Full text: Hessenland (8.1894)

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doch besänftigte er sich, da ihm die Abgesandten 
gefielen, und lud sie sogar an seine schwelgerische 
Tafel, wo er dann die Liebenswürdigkeit selbst 
war. Diese Gesandschaft rettete die Stadt Homberg. 
1827 wurde Dithmar in den Stadtrath, 1829 
zum Bürgermeister gewählt. 1830 nahm er als 
Bürgermeister von Homberg am konstituirenden 
Landtage Theil. Von 1832—1848 bekleidete er 
das Amt eines Vizebürgermeisters, in welcher 
Eigenschaft er es erlebte, daß eine Rotte Hand 
werker in die Stadtrathsitzung eindrang unb alle 
Rathsglieder aus dem Fenster zu werfen drohte, 
falls diese nicht ihre Einwilligung zur Reparatur 
der Kirche geben würden. Die Last des Bürger 
meisteramts lag meist auf seinen Schultern, da 
der regierende Bürgermeister, ein Schuhmacher, 
regelmäßig verhindert war oder Erleichterung in 
seinem Amte beanspruchte. Seiner lebhaften Mit 
wirkung ist die Verlegung des Schullehrer-Seminars 
nach Homberg zu verdanken. Im Frühjahr 1848 
mußte der gesammte vorhandene Stadtrath ab 
danken, die an die Stelle der Abgesetzten gewählten 
Männer traten aber 1850 gern wieder zurück. 
Dithmar nahm sich den Umschwung der Dinge 
so zu Herzen, daß er erkrankte und nach längerem 
Leiden am 1. August 1850 starb. Er war ver 
heiratet mit Lisette, geborene Rössel, Tochter 
des Raths Rössel zu Elberburg mrd hatte neun 
Kinder (50-58). 
50. Elise Dithmar wurde zu Homberg am 
1. Februar 1808 geboren und starb daselbst un 
verehelicht am 1. Mai 1882. 
51. Georg Theodor Dithmar wurde zu 
Homberg in Niederhessen am 10. Dezember 1810 
geboren, lernte Lateinisch und ein wenig Griechisch 
bei Rektor W. Coester in der Vaterstadt, besuchte 
das Gymnasium zu Hersfeld von 1825—1828. 
Seine um ihn hochverdienten Lehrer daselbst waren 
Münscher, Piderit und Vilmar. Bei der 
Militüraushebung in Homberg (Mürz 1828) wurde 
er für tauglich zur Garde befunden, doch durch 
die Bemühung des Kreisraths Cranz frei ge 
geben. Von Michaelis 1828 bis Pfingsten 1832 
studirte er in Marburg vorzugsweise Theologie. 
Professor H. Hup selb war ihm der liebste von 
seinen damaligen Lehrern, unter dessen Dekanat 
er am 6. Juni 1832 das Kandidatenexamen mit 
Lob bestand. Vom Juni 1832 lebte er, sich aus 
ruhend, in Homberg. Als Student hatte er als 
Subsenior des Korps Teutonia sich in zehn Men 
suren den Ruf eines „gefürchteten" Schlägers 
erworben. Von April bis Oktober 1833 war er 
Lehrer der v. Blumenstein'schen Söhne in 
Rotenburg a. Fulda. 
Da Rektor W. Coester als Pfarrer von 
Homberg nach Obervorschütz abging, wurde ihm, 
der noch nicht ganz 23 Jahre alt war, die Ver- 
sehung der Rektorstelle in Homberg übertragen. 
Da man ihn für die Stelle tüchtig befunden, die 
er am 14. Oktober angetreten hatte, bekam er 
dieselbe definitiv am 25. Juli 1834. Im Sommer 
1835 machte er eine Reise über Gotha, Erfurt, 
Halle, Wittenberg nach Berlin. Er besuchte viele 
Schulen und Kirchen und machte interessante 
Bekanntschaften. Im November 1836 ward er 
an das Gymnasium in Fulda als beauftragter 
Lehrer gesandt, wo er im Ganzen in angenehmen 
Verhältnissen lebte. Doch als der ihm ertheilte 
Auftrag höheren Ortes zurückgezogen war, kam 
er auf Vilmar's Veranlassung an das Gymnasium 
zu Marburg, wo ihn Vilmar auch zum Gymnasial 
bibliothekar machte und ihn mit ununterbrochenem 
Vertraue!! beglückte. Er übertrug ihm noch vor 
seinem Scheiden den Unterricht des Deutschen in 
Prima. Münscher, dessen Nachfolger, übertrug 
ihm auch den Unterricht im Hebräischen und die 
Lektion der griechischen Dichter in Prima. Außerdem 
leitete er mit Pfarrer L. Schmitt hier eine 
Privattöchterschule. Sein Gesundheitszustand war 
längere Zeit nicht der beste. Doch es hieß gearbeitet! 
Vilmar's Nachfolger, Direktor Fr. Münscher 
schenkte ihm ebenfalls sein ganzes Vertrauen. 
Auf dessen Wunsch fing er au Gedichte zu machen 
und lieferte solche zu den Festen aller hessischen 
Gymnasien: Hanau 1865, Rinteln 1867, Hersfeld 
1870. Kassel 1879, Fulda 1885. Dieselben 
wurden mit Ausnahme des Kassel'schen gedruckt 
und zu gutem Zweck verwendet. Dr. Piderit 
gab das Hanau'sche mit Anmerkungen heraus, das 
für Hersfeld elegant gedruckte half durch den Erlös 
zur Gründung einer neuen Freitischstelle. 
Für das Marburger Gymnasium schrieb er 
dreimal die wissenschaftliche Abhandlung zum Oster 
programm, 1848 über altdeutschen Katechismus- 
Unterricht, 1861 zur Geschichte der deutschen 
Grammatik, welcher Jakob Grimm seine An 
erkennung nicht versagte, und 1867 über H. W. 
Kirchhof; auch verfaßte er alle im Namen des 
Lehrerkollegiums ergehenden Jubiläumsgedichte, 
so z. B. 1870 nach Hersseld. An selbstständigen 
Werken ließ er folgende erscheinen: Deutsches 
Historienbuch 1851, zweite Auflage 1860, und 
Marburg's Vorzeit 1872. Vilmar's Litteratur 
geschichte und deutsche Grammatik gab er wiederholt 
neu heraus, desgleichen Johann Paul's Schimpf 
und Ernst 1856. Zahllose Gelegenheitsgedichte 
von ihm erschienen im Hessenland, in den hessischen 
Blättern, dem Melsuuger Kalender, der ober 
hessischen Zeitung und in anderen Blättern. 
Er trat im Herbst 1875 nach öffentlicher
	        

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