 
Reihe von Bildern stellt, so ist anzunehmen. 
Scenen aus einem Roman dar und sind die 
Helden in griechischen Kostümen gemalt. Die 
Wandbekleidung eines Zimmers haben die Herren 
Gebrüder Landsiedel dem Verein für hessische Ge 
schichte und Landeskunde zum Geschenk gemacht. 
Sodanil hat der Verein interessante Beiträge von 
Herrn Bankier Herrlich. eine Urkunde der ersten 
Niederlassung seiner Vorfahren in Kassel ini Jahre 
1134 und von Herrn Kaufmann Klemme eine 
Urkunde der Majoratsstiftung des Generals 
v. Schlieffen. außerdem das Programm des König 
lichen Gymnasiunls in Marburg erhalten. Der 
Vorsitzende komint hierauf noch auf die in einer 
hiesigen Zeitung aus Kerstenhausen enthaltene 
Korrespondenz zurück, nach welcher das Denkmal 
von Kleinenglis, welches im Lause der Zeit durch 
Wind und Wetter arg beschädigt sei. wieder restaurirt 
und so der Nachwelt erhalten werde, und Herr 
Konservator Bickell theilt der Versammlung mit, 
daß in einer Eingabe bei Königlicher Regierung 
dieselbe ersucht sei, die Gemeinde zu beauftragen, 
das Denkmal wieder aufzurichten und dasselbe mit 
einem Gitter zu umgeben. Hieraus hielt Herr 
Rechtsanwalt Dr. Harnier den angekündigten Vor 
trag über „Friedens- und Kriegsbilder aus der 
westfälischen Zeit" (nach Tagebüchern des Herrn 
Geheimen Medizinalraths Dr. Harnier). Der Vor 
sitzende sprach am Schluß dem Redner für feinen 
interessanten Vortrag den Dank aus und bemerkte, 
daß hiermit die Reihe der dieswinterlichen Vorträge 
geschlossen sei. In der Pfingstwoche beabsichtigt 
der Geschichtsverein, den ersten Ausflug nach der 
Ruine Reichenbach bei Lichtenau zu unternehmen. 
(Kass. Tagebl.) 
Zur Vorfeier des 25jährigen Jubiläums der 
Kasseler städtischen höheren Mädchenschule fand 
am 30. April Abends 7 Uhr ein Festkonzert in der 
St. Martinskirche statt. Man hätte für diese 
Aufführung keine bessere Wahl treffen können, als 
die von A. Bredels Oratorium „Der zwölf 
jährige Jesus". — An die wohlgelungene 
Vorfeier^ (schloß sich am 1. Mai Vormittag 
10 Uhr die eigentliche Schulfeier im großen 
Stadtparksaale an. der schon lange vorher dicht 
mit Festgästen gefüllt war. Mit der hier schon 
öfters gehörten Hymne „Der Herr hat Großes 
an uns gethan" von A. Brede, wurde die Feier 
durch den Sängerinnen-Chor der höheren Mädchen 
schule eröffnet. Alsdann bestieg der Leiter der Jubel- 
Anstalt. Herr Direktor Dr. Krummacher, die 
Rednertribüne. um die Festrede zu halten. — 
Daraus folgte die vom Herrn ^Musikdirektor B rede 
eigens für den Jubeltag komponirte Jubelkantate 
für Soli und Chor. welche den weihevollen Ab 
schluß der Feier im Stadtparksaale bildete. — 
Nachmittags fand ein Festessen im Lesemuseum statt. 
(K. Tgbl.) 
W. Aus Leipzig wird uns geschrieben: 
Am Ostermontag, den 26. März d. I., verabschiedete 
sich Herr Dr. tbsol. st phil. Johann Georg 
Dreydorff. Pastor der evangelisch-reformirten 
Gemeinde zu Leipzig, nach 2 7 jähriger Amtsthätig 
keit von seiner Gemeinde, um in den Ruhestand 
zu treten. Unser verehrter Landsmann (Herr Pastor 
Dreydorff stammt aus Ziegenhain) hat sich in der 
langen Zeit seiner Wirksamkeit in Leipzig Vieler 
Herzen zu nie erlöschendem Danke verpflichtet und 
durch seine ausgezeichneten Kanzelreden wie durch 
seine hingebende Seelsorge manchen Zwiespalt im 
Herzen und Gewissen seiner Zuhörer versöhnt und 
dadurch nicht Wenige der Kirche gewonnen oder 
erhalten. Die Dankbarkeit seiner einzigen Ge 
meinde zeigte sich denn auch in einem überaus 
starken Besuche des letzten von ihm geleiteten 
Gottesdienstes. — Am 31. März, dem letzten Tage 
seiner Amtsthätigkeit, begaben sich sodann sämmt 
liche Mitglieder des evangelisch-reformirten Kon 
sistoriums zu Leipzig in die Wohnung des Herrn 
Pastor Dreydorff, um ihm durch den Mund ihres
        

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